Champions League

Belgiens gelbe Büffel kämpfen robust gegen die grünen Wölfe

Im Achtelfinale ist der KAA Gent Außenseiter gegen den VfL Wolfsburg. Trotzdem ist der Weg des belgischen Meisters beachtlich.

Gents Stürmer Laurent Depoitre (M.) will auch heute wieder jubeln

Gents Stürmer Laurent Depoitre (M.) will auch heute wieder jubeln

Foto: Yorick Jansens / picture alliance / dpa

Gent/Köln.  – Auf dem Vereinsgelände der Koninklijke Atletiek Associatie Gent gibt es einen gemütlichen Aufenthaltsraum – mit einfachen Sitzgelegenheiten, einem Billardtisch und einem großen Flachbildschirm an der Wand.

Hier kommen die Fußballer des belgischen Meisters zusammen, das Treffen am 14. Dezember war dabei ein Pflichttermin. Im schweizerischen Nyon wurde damals das Achtelfinale in der Champions League ausgelost, mit Gent als ultimativem Überraschungsgast. Und so fanden sich die KAA-Kicker in Mannschaftsstärke vor dem Fernseher ein.

Es folgten zwei laute Jubelschreie: einmal, als der Klub mit dem Indianer im Vereinswappen aus der Lostrommel gefischt wurde; und ein zweites Mal, als Wolfsburg als Gegner feststand. Ob jetzt sogar das Viertelfinale drin sei, fragten lokale Medien sofort frech. Hein Vanhaezebrouck konnte da nur kühl antworten: „Die Auslosung“, knurrte der 1,90-Meter-Koloss, „interessiert mich nicht.“

„Größte Überraschung des belgischen Fußballs“

Es war ein typisches Statement von Gents Trainer. Das weiß ein Bundesliga-Spieler besonders gut: Koen Casteels, Torwart von Gents Gegner VfL Wolfsburg. 2009 übernahm Vanhaezebrouck das Training beim KRC Genk, in dessen U19 Casteels gerade angeheuert hatte. Vor dem Wiedersehen mit Vanhaezebrouck sagt er: „Er setzt aufs Kollektiv, hält die Mannschaft zusammen.“

Dieser Zusammenhalt hat die „Büffel“ nach der sensationellen Meisterschaft im Vorjahr unter Europas 16 beste Teams geführt. So weit hatte es seit dem RSC Anderlecht 2001 kein Team aus Belgien mehr geschafft. „Die größte Überraschung des belgischen Fußballs im 21. Jahrhundert“, schrieb die Zeitung „Het Nieuwsblad“.

Hein Vanhaezebrouck war die Aufregung einerlei. Den gebürtigen Westflamen fesselt nur, was er selbst beeinflussen kann – und das dafür umso stärker. Der frühere Verteidiger gilt als taktisches Chamäleon; als einer, der die Formation seiner Teams auch im laufenden Spiel gerne mal umkrempelt.

Ein Trainer wie André Schubert

„Er ist ein Trainer mit einer hohen Fußballintelligenz“, sagt Koen Casteels. Die Lust an variablen Spielsystemen teilt der Mann, der am Dienstag 52 Jahre alt geworden ist, unter anderem mit Gladbachs Coach André Schubert.

Kein Zufall, dass die Borussia nach dem Rücktritt von Lucien Favre bei der Trainersuche auch auf Gents Übungsleiter ein Auge geworfen haben soll. Doch Vanhaezebrouck hat in der Vergangenheit nicht nur mit taktischen Kniffen überzeugt – sondern auch mit seiner sturen Art genervt.

Vor allem während seiner Zeit in Genk, wo ihn Präsident Herbert Houben wegen seiner Alleingänge einst scharf kritisierte: „Ihm fehlt die notwendige Dosis Selbstkritik. Es scheint, als hielte er sich für den einzigen intelligenten Trainer rundherum.“

Ein robuster wie erfolgreicher Stil

Das hatte Folgen: Nach fünf Monaten war für Vanhaezebrouck schon wieder Schluss beim KRC. Nach vier Jahren beim KV Kortrijk wechselte er zum KAA Gent.

Und dort greifen seine Maßnahmen: Mit den belgischen Nationalspielern Matz Sels (Tor), Kapitän Sven Kums (Mittelfeld) und dem kantigen Laurent Depoitre (Angriff) als Korsettstangen pflegen die Ostflandern einen so robusten wie erfolgreichen Stil.

Dabei verwandelt sich die 20.000 Zuschauer fassende Ghelamco Arena speziell an Champions-League-Abenden in einen Hexenkessel, Lyon und Valencia wurden so in der Gruppenphase eleminiert.

Koen Casteels, der wohl für den verletzten Diego Benaglio im Tor steht (zudem fehlt Abwehrchef Naldo wegen Sperre), freut sich trotzdem drauf. „Das wird für mich ein besonderes Spiel“, sagt der 23-Jährige. „Wir dürfen Gent nicht unterschätzen, sonst wird’s schwierig.“