Spielerberater

Mitspieler um Macht und Millionen

Sie sind wichtig und umstritten: Die Bundesliga gibt dreistellige Millionenbeträge für Spielerberater aus. Das gefällt nicht jedem.

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Hamburg.  Es geht um Macht und viele Millionen, der Markt wird immer härter und umkämpfter: Wenn Spielerberater im deutschen Profi-Fußball ihr Personal anbieten, geht es nicht selten zu wie auf dem Basar.

Nun ist ein bestens gehütetes Geheimnis der Schattenwelt gelüftet worden: Wie viele Millionen streichen die Berater wirklich ein, wenn Transfers abgewickelt oder Verträge verlängert werden?

Allein die 18 Bundesligisten zahlten laut Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zwischen dem 15. März 2015 und 15. März 2016 127,73 Millionen Euro an Provisionen und Honoraren an Spielervermittler.

Laut Statistik hat Schalke 04 mit 16.860.333 Euro noch vor Bayern München (16.663.250) am meisten in den vergangenen zwei Transferperioden an Berater überwiesen.

80 Prozent der Ausgaben gehen an zehn Prozent der Berater

„Die nackte Tabelle erweckt einen falschen Eindruck. Nicht nur die Honorare bei Spielerkäufen tragen zu der Summe bei, sondern auch die Provisionen bei Vertragsverlängerungen und bei Spielerverkäufen", sagte Schalke-Manager Horst Heldt dem „Reviersport“.

Interessant: Rund 80 Prozent der umgesetzten 127,73 Millionen Euro sollen an nur zehn Prozent der Berater geflossen sein, wie ein Insider sagte. Einige große Player sind besonders gut vernetzt und im Geschäft.

So hat „SportsTotal“ von Volker Struth viele Stars unter Vertrag, darunter Weltmeister Mario Götze (FC Bayern) und Marco Reus (Borussia Dortmund). Aber auch „Rogon“ von Roger Wittmann (u.a. Bayern-Verteidiger Rafinha und Frankfurt-Torjäger Alex Meier) und „Arena 11“, bei dem unter anderem Thomas Strunz als Spielerberater arbeitet, gelten als große Marken.

In der Regel kassieren die Berater ungefähr zehn Prozent der Transfersumme oder vom Jahresverdienst bei einer Vertragsverlängerung.

Warum Frankfurt in der Geld-Tabelle unten steht

Heribert Bruchhagen steht dem Treiben der Berater seit Jahren kritisch gegenüber, der Vorstands-Boss lässt nicht mit sich handeln. „Wir bezahlen vier Prozent des Grundgehaltes, das handhaben wir bei Eintracht Frankfurt seit 13 Jahren so", sagte Bruchhagen.

Die Hessen zahlten 2015 „nur“ 1.914.830 Euro für Berater, Rang 16 in der Geld-Tabelle. Erfreulich für Bruchhagen. Aber: Er habe anderen Klubs keine „Ratschläge“ zu geben, sagte er: „Jeder muss machen, was er für richtig hält.“ Spielerberater hätten sicher „großen Einfluss, aber zum Abschluss eines Vertrages gehören zwei Seiten“.

Für den langjährigen Bayer-Leverkusen-Manager Reiner Calmund sind die Spielervermittler nicht verzichtbar. „Es geht nicht ohne Berater, natürlich zuckt man bei der Gesamtsumme, aber man muss sie in Relation zu den Personalkosten sehen“, sagte der 67-Jährige.

„Wie auf dem Viehmarkt“

Die meisten Geschäfte laufen wohl sauber ab, doch oft wird wohl auch mit unlauteren Methoden um den besten Deal gefeilscht. Trainer Christian Streich vom SC Freiburg kritisierte einmal, seine Spieler würden „angeboten wie auf dem Viehmarkt“, er beklagte „üble Mechanismen“.

Zudem hat sich die Anzahl der Berater in den vergangenen Jahren vervielfacht, viele nicht Lizenzierte drängen in den Markt – oft haben heute schon Zwölfjährige einen Berater. Der VfB Stuttgart überlegte sogar schon, sein Trainingsgelände für Berater zu sperren.

Nicht selten ist in der Branche hinter vorgehaltener Hand auch von Kickback-Zahlungen, die die Klubmanager erhalten, die Rede. Dabei verpflichten die Vereinsvertreter Spieler deutlich über Wert und erhalten dafür vom Berater unter der Hand einen Teil der Provision zurück.

Thomas Kroth, Präsident der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV), kämpft gegen den schlechten Ruf seiner Branche. Es gebe professionelle Karrieremanager, die sich bei Bedarf rund um die Uhr um ihre Klienten kümmern.

Aber wie überall natürlich auch Schwarze Schafe. Da seien auch die Vereine gefordert. „Die Klubs müssten auch mal Nein sagen und den Berater vor die Tür setzen, wenn er nicht seriös ist", so Kroth