Champions League

Paris St. Germain bringt Kevin auf Trapp

Für den ehemaligen Torhüter von Eintracht Frankfurt steigt in Paris der Druck. Denn für Ibrahimovic und Co. zählt nur Europas Krone.

Foto: NICHOLAS KAMM / AFP

Paris/Berlin.  Da fühlt sich einer richtig wohl, fast wie zu Hause. Auch ist dem fließenden Französisch von Kevin Trapp längst nicht mehr anzuhören, dass er erst gut ein halbes Jahr hier lebt. Hier in Paris, in der Stadt der Liebe, die für ihn in den nächsten drei Monaten auch zur Stadt des sportlichen Glücks werden soll.

Denn es beginnen die bislang wichtigsten Wochen in der Karriere des Fußballtorwarts heute Abend beim Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Chelsea (20.45 Uhr, Sky). „Man hat in Paris die Chance, jedes Jahr Titel zu gewinnen“, hatte Trapp beim Wechsel behauptet. Doch nun muss er auch seinen Teil dazu beitragen.

Besuch im Sterne-Restauurant, Badeurlaub in Brasilien

Als der von den Scheichs aus Katar alimentierte Topklub Paris St. Germain Trapp im vergangenen Sommer für 9,5 Millionen Euro Ablöse von Eintracht Frankfurt loseiste, war der 25-Jährige direkt in die Pariser Innenstadt umgezogen und nicht wie viele seiner neuen Kollegen in die Nähe des Trainingszentrums am Stadtrand.

So ist er in der spielfreien Zeit stets mittendrin im Trubel der Metropole, und er genießt deren Vorzüge gern. So sah man ihn im Sterne-Restaurant „L’atelier de Joel Robuchon“ zuletzt oft mit Topmodel Izabel Goulart speisen, in der Winterpause folgte sogar ein gemeinsamer Badeurlaub in ihrer Heimat Brasilien.

Der Mann, der einst selbst schon mal für einen deutschen Herrenausstatter modelte, hat das Savoir-vivre entdeckt. „In Frankfurt gab es wenige Leute, die mich angesprochen haben. Aber hier reden die Leute mit einem auf eine wirklich sympathische Art und Weise. Alles ganz normal“, erzählte Trapp unlängst der größten Pariser Boulevardzeitung über das Leben in seiner neuen Heimat.

An der er aber auch zu schätzen weiß, dass er nur zweieinhalb Stunden mit dem Zug fahren muss, um seine Eltern und Freunde daheim im Saarland zu besuchen.

Von 62 Gegentoren in Frankfurt auf zwölf in Paris

Im Prinzenparkstadion, der Heimat von PSG, ist der Wohlfühlfaktor bislang nicht minder groß. Selbst Superstar Zlatan Ibrahimovic hatte den deutschen Neuankömmling in den ersten Tagen beseite genommen, um ihm jederzeitige Hilfe anzubieten, er müsse dafür nur auf ihn zukommen.

„Zlatan schätze ich als Mensch, er ist sehr nett und lustig, man kann immer mit einem Problem zu ihm gehen. Also ganz anders, als man ihn aus den Medien kennt“, erzählte Trapp später über den Schweden.

Spaß an der Arbeit vermitteln aber natürlich auch die Spiele. Eintracht Frankfurt war im Vorjahr mit 62 Gegentoren Neunter der Bundesliga geworden. Mit PSG dagegen ist Trapp auf nationaler Ebene nun nahezu unschlagbar, der Serienmeister hat in Frankreich seit 44 Spielen nicht mehr verloren und führt die Tabelle mit 24 Punkten Abstand an. In der League 1 musste Trapp in 26 Spielen bisher nur zwölf Mal hinter sich greifen.

Entscheidender Fehler gegen Real Madrid

Zwar gab es sogar bei einem 5:1-Sieg mal Pfiffe aus dem Publikum, wenn Trapp den Gegentreffer verschuldete. Doch Trainer Laurent Blanc und die Kollegen sahen bislang über alles hinweg. Selbst als sein Fehler zum 0:1 bei Real Madrid führte und den Gruppensieg kostete, wurde das unter Eingewöhnungszeit abgehakt.

Hauptsache jetzt, in der K.o.-Phase, wird Trapp zum Rückhalt, der endlich die ersehnten internationalen Titel ermöglicht. „Mir geht es in Paris wie Manuel Neuer in München. Er hat auch viele Spiele, in denen er wenig zu tun hat, in den entscheidenden Szenen aber da sein muss“, hat Trapp festgestellt.

Die neue öffentliche Wahrnehmung seiner Leistung sei aber kein Problem: „Wenn du super spielst, ist das normal. Doch machst du einen Fehler, wird das bis ins letzte Detail analysiert. Aber ich hatte schon in Frankfurt Druck. Abliefern musst du immer. Nur dass die Dimensionen andere sind. Ich komme damit gut klar.“

Zum dritten Mal gegen Chelsea

Das will Trapp, der im November erstmals in die Nationalelf berufen wurde, gegen Chelsea beweisen. Bereits zum dritten Mal in Folge treffen beide Klubs in K.o.-Spielen aufeinander. 2014 gewann Paris 3:1, aber durch ein 0:2 im Viertelfinal-Rückspiel kamen die „Blues“ weiter. Im Vorjahr wurde das Achtelfinale in der Verlängerung entschieden.

Nach dem 1:1 in Paris gelang PSG in der 114. Minute das umjubelte 2:2 zum Weiterkommen. Danach scheiterte man aber im Halbfinale am FC Barcelona. Diesmal will man unbedingt weiterkommen.

PSG-Trainer Blanc hat allerdings nicht übersehen, dass Chelsea nach verkorkster Hinrunde unter José Mourinhos Nachfolger Guus Hiddink noch immer unbesiegt ist: „Wir wissen, dass wir in der Champions League auf Teams treffen, die genauso viel Geld und diesselben Waffen wie wir haben, und dass es deshalb sehr schwer wird.“ Aber dafür hat man ja Trapp nach Paris geholt.