Regionalliga Nordost

Der Berliner AK lebt seinen Aufstiegstraum

Der Moabiter Viertligist rückt durch ein 2:1 bis auf drei Punkte an Spitzenreiter FSV Zwickau heran. Und bleibt im Endspurt bescheiden.

LaVere Corbin Ong (r.) bleibt gegen Patrick Göbel standhaft

LaVere Corbin Ong (r.) bleibt gegen Patrick Göbel standhaft

Foto: imago sportfotodienst / imago/Björn Draws

Berlin.  Steffen Baumgart war kaum mehr im Zaum zu halten. Auch die Coaching-Zone konnte den Trainer des Berliner AK schon längst nicht mehr bändigen. Erst als sich mit dem Schlusspfiff die gesamte Anspannung in einem lauten Jubel entlud, war der ehemalige Profi wieder zurück in dieser Welt.

Zu aufreibend waren die letzten Minuten im Spitzenspiel der Fußball-Regionalliga Nordost gegen den FSV Zwickau gewesen. Nun, nach dem 2:1 (1:1) des Zweiten gegen den Ersten, gab sich Baumgart so wie schon die gesamte Spielzeit über: mit beiden Beinen auf dem Boden.

„Heute gab es drei Punkte, das nehmen wir so hin und gut ist“, sagte der Coach. Kein ausgelassener Jubel, weil der BAK mit Zwickau gefühlt gleich gezogen ist; der Abstand zu den Sachsen beträgt bei einem Nachholspiel in Auerbach (11. Mai) nur noch drei Zähler.

Schon als Profi bei Union, in Cottbus oder Rostock ließ sich der 44-Jährige nie zu irgendwelchen Kampfansagen hinreißen. Was nicht heißt, dass er keine Ziele hat. „Ich habe immer gesagt, dass ich an die Regionalliga-Spitze will“, sagte Baumgart. Sein Team, der ganze Verein ist gerade dabei, dem Trainer den Wunsch zu erfüllen.

Die Lizenzunterlagen wurden fristgerecht eingereicht

Keine Frage, der Sieg gegen Zwickau ist ein weiterer wichtiger Schritt für den BAK auf dem Weg zur unumschränkten Nummer drei im Berliner Fußball hinter Hertha BSC und dem 1. FC Union. Ein „Aufstieg jetzt“ gibt es jedoch nicht. „Wir wollen aufsteigen, müssen es aber nicht“, machte Kemal Halat deutlich.

Seit Ende März ist der 44-jährige Sportdirektor beim BAK. Den früheren Innenverteidiger (Nürnberg, Düsseldorf, Türkiyemspor) zog es aus familiären Gründen zurück in die Hauptstadt. Zuletzt war er als Trainer der libyschen U20 aktiv. Nun soll er sein Netzwerk nutzen, um den BAK fit für die Dritte Liga zu machen. Die Lizenz-Unterlagen wurden jedenfalls fristgerecht eingereicht.

Es passt ins Bild, dass von allen Seiten, ob Spieler, Trainer oder Funktionären, immer wieder eines genannt wird, wenn man nach dem Erfolgsrezept fragt: der Teamgeist. Das sieht man nicht nur auf dem Platz, sondern „auch in jedem Training“, sagte Mehmet Ali Han.

Der Bau-Unternehmer ist nicht nur seit zehn Jahren Sponsor, sondern seit 2008 auch Präsident des Klubs. Er war zur Stelle, als die unsägliche Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor 2007 nach nur einem Jahr endete und 70.000 Euro Schulden hinterließ. Hans Auftreten ist bescheiden, so wie er auch den Klub wahrgenommen wissen will.

3227 Zuschauer sehen Spitzenspiel im Poststadion

Stattdessen freut er sich darüber, dass die disziplinarischen Maßnahmen gegen Devann Yao offenbar gefruchtet haben. Der Stürmer war nach seiner Suspendierung wegen einer Prügelei im Training erst Ende März begnadigt worden, nun erzielte er drei Minuten nach seiner Einwechslung den Siegtreffer gegen Zwickau.

Nach guter Vorarbeit von Kapitän Maurice Trapp und Zafer Yelen war der Amerikaner vor 3227 Zuschauern im Poststadion zur Stelle (79.). Vor der Pause hatte Maximilian Zimmer den BAK in Führung gebracht (11.), Davy Frick hatte ausgeglichen (44.).

„Dass wir das entscheidende Tor gemacht haben, lag daran, dass wir einen Fehler mehr ausgenutzt haben als Zwickau“, sagte Baumgart. Dennoch habe er ein sehr gutes Regionalligaspiel gesehen. „Jetzt geht es erst richtig los“, erklärte Baumgart mit Blick auf das Aufstiegsrennen, das Ende Mai in zwei Spielen gegen einen der beiden Südwest-Vertreter (derzeit Mannheim oder Elversberg) mündet. „Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass Zwickau immer noch Tabellenführer ist“, mahnte Baumgart.