Fettnäpfchen

Warum die Ägypter jetzt Lionel Messi hassen

Der Weltstar schenkte einer ägyptischen Moderatorin Schuhe – und löste damit großen Ärger aus. Dabei hat er eigentlich Grund zum Jubel.

Peinlich berührt: Lionel Messi ahnte nicht, was sein Schuhgeschenk anrichten würde

Peinlich berührt: Lionel Messi ahnte nicht, was sein Schuhgeschenk anrichten würde

Foto: Natacha Pisarenko / picture alliance / AP Photo

Berlin. Weltfußballer Lionel Messi hat mit einer eigentlich gut gemeinten Geste den Zorn vieler Ägypter auf sich gezogen. Im Rahmen eines Interviews mit dem ägyptischen Fernsehsender MBC Masr hatte der Argentinier der Moderatorin Mona El-Sharkawy seine Fußball-Schuhe überlassen, um diese für einen guten Zweck zu versteigern.

In der arabischen Welt gilt der Schuh allerdings als unreines Kleidungsstück und die großzügige Spende damit als Beleidigung. Noch demütigender ist der Wurf von Schuhen auf eine ungewünschte Person. So wurde 2008 der damalige US-Präsident George W. Bush bei einer Pressekonferenz in Bagdad von dem irakischen Journalisten Muntazer al-Zaidi mit einem Paar Schuhe beworfen.

Seit das Video am vergangenen Wochenende ausgestrahlt wurde, sieht sich Messi deshalb heftiger Kritik ausgesetzt. „In den vergangenen 7000 Jahren wurden wir Ägypter noch nie so gedemütigt“, schimpfte etwa der Politiker Said Hasasin, präsentierte dann in einer Fernseh-Show einen seiner eigenen Schuhe und kündigte wütend an: „Ich werde dich mit meinem Schuh schlagen, Messi.“

„Man könnte den argentinischen Botschafter einbestellen“

Auch Azmy Meghahed, Sprecher des ägyptischen Fußball-Verbands, attackierte Messi scharf. „Unsere armen Menschen brauchen seine Schuhe nicht“, sagte er: „Wenn er uns beleidigen will, soll er sich die Schuhe auf seinen Kopf legen.“ Mona El-Sharkawy verteidigte dagegen sein Verhalten: „Das ist so falsch“, sagte die Moderatorin: „Das ist einfach Tradition in unserer Show, dass Prominente uns Gegenstände schenken.“

In den sozialen Netzwerken wird die Schuh-Spende heiß diskutiert: „Messi ist Fußballer, er verschenkt sein Werkzeug, in SEINER Kultur geschätzt. Zivilisiertere Menschen erkennen das als Fauxpas“, twittert etwa der Berliner LouCyfar. Und „Singende Socke“ ätzt: „Messi schenkt Ägyptern Schuhe, und die meckern rum. Man könnte ja mal den argentinischen Botschafter einbestellen.“

50. Tor im Nationaltrikot

Dabei hatte der Argentinier eigentlich allen Grund zum Jubel: Mit einer spektakulären Vorlage und seinem 50. Tor im Trikot der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft hat Lionel Messi am Dienstagebnd den Vizeweltmeister wieder richtig auf WM-Kurs gebracht. Die „Albiceleste“ setzte sich in Córdoba mit 2:0 (2:0) gegen Bolivien durch. Die Sportzeitung „Olé“ taufte den 28-Jährigen ob seiner Geniestreiche und famosen Sololäufe kurzerhand „Diego Armando Messi“.

Die Anlehnung an die argentinische Ikone Diego Armando Maradona kommt nicht von ungefähr. Messi ist sein Nachfolger, nur läuft der fünfmalige Weltfußballer und Olympiasieger von 2008 weiter dem hinterher, was Maradona 1986 gelang: Weltmeister zu werden.

In der Torschützenliste der Argentinier hat Messi Maradona (34) aber schon längst überholt. Nur noch sechs Tore fehlen ihm, um mit dem Rekord-Goalgetter Gabriel Batistuta, Spitzname Batigol, gleichzuziehen. Sein erstes Länderspieltor hat Messi vor zehn Jahren erzielt - am 1. März 2006 beim 3:2 gegen Kroatien.

Diesmal traf Messi per Elfmeter (30. Minute), zuvor hatte Gabriel Mercado (19.) die Gastgeber in Führung gebracht. Vorausgegangen war dem Treffer ein genialer Freistoß-Heber Messis. „Wir sind froh, dass wir Leo haben“, betonte Trainer Gerardo Martino. Nach dem 2:1 gegen Copa-América-Sieger Chile verbesserten sich die Argentinier dank des zweiten Sieges binnen fünf Tagen in der Tabelle der Südamerika-Qualifikation auf den dritten Rang hinter Uruguay und Ecuador.

Für Messi war es zudem das 499. Tor seiner Karriere. Und am kommenden Sonnabend steht der „Clásico“ gegen Real Madrid an. Eine bessere Gelegenheit, als gegen den Erzrivalen und dann noch vor heimischer Kulisse Tor Nummer 500 zu erzielen, gibt es kaum für den Superstar des FC Barcelona. „Das wäre ein schönes Szenario“, meinte er. „Hoffentlich schafft er das am Wochenende“, meinte Vereins- und Auswahlkollege Javier Mascherano.