Länderspiel-Gegner

Die Turnierbiester aus Italien sind in Lauerstellung

Der scheidende Trainer Antonio Conte hat aus Italien auch ohne große Stars ein Topteam geformt. Doch vor der EM gibt es ein Problem.

Foto: Maurizio Degl'innocenti / dpa

Berlin.  Ein Mann der diplomatischen Töne war Antonio Conte noch nie. Als beispielsweise der eigenwillige Stürmerstar Mario Balotelli nach der EM-Auslosung sagte, er könne kaum erwarten, dass es losgeht, entgegnete Italiens Nationaltrainer: „Er kann was kaum erwarten? Die EM im Fernsehen zu sehen oder sie zu spielen?“

Auch die Begründung für seinen Rücktritt nach der anstehenden Europameisterschaft in Frankreich ließ an Deutlichkeit keine Wünsche offen: „Man hat mir versprochen, dass ich mit der Mannschaft ausreichend arbeiten kann. Aber ich konnte nicht das tun, was ich wollte.“

Gewollt hatte er im Februar ein Trainingslager mit den Nationalspielern. Doch die Vereine blockten. Es war nicht der erste Zoff in seiner nur anderthalbjährigen Amtszeit. Conte zog Mitte März die Konsequenzen. Ein Nachfolger für die Nationalelf wird noch gesucht.

Nahender Abgang des Trainers sorgt für Unruhe

Seine eigene Zukunft schien bereits fix, er sollte den FC Chelsea übernehmen. Nun stocken die Verhandlungen. Grund ist laut „Daily Mail“, dass Conte, dem ein Prozess wegen Verstrickung in einen Wettskandal droht, fünf Mitglieder aus seinem Trainerstab mitbringen will.

Die aktuelle EM-Qualifikation absolvierte Italien ohne Niederlage, trotzdem gab es viel Kritik an den Leistungen. Zudem nagt das Vorrunden-Aus bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 immer noch an der stolzen Fußball-Nation, die an diesem Dienstag in München gegen Deutschland spielt (20.45 Uhr, ARD). Der nahende Abgang des Trainers sorgte dann für weitere Unruhe.

Schnell kam die Frage auf, ob der 46-Jährige – mit Juventus Turin fünf Mal Meister als Spieler und dreimal als Trainer – für die EM der richtige Mann sei. Oder nur eine Lame Duck. Italien geht erstmals mit einem Trainer in ein Turnier, dessen Abschied im Vorfeld feststeht.

Selbstvertrauen nach starkem Spiel gegen Spanien zurück

Die Antwort im Testspiel gegen Spanien am Donnerstag war durchaus beeindruckend. „Was für ein Italien“, schwärmte die Sporttageszeitung „Corriere dello Sport“ nach dem 1:1 und machte „ausgezeichnete Signale mit Blick auf die EM“ aus.

Mit einem Kader, in dem außer Torwartlegende Gianluigi Buffon (38/Juventus Turin) und Thiago Motta (Paris Saint-Germain) kaum große Namen zu finden sind. Auch weil unter anderem Andrea Barzagli (einst VfL Wolfsburg, jetzt Juve), Ciro Immobile (früher Borussia Dortmund, inzwischen FC Turin) und Marco Verratti (PSG) verletzt fehlen.

Das Selbstvertrauen ist nach dem starken Spiel gegen Spanien zurück. „Wir wollen in München gewinnen. Deutschland ist keine unbesiegbare Mannschaft“, macht Juventus-Stürmer Simone Zaza klar.

Der Respekt ist groß im deutschen Team. Als „Turnierbiester“ bezeichnet Mario Gomez die Italiener. Deutschland gewann noch nie bei einer EM oder WM gegen die Italiener. Und der letzte Testspiel-Sieg datiert aus dem Jahr 1995.