Nationalelf

Löw beruft Tah für die Klassiker gegen England und Italien

Der 20-Jährige soll eine Alternative für den verletzten Jerome Boateng sein. Herthas Mitchell Weiser muss sich vorerst noch gedulden.

Jonathan Tah wechselte vor Saisonbeginn für mehr als acht Millionen Euro vom Hamburger SV zu Bayer Leverkusen und schlug da voll ein

Jonathan Tah wechselte vor Saisonbeginn für mehr als acht Millionen Euro vom Hamburger SV zu Bayer Leverkusen und schlug da voll ein

Foto: Dennis Grombkowski / Bongarts/Getty Images

Vor zwei Wochen war Joachim Löw schon einmal dort, wo er gern auch am 10. Juli weilen möchte: in Paris, dem Finalort der EM in Frankreich. Beim Vorbereitungstreffen der Uefa auf das in 83 Tagen beginnende Turnier ging es auch um Sicherheitsfragen – ein Thema, das ihn seit den Terroranschlägen vom 13. November 2015 besonders umtreibt.

Sportliche Sicherheitsfragen sind es darüber hinaus, die den Bundestrainer in den vergangenen Wochen beschäftigt haben, seit sich Abwehrmonolith Jerome Boateng verletzte und seine rechtzeitige Genesung bis zum EM-Beginn am 10. Juni nicht gewiss ist.

Löw hat sich deshalb entschieden, einen potenziellen Ersatzmann auszuprobieren: Für die beiden Länderspiel-Klassiker gegen England in Berlin am Ostersonnabend und gegen Italien in München (29. März) hat der 56-Jährige erstmals Innenverteidiger Jonathan Tah von Bayer 04 Leverkusen nominiert. „Wir haben ihn zuletzt mehrfach beobachtet und sind nun gespannt darauf, wie er sich in unserem Kreis präsentiert“, sagte Löw.

Weiser und Stark in der EM-Qualifikation mit der U21

Tah (40 Bundesligaspiele) debütierte mit 17 beim HSV, wurde in die Zweite Liga verliehen, und trotzdem zahlte Leverkusen vor dieser Spielzeit mehr als acht Millionen Euro Ablöse. Dort stieg er zur Stammkraft auf. „Er ist ein junger Spieler mit viel Potenzial, körperlich stark und sehr schnell“, sagte Löw kürzlich.

„Big Mike“ nennen sie Tah in Anlehnung an die Hauptfigur im US-Footballfilm „Blind Side“ – auch so ein Abwehrbrocken. „Big Mike“ allerdings bleibt der einzige Neuling im ungewöhnlich großen 27-Mann-Aufgebot der Nationalelf für die beiden Testspiele. Nur noch ein weiteres bleibt Löw vor der Nominierung des EM-Kaders Ende Mai. Mitchell Weiser von Hertha BSC, dem Chancen eingeräumt wurden, wird vorerst bei der U21 spielen, die in der EM-Qualifikation auf Färöer und Russland trifft – ebenso wie Niklas Stark.

Löw setzt wieder auf Kapitän Bastian Schweinsteiger, Stürmer Mario Gomez und Mario Götze. Auf den angeschlagenen Ilkay Gündogan, der sein EM-Ticket sicher hat, verzichtet der Bundestrainer. Für das Tor berief er neben Manuel Neuer drei Mann: Bernd Leno, Marc-André ter Stegen und Kevin Trapp. Letzterer kennt sich im Finalort aus: Er spielt in Paris.