Frauen-Fußball

Desirée Schumann steht vor ihrem persönlichen „Finale dahoam“

Frankfurts Torhüterin Desirée Schumann ist einzige Berlinerin im Champions-League-Finale. Dass sie international zur Elite gehört, muss Schumann am Donnerstag beweisen.

Foto: harderfoto / pA/Alfred Harder

Die Enttäuschung ist fast verflogen. Dass sich der 1. FFC Frankfurt nicht über die Bundesliga für die Champions League qualifiziert habe, sei zwar schade, sagt Desirée Schumann, schiebt aber schnell hinterher, dass man das ja am Donnerstag nachholen könne. Das passt zur Torfrau der Frankfurter, die mit ihrem Team einen schwierigen Spagat meistern muss. Einerseits das 1:1 aus dem letzten Ligaspiel der Saison gegen den VfL Wolfsburg verarbeiten, wodurch der FFC nur auf Platz drei landete, und gleichzeitig den Kopf frei bekommen für das Finale der Champions League. Ein Sieg gegen Paris St. Germain würde eine ansonsten durchwachsene Spielzeit sofort vergessen machen.

Nicht nur deshalb fiebert die 25-Jährige dem Endspiel entgegen. Schumann steht vor ihrem persönlichen „Finale dahoam“. Wenn die Spielerinnen am Donnerstag (18 Uhr) den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark betreten, ist sie die einzige Berlinerin auf dem Rasen. Aufgewachsen in Reinickendorf, begann sie ihre Karriere als Siebenjährige beim VfB Hermsdorf. „Wir sind eine fußballbegeisterte Familie“, erzählt sie. Der Vater kickte selbst, Schwester Isabelle schaffte es bis in die 2. Bundesliga und Bruder Niklas steht für das Hermsdorfer Verbandsliga-Team zwischen den Pfosten. Sie alle werden im Stadion sitzen. Auch deshalb sind Anspannung und Vorfreude riesengroß. „Vielleicht“, sagt Schumann, „ist es das bislang wichtigste Spiel meiner Karriere.“

Höhepunkte gab es einige. Mit Turbine Potsdam gewann sie drei Meister-Titel, 2010 sogar die Champions League. Zur unumstrittenen Nummer eins reicht es jedoch nicht. Im Finale vor fünf Jahren wird nicht Schumann, sondern Konkurrentin Anna-Felicitas Sarholz zur Heldin. 2011 wechselt sie nach Frankfurt – auch, weil sie hinter Nationaltorhüterin Nadine Angerer eine gute Perspektive sieht. „Ich wollte etwas Neues, mich weiterentwickeln“, sagt Schumann. Von Angerer habe sie sich viel abschauen können. Allein schon in puncto Körpersprache, schließlich sei sie als Typ „ein bisschen hibbelig“. Seit zwei Jahren ist sie nun Stammkeeperin, und für ihren Trainer Colin Bell „eine der besten Torfrauen in Deutschland“.

Dass sie auch international zur Elite gehört, muss Schumann am Donnerstag beweisen. Bislang glichen die Frankfurter Champions-League-Auftritte eher einem Spaziergang. Die Bilanz nach acht Spielen: sieben Siege, 40:2 Tore. Paris indes musste Schwerstarbeit verrichten, zuletzt im Halbfinale gegen Wolfsburg (2:0, 1:2).

Von Potsdam zum 1. FFC

„Sie hatten definitiv den schwereren Gang ins Endspiel“, sagt Schumann, die ein „Finale auf Augenhöhe“ erwartet und sich besonders auf ein Wiedersehen mit Lira Alushi freut. Ihre Stationen überschneiden sich, beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit.

Schumanns Zukunft aber liegt in Frankfurt. Ihr Vertrag läuft bis 2016, sie fühlt sich wohl in der Main-Metropole. Dem Vergleich mit Berlin hält Frankfurt allerdings nicht stand. „In Berlin hat jeder Bezirk sein eigenes Flair“, sagt Schumann, „und jeder kann so sein wie er will. Das ist eine weltoffene, vielseitige Stadt – das gefällt mir.“ Zu Hause ist eben doch am schönsten. Erst recht, wenn man seine Heimatstadt mit einem Titelgewinn verknüpfen kann.