Satire

Lukas Podolski greift Jan Böhmermann an

Lukas Podolski ätzt gegen Böhmermanns Schmähgedicht auf Erdogan. Der Nationalspieler hat seine eigene Vergangenheit mit dem Satiriker.

Lukas Podolski hat noch eine Rechnung offen mit dem Satiriker

Lukas Podolski hat noch eine Rechnung offen mit dem Satiriker

Foto: Ulas Yunus Tosun / dpa

Berlin. In den Streit um die Erdogan-Satire von Jan Böhmermann hat sich jetzt Lukas Podolski eingemischt. Auf Twitter schrieb der Spieler von Galatasaray Istanbul: „Lieber Jan, wer immer nur auf Kosten anderer austeilt, der kriegt irgendwann den Boomerang zurück.“ #poldisatire #nichtvergessen #gürtellinie.

Der ZDF-Moderator und Satiriker Böhmermann hatte Erdogan in einem satirischen Gedicht der ZDF-Sendung „Neo Magazin Royal“ unter anderem als „Ziegenficker“ geschmäht. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat strafrechtliche Ermittlungen gegen Böhmermann eingeleitet.

Klage gegen „Poldis Tagebuch“

Hintergrund des Podoslki-Tweets ist ein Rechtsstreit, den der Fußballnationalspieler mit dem Satiriker ausgefochten hat. 2005 erfand Böhmermann für das WDR-Jugendprogramm 1Live die Hörfunkreihe „Podolskis Tagebuch“.

Eine Satire über den damaligen Kölner Spieler, die dieser allerdings so unlustig fand, dass er den WDR deswegen verklagte und 2006 während der WM der ARD keine Interviews gab. Aus dieser Serie stammt auch der mittlerweile berühmte Satz „Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel“, die fälschlicherweise Podolski zugeschrieben wurde.

Die einstweilige Verfügung scheiterte jedoch vor dem Landgericht München I, ein Jahr später zog Podolski eine weitere Klage zurück.

Podcast zur EM 2008

Zur EM 2008 gab es dann den Podcast „Pod-Olski – Der EM-Podcast von Lukas“. Während dieser zeit war der Nationalspieler bei Bayern München unter Vertrag. Mit der Rückkehr Podolskis nach Köln wurde „Lukas Tagebuch zwar eingestellt, doch „Lukas“ lebte weite:in der Nachfolgeserie „Lukas’ WG“, in der er mit Geißbock Hennes zusammenwohnt.

Satire, die viele lustig fanden - nur nícht der Betroffene: Viele der 2,92 Millionen Follower haben Podolskis Tweet entsprechend abfällig kommentiert: Wenn @janboehm eine Radiokolumne bei @1LIVE über das Tagebuch von #Erdogan macht, wird bestimmt alles wieder gut.“ ätzt zum Beispiel Jan Felsenheimer, Autor des satirischen Podcasts „Das Wochenmagazin“. Ob Podolski auch darauf antwortet?

"Ich habe nie gesagt, dass ich wechseln werde oder Angebote habe"

Zumindest sportlich hat er in der Türkei ganz andere Sorgen: Gerade hat er die Berichterstattung über ihn in der türkischen Presse kritisiert.

"Wenn man anfängt, zu lügen und Geschichten zu erfinden, ist das nicht korrekt", sagte Podolski in einer von ihm selbst veranlassten Pressekonferenz in Istanbul. Der deutsche Nationalspieler bezog sich dabei unter anderem auf angebliche Wechselabsichten.

Mit sportlicher Kritik habe er kein Problem, die Spekulationen führten aber dazu, dass bei deutschen Medien und Fans falsche Informationen ankommen würden. "Das macht man als Journalist nicht", sagte Podolski. "Es wird immer spekuliert und geschrieben, damit muss man als Fußballer leben. Ich habe nie gesagt, dass ich wechseln werde oder Angebote habe."

Podolskis Verhalten und angebliche Wechselabsichten waren in den vergangenen Wochen in türkischen Medien ein regelmäßiges Thema. Mit Galatasaray steht der 30-Jährige nur auf dem achten Platz der Süper Lig. Das sei eine "unschöne Situation", sagte Podolski. Ziel sei, die Europapokalplätze zu erreichen und den Pokal zu gewinnen. In der nächsten Saison wolle man dann "wieder neu angreifen".