Fussball

Bayern Münchens gefährliches Spiel mit den Muskeln

Mit Jerome Boateng fällt der nächste Profi verletzungsbedingt lange aus. Und alle fragen sich: Lässt Guardiola falsch trainieren?

Wo tut’s denn weh? An den Adduktoren auf der linken Seite von Jerome Boateng. Der Verteidiger fällt mit einem Muskelbündelriss  monatelang aus

Wo tut’s denn weh? An den Adduktoren auf der linken Seite von Jerome Boateng. Der Verteidiger fällt mit einem Muskelbündelriss monatelang aus

Foto: Christian Charisius / dpa

München.  Der Sonntag war frei für die Bayern-Profis. David Alaba machte einen Ausflug nach Kitzbühel zum Hahnenkamm-Slalom. Schon wieder frei? Bevor Kritiker schimpfen: Ab Montag hat Pep Guardiola noch sechs Tage, um seine Mannschaft auf die TSG Hoffenheim vorzubereiten.

Was der Trainer auch hat: Sorgen, große Sorgen. Weil er Jerome Boateng (27) nicht mehr hat, den besten Innenverteidiger der Bundesliga, den Weltmeister, der sich seit dem Triumph von Brasilien 2014 noch mal erheblich gesteigert hatte.

Boateng zog sich beim 2:1-Sieg in Hamburg einen Muskelbündelriss im linken Adduktoren-Bereich zu. Ein Schock für Boateng, Guardiola, den FC Bayern und sogar Nationaltrainer Joachim Löw. Boateng droht eine Pause von drei Monaten, vielleicht vier.

Zumindest die EM ist nicht in Gefahr

Bei einem Comeback im Mai käme er nach Erreichen des vorherigen Levels höchstens für das Pokal-Finale in Berlin (21. Mai) und das Champions-League-Endspiel in Mailand (28. Mai) infrage. Gut für Löw: Die EM in Frankreich, Beginn 10. Juni, dürfte nicht in Gefahr sein.

Es war ein harmloser Zweikampf, der die schlimme Verletzung verursachte: Ein Sprint, ein Duell mit HSV-Verteidiger Dennis Diekmeier. Boateng hob ab, fiel und zeigte sofort an: Auswechseln!

Nach 56 Minuten humpelte er vom Platz. Ging damit auch Bayerns Triple-Traum dahin? Ohne den Felsen in der Abwehr? Ohne die Konstante der Hinrunde? Guardiola nahm es kühl zur Kenntnis: „Wenn wir Jerome für längere Zeit verlieren sollten, werden wir weiter mit elf Mann spielen.“

Muskelverletzter Nummer Sieben

So spricht er, wenn er seine wahren Gefühle nicht zeigen will. Tatsächlich ist der Spanier verzweifelt. Schon wieder! Der nächste Profi, der mit einer schweren Muskelverletzung ausfällt, die Nummer sieben.

Die Liste ist lange: Mario Götze (Muskelsehnen-Ausriss in den Adduktoren), Franck Ribéry (Muskelbündelriss im linken Oberschenkel), Juan Bernat (Bündelriss, danach Adduktorenprobleme), und mehrmals Medhi Benatia (Muskelbündelriss im Oberschenkel).

Das Trio soll im Februar nach und nach zurückkehren. Arjen Robben hatte beim HSV sein Comeback gegeben, wegen muskulärer Probleme fehlte der Holländer seit Ende November. Von Saisonbeginn bis Anfang November musste Holger Badstuber wegen eines Muskelrisses im Oberschenkel zuschauen.

Thomas Müller: „Irgendwie haben wir da die Seuche am Stiefel“

Haben die Bayern so schwaches Fleisch? Wirklich nur Pech? Oder liegt es etwa am Training, an der Steuerung der Einheiten? „Das ist normal, wenn Spieler alle Wettbewerbe spielen und zu ihren Nationalmannschaften gehen“, meinte der Trainer.

Thomas Müller drückte wohl das aus, was sich Guardiola dachte: „Irgendwie haben wir da die Seuche am Stiefel. Das ist schwierig zu erklären, ob wir da was falsch machen. Keine Ahnung.“ Die Serie von gravierenden Muskelverletzungen ist eklatant und gefährdet Bayerns Saisonziele.

Macht Guardiola etwas falsch? Bekannt ist, dass es dem Spanier nicht schnell genug gehen kann, wenn Spieler aus der Reha zurück auf den Platz sollen. Fakt ist, dass der Dauerzoff mit Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt im April 2015 zu dessen Rücktritt führte.

Dem Trainer ist das Tempo wichtiger als die Ausdauer

Außerdem, so heißt es, lasse Guardiola hauptsächlich auf Tempo statt auf Ausdauer trainieren. Er habe die tiefen Plätze in Deutschland unterschätzt, das kannte er aus Spanien nicht. Außerdem sei der neue Hybridrasen-Trainingsplatz – extra angelegt, um das schnelle Kurzpassspiel zu üben – extrem hart.

Wer kann Boateng nun ersetzen? Am ehesten Javi Martínez (27) als Kopf einer Dreier- oder Viererkette, neben ihm Badstuber (26). Benatia (28), ständig verletzt, eher nicht. Alaba (23), die Allzweckwaffe? Nicht ausgeschlossen, dass Bayern bis zum 1. Februar noch einen Abwehrspieler verpflichtet. Doch wen? Ex-Trainer Felix Magath nannte Dortmunds Kapitän Mats Hummels. Er hat geschmunzelt dabei.