Fussball

Nach Zuschauer-Tod: BVB-Fans schaffen Sieg des Mitgefühls

Dortmunds 2:0 gegen Mainz verfolgen die Zuschauer nach dem Tod eines Besuchers schweigend. Kurz vor Ende gab es einen Gänsehautmoment.

Die Dortmunder Südkurve ist berüchtigt

Die Dortmunder Südkurve ist berüchtigt

Foto: Picture Alliance / BM

Dortmund.  Dort, wo sonst gehüpft und gesungen wird, standen die Menschen reglos und andächtig auf der Tribüne. Bis zur 88. Minute. Dann holten sie ihre Schals hervor, reckten sie nach oben, bewegten sie im getragenen Rhythmus ihrer Hymne von links nach rechts. Sie begannen zu singen.

Mitten in diese gespenstische Stille hinein, die in der zweiten Halbzeit geherrscht hatte. Eine Stille von 81.000 Zuschauern, Stille im riesigen Stadion von Borussia Dortmund, während der BVB spielt. „You’ll never walk alone“ („Du gehst niemals allein“) sangen sie später dann.

Inbrünstig. Erst nur die Ultras in der Mitte der Südtribüne, dann die ganze Südtribüne, dann das ganze Stadion. An Fußball dachte niemand. Der Grund: Zwei Zuschauer mussten während der ersten Halbzeit auf der Südwest-Tribüne reanimiert werden. Für einen 80-Jährigen kam jede Hilfe zu spät, er verstarb.

Marco Reus war irritiert

Unten auf dem Rasen brachten die Profis in Unkenntnis der traurigen Geschehnisse ein Spiel zu Ende, das mit einem 2:0 (1:0) des BVB gegen den FSV Mainz 05 endete und das zur Randnotiz geriet.

Dortmund Nationalspieler Marco Reus sagte: „Ich war irritiert, weil wir nicht wussten, was los ist. Auch der Schiedsrichter hat uns mehrmals gefragt, was für eine Stimmung hier ist. Wir haben erst nach dem Ende von unserer Bank Bescheid bekommen. Es ist tragisch und traurig. Das Spiel ist natürlich in den Hintergrund gerückt.“

Die Fans auf der Südtribüne und auch jene im Mainzer Block hatten die Fahnen zu Beginn der zweiten Halbzeit eingerollt und die Unterstützung eingestellt. Wie alle anderen im Stadion, die gehört hatten, was geschehen war. Das Stadion schwieg in den zweiten 45 Minuten mehrheitlich. Anfeuerungsversuche derer, die die Nachricht nicht erhalten hatten, wurden mit Pfiffen zur Ruhe gemahnt.

Kommandos hallten durch die Stille

Die Chancen auf dem Rasen? Wurden registriert. Nach der Führung durch Marco Reus (30.) noch in der ersten Halbzeit erhöhte Shinji Kagawa in der 73. Minute auf 2:0. Es wurde laut, aber Jubelarien fanden nicht statt. Die Spieler ahnten auf dem Platz, dass etwas nicht in Ordnung sein konnte.

Ihre Kommandos hallten durch die Stille, ihre Pässe waren nicht nur sichtbar, sondern hörbar. „Ich habe das erst erfahren, als ich ausgewechselt wurde“, sagte BVB-Profi Nuri Sahin, „wir wussten auf dem Platz nicht, was los war. Mein Beileid. Da wird Fußball zur Nebensache.“

Nach der Partie informierte Stadionsprecher Norbert Dickel die Menschen im Stadion über die Vorkommnisse. Die zweite Person, berichtete er, liege im Krankenhaus, ihr Zustand sei stabil. „Ich möchte mich für das respektvolle Verhalten aller Fans im Stadion bedanken“, sagte Dickel über die Mikrophone. Applaus brandete auf.

Die Dortmunder Spieler stellten sich nach der Partie Arm in Arm vor die Südtribüne. Erneut sang das ganze Stadion „You’ll ­never walk alone“.

Bayer mit glücklichem Sieg gegen den Hamburger SV

Im ersten Sonntagsspiel gewann Bayer Leverkusen gegen den HSV mit 1:0 (1:0). Überragender Mann war Bayer-Torwart Bernd Leno. Der war bei einem Zusammenprall mit dem Hamburger Cleber zwischenzeitlich K.o. gegangen. Dennoch rettete Leno mit spektakulären Paraden den Sieg und bescherte seinem in der Kritik stehenden Trainer Roger Schmidt zu dessen 49. Geburtstag drei Punkte.

Vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena traf der Hamburger Albin Ekdal nach 18 Minuten ins eigene Tor. Leverkusens Tin Jedvaj kassierte Gelb-Rot wegen Schiedsrichterbeleidigung