Champions League

Xhakas großer Traum vom Finale daheim

Warum der Kapitän von Borussia Mönchengladbach im letzten Gruppenspiel so sehr auf einen Sieg bei Manchester City hofft.

Borussia Mönchengladbachs Kapitän Granit Xhaka hat das Endspiel in der Europa League in Basel fest im Blick

Borussia Mönchengladbachs Kapitän Granit Xhaka hat das Endspiel in der Europa League in Basel fest im Blick

Foto: dpa Picture-Alliance / Guido Kirchner / picture alliance / dpa

Mönchengladbach.  Das feine Stilmittel des Understatements hat Granit Xhaka schon immer gerne anderen überlassen. Der 23-jährige Schweizer mag es auch jenseits der Seitenauslinie etwas deftiger, der Triumph über die Bayern am Sonnabend war da der ultimative Steilpass für ihn. Keine Frage der Spannung für die Liga, sondern der Gladbacher Ehre sei dieses 3:1 gewesen, betonte Xhaka staatstragend, wählte zudem das bekannte Oliver-Kahn-Bild von den „Eiern“, die man für die großen Erfolge auf dem Fußballfeld eben zeige müsse. Und überhaupt: „Bayern ist eine normale Mannschaft. Sie trinken dort das gleiche Wasser wie wir, haben zwei Arme, zwei Beine.“

Zwei Arme und zwei Beine haben auch die Spieler von Manchester City, die am Dienstagabend (20.45 Uhr, Sky) über das internationale Los der Borussia in dieser Saison mitentscheiden. Für den Dritten der Premier League geht es noch darum, als Gruppenerster oder -zweiter ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Für die Gladbacher darum, ob sie sich ab Februar überhaupt noch im Ausland tummeln dürfen. Ein Sieg bei den Citizens, und der Fall ist geklärt: Dann wartet das Team von André Schubert bei der Auslosung am 14. Dezember auf den Gegner in der Zwischenrunde der Europa League. Und Titelverteidiger FC Sevilla schaut zu.

Die Ausgangslage ist also halbwegs komfortabel. Doch Granit Xhaka ist durch das neue Kapitänsamt bei den Niederrheinischen nicht nur – wie seine Eltern kürzlich feststellten – erwachsener geworden. Er beherrscht mittlerweile auch den verbalen Spagat zwischen großer Klappe und Demut. „City wird ein anderes Spiel als das gegen Bayern“, betont er – und warnt: „Wir müssen aufpassen und sollten nicht denken, dass wir jetzt jede Mannschaft schlagen können.“

Der Schweizer hat ein Faible für englischen Fußball

Mit der Landung auf der britischen Insel am Montagnachmittag ist Xhaka fürs Erste auf seinem beruflichen Traum-Eiland eingetroffen. Der raue, wenig zimperliche Charakter des englischen Fußballs gefällt ihm. „Mein Kindheitstraum war es immer, einmal in der Premier League zu spielen. Den würde ich mir gern irgendwann erfüllen“, erklärt der defensive Mittelfeldspieler, an dem neben den Bayern auch der FC Arsenal und Jürgen Klopps Liverpooler gesteigertes Interesse zeigen.

Es hat sich schließlich herumgesprochen, dass Xhaka seit seiner Beförderung zum Spielführer nochmals einen ordentlichen Entwicklungssprung hingelegt hat. Er war der Bergführer bei Borussias zügigem Aufstieg aus dem Tabellen-Tal hinauf auf Platz drei. Der Vertrag des Schweizer Nationalspielers beim Rautenklub läuft bis 2019, darin soll bei einem Gebot von 30 Millionen Euro für 2017 eine Ausstiegsklausel verankert sein. Sportdirektor Max Eberl erklärt den Frühentwickler aus dem Alpenland reflexmäßig für unverkäuflich, Xhaka bekennt seinerseits offenherzig: „Ich leiste keine Treuschwüre.“

Seine Karriereplanung jedenfalls laufe wie vorgesehen, und in der ist der 18. Mai 2016 bereits dick angestrichen. In Xhakas Geburtsstadt Basel steigt an jenem Mittwoch das Endspiel in der Europa League. Dort, im Dreiländereck, ist er aufgewachsen, kickte in der Jugend bei Concordia Basel und beim FC Basel, ehe er im Sommer 2012 vom Schweizer Serienmeister zur Borussia wechselte. Fast sein komplettes Leben spielte sich in der 175.000-Einwohner-Stadt am Rhein ab, also sagt Mönchengladbachs Mister Ehrgeiz: „Das Finale in Basel ist mein absolutes Ziel. Dort könnte ich den Jungs dann auch einiges zeigen.“

Fernduell mit dem FC Sevilla

Dass er und die Jungs auf dem langen Weg in den St.-Jakob-Park im Fernduell mit Sevilla nun ausgerechnet den Europa-League-Sieger der vergangenen zwei Jahre eliminieren können, entspricht Xhakas Selbstverständnis. „Beim 0:3 im Hinspiel war ich leider gesperrt. Nicht nur deshalb werden wir uns diesmal ganz anders präsentieren“, richtete er den Andalusiern vor dem 4:2 im Borussia-Park vor zwei Wochen aus. Es folgte, nach einigen sehr ansehnlichen Darbietungen, das Highlight der Schubert-Elf in der Champions League, die für die Gladbacher aber letztlich doch eine Nummer zu groß war.

Mit fünf Punkten stehen sie auf Rang drei, der FC Sevilla rangiert mit zwei Punkten dahinter auf Platz vier. Gewinnen die Spanier gegen Juventus Turin nicht, stehen die Gladbacher für Februar als Europa-League-Starter fest. Ein Unentschieden würde ihnen bei gleichzeitigem Sieg Sevillas nicht reichen, da die Andalusier den direkten Vergleich gewonnen haben.

Deshalb warnte Trainer Andre Schubert seine Mannschaft vor zuviel Übermut: „Wir dürfen jetzt nicht den Boden unter den Füßen verlieren. Die Mannschaft hat gegen Bayern ein tolles Spiel abgeliefert, doch wir haben auch das nötige Glück gehabt.“

Gegen Turin und Manchester viel Lehrgeld bezahlt

Speziell in den Heimspielen gegen die Gruppen-Giganten Manchester und Turin zahlten sie trotz starker Auftritte jeweils Lehrgeld. Doch die Borussen lernten auch dazu: Sevilla, zuvor drei Mal siegreich über Gladbach, wurde eindrucksvoll besiegt – und die Variante mit der Dreierabwehr hatte André Schubert zuvor eingehend in den beiden Remis-Spielen in der Königsklasse gegen Juventus studiert.

„Dadurch, dass wir gegen diese großen Mannschaften in Europa mithalten konnten, haben wir enormes Selbstbewusstsein für die Liga gezogen“, erklärt Granit Xhaka. Und konfrontiert mit der Frage, ob man als Bayern-Bezwinger nicht auch Manchester City schlagen könne, grinst er nur: „Da haben Sie recht.“ Allzu viel Understatement sollte eben doch nicht sein.