Fußball

Gelb-Schummler: Rummenigge greift DFB-Sportrichter an

Die Diskussion um absichtlich entstehende Gelbsperren führt zu unsinnigen Reaktionen. Nun meldet sich der Bayern-Boss zu Wort.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

München.  Auf diesen Gedanken wären außer Karl-Heinz Rummenigge wohl nur wenige gekommen. Hans E. Lorenz habe in seiner Funktion als Vorsitzender Richter des DFB-Sportgerichts die Leistungen des FC Bayern herabgewürdigt, sagte der Vorstandsboss des Rekordmeisters am Sonnabend doch allen Ernstes.

„Herr Lorenz sollte vorsichtig sein, wenn er den FC Bayern öffentlich, und sei es auch nur indirekt, in den Zusammenhang einer Wettbewerbsverzerrung stellt“, drohte Rummenigge ohne Not und Veranlassung.

Gemeint waren Lorenz’ Äußerungen im Zusammenhang mit provozierten Gelbsperren der Bremer Profis Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz. „Ich habe nie etwas gegen Bayern München gesagt. Ich stehe aber zu meiner Aussage, die sich nicht auf den FC Bayern, sondern auf die anderen Mannschaften bezieht“, wehrte sich der 65-Jährige. Lorenz dürfte mit seinem Erstaunen über Rummenigges Verbalangriff nicht allein stehen.

Auslosung über Zeitpunkt der Sperre

DFB-Interimspräsident Rainer Koch nutzte derweil die Debatte, um gleich das gesamte Regelwerk zu überdenken. Koch schlägt ein Losverfahren bei Gelbsperren vor. „Wir müssen überlegen, ob der richtige Weg ist, unmittelbar an die fünfte oder zehnte Gelbe Karte im nächsten Spiel die Sperre eintreten zu lassen“, sagte er bei Sport1: „Würden wir eine Regelung dergestalt treffen, dass eines der nächsten drei Spiele betroffen ist und ausgelost wird, bei welchem Spiel der Spieler seine Sperre absitzen muss, dann wäre der Spuk sofort zu Ende.“

Junuzovic und Fritz hatten ihre Sperre wie zuletzt auch fünf Darmstädter Kollegen erzwungen, um gegen die Bayern zu fehlen - und nicht gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf. Die beiden Bremer erhielten dafür eine Geldstrafe von 20.000 Euro.

Richter Lorenz hatte dazu erklärt: „Wenn das alle (...) so machen und gegen Bayern München aussetzen, dann führt das automatisch dazu, dass Bayern München in der Bundesliga regelmäßig gegen schwächere Mannschaften zu spielen hat. Das kann nicht im Sinne des Wettbewerbs sein.“

„Ich bin kein Freund des Schicksals“

Rummenigge reagierte auf der Internetseite seines Klubs zunächst wie folgt: „Der FC Bayern wehrt sich entschieden gegen herabwürdigende Äußerungen des Sportgerichts.“ Diese implizierten, der Rekordmeister habe es in der Liga einfach und dies diskreditiere die Leistung der Bayern.

Nach dem 5:0 (2:0)-Erfolg gegen Werder erklärte Rummenigge seine Sicht dann genauer. „Mir hat missfallen, dass der FC Bayern in diesem Zusammenhang genannt wird. Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen, der DFB soll uns da rauslassen“, sagte der 60-Jährige bei Sky.

Kochs Vorschlag überzeugte ihn nicht: „Ich bin kein Freund des Schicksals, sondern von klaren Entscheidungen. Wegen zwei Fällen sollte man nicht das ganze Reglement infrage stellen.“ Aber sicher auch nicht die Neutralität des Gerichts.