Clasico

Cristiano Ronaldo schreibt das Drehbuch um

Der Portugiese entscheidet das Duell gegen den FC Barcelona und gibt Real Madrid Schwung für das Champions-League-Spiel in Wolfsburg.

Cristiano Ronaldo schießt kurz vor Schluss das entscheidende 2:1

Cristiano Ronaldo schießt kurz vor Schluss das entscheidende 2:1

Foto: Juan Medina / REUTERS

Barcelona.  Das warme Licht der Abendsonne wich der Nacht und gab die Bühne frei für die Hommage an den verstorbenen Johan Cruyff. In einem Video reihten Mitglieder seines legendären „Dream Team“ um Pep Guardiola, Ronald Koeman oder Michael Laudrup einige seiner Aphorismen aneinander.

„Fußball wird mit dem Hirn gespielt“. Oder: „Das beste Büro ist der Ball.“ Es folgte minutenlanges Klatschen der 100.000 Zuschauer. Und während sie danach a capella die Klubhymne sangen, bildeten sie ein Mosaik zu seinen Ehren.

Alles verlief nach Drehbuch – nur das Spiel nicht. Alles gereichte dem Maestro zur Ehre – nur Barcelonas Mannschaft agierte nicht auf der Höhe des Anlasses, beim 264. Duell mit Real Madrid.

Kein 500. Tor von Lionel Messi

In einem Clasico der Freestyle-Variante ließ sie Cruyffsche Prinzipien vermissen, verspielte am Sonnabend eine Führung und verlor trotz Überzahl den Nimbus ihrer Unbesiegbarkeit aus 39 Partien. 1:2 (0:0) gegen den ungünstigsten Gast für so einen Downer, kein 500. Tor von Lionel Messi. „Dieses Spiel ist für mich schon vorbei, es tut schon nicht mehr weh“, sagte jedoch Trainer Luis Enrique.

Die Champions-League-Visite von Atlético Madrid steht an. Außerdem bleibt zumindest die tabellarische Bedeutung dieser Niederlage überschaubar – sieben Spieltage vor Schluss liegt Barça immer noch sechs Punkte vor Atlético und sieben vor Real. „Als Madrid am Punkt des Gnadenschusses angekommen schien, gewährte ihm Barça das Leben”, klagt nun dennoch die vereinsnahe „Sport“.

Schon vor dem Rückstand durch Gerard Piqués Kopfball (50.) hatte Real die besseren Chancen, kurz danach verwertete Karim Benzema eine abgefälschte Vorlage von Toni Kroos zum Ausgleich (62.). Als Sergio Ramos in der 84. Minute vom Platz flog, war Real längst auferstanden. Im nächsten Angriff erzielte ausgerechnet Cristiano Ronaldo das Siegtor und schrieb damit das Drehbuch um.

Bale: „Perfekter Schub für unser Selbstbewusstsein“

Arbeit, Teamgeist und bessere Physis predigte Reals Jungtrainer Zinédine Zidane seit seiner Amtsübernahme im Januar. Alles bekam er geliefert. „Grandios“ nannte er die Leistung. „Psychologisch ist dieser Sieg enorm wichtig.“

Dass er noch zur Meisterschaft reichen könnte, wollte man zwar bestenfalls orakeln – „der Fußball stellt manchmal lustige Dinge an mit Mannschaften, die verlieren“, sagte Gareth Bale. Am „perfekten Schub für unser Selbstbewusstsein“ jedoch gab es nichts zu deuteln.

Real fühlt sich in Stellung für das eine große Ziel, das diese Saison auch in dunkelsten Stunden noch reservierte: die Champions League. Aus Sicht des VfL Wolfsburg, Gegner am Mittwoch, hätte der Abend besser laufen können.

Aus Sicht des FC Barcelona sowieso. Dort bleibt die Hoffnung, dass es sich bei der ungewohnten Niederlage nur um eine Momentaufnahme handelte. Der berühmteste Aphorismus von Johan Cruyff lautet: „Geht raus und genießt.“ Für seine Erben war dieser Abend allerdings keiner zum Genießen.