Nationalmannschaft

Fußballer Max Kruse ist zurück vom Pokertisch

Gladbachs Angreifer verpasste die WM. Er soll sich einen Fehltritt erlaubt haben. Nun steht er im Aufgebot der Nationalelf gegen Polen und Irland: „Er hat sich das verdient“, sagt Bundestrainer Löw.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Die WM, sie fand überhaupt nicht ohne Max Kruse statt. Rio? Da war er auch. Und es gab sogar mächtig Grund zum Feiern. Der vergangene Sommer war ein erfolgreicher für den Angreifer von Borussia Mönchengladbach – nur keiner für die Annalen, wie geplant.

Während die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien um den Weltmeister-Titel kämpfte und ihn sich später, Mitte Juli, in Rio de Janeiro dann auch schnappte, saß Kruse in Las Vegas an einem Tisch und spielte am Rande der World Series of Poker, der Poker-WM, Karten. Völlig überraschend gewann er sogar etwas: dritter Platz, 27.000 Euro Preisgeld. Und weil das Hotel, in dem gespielt wurde, auch noch „Rio“ hieß, war das vielleicht so etwas wie eine klitzekleine Entschädigung.

Denn eigentlich wäre Max Kruse gern im echten Rio dabei gewesen und Fußball-Weltmeister geworden. Da aber wollten sie ihn nicht haben. Warum? Darüber gibt es keine konkrete Auskunft.

Treffer in schöner Regelmäßigkeit

Seit der 26-Jährige im Mai 2013 im Nationalteam von Bundestrainer Joachim Löw debütiert hatte, wurden dem ehemaligen Freiburg-, St. Pauli- und Werder-Profi beste Chancen auf einen Platz im WM-Kader ausgerechnet. Echte Stürmer hatte Löw ja nicht allzu viele zur Auswahl, und Kruse traf in schöner Regelmäßigkeit: für Freiburg in der Saison 2012/13 elf Mal (plus acht Vorlagen), für Mönchengladbach im Jahr darauf sogar zwölf Mal (plus zwölf Vorlagen).

Nach sechs Spielen in der Nationalmannschaft, in denen Kruse andeutete, dass er aufgrund seiner Unerschrockenheit und Dynamik eine Bereicherung sein könnte, berief ihn Löw plötzlich nicht mehr. Die „Sport-Bild“ wollte erfahren haben, dass Kruse am Rande eines Testspiels im November gegen England unerlaubten Damenbesuch auf seinem Hotelzimmer hatte. Löw, der stets auf ein tadelloses Auftreten seiner Nationalspieler pocht, mag derlei Disziplinlosigkeiten nun einmal nicht.

Wirklich aufgeklärt wurde das Ganze nie. Kruse dementierte zwar und setzte ein Pokerface auf, musste sich die WM aber im Fernsehen anschauen. Später sagte er, dass ihn die Bilder von der Titelfeier der DFB-Elf „ein wenig traurig gemacht hätten“.

„Zwischen Löw und mir ist alles gut“

Traurig muss der Stürmer nun nicht mehr sein. Löw hat ihn für die anstehenden Länderspiele gegen Polen in Warschau am Sonnabend und gegen Irland drei Tage später in Gelsenkirchen erstmals wieder nominiert. Das spricht für den Bundestrainer. Zweite Chance und so.

Dass dies auch eine Entscheidung mit Weitsicht gewesen sein könnte, davon konnte sich Löw am Sonntag überzeugen. Kruse nämlich erzielte bei Mönchengladbachs 1:1 gegen Mainz einen schönen Treffer, als er unter Bedrängnis im Strafraum kühl blieb und den Ball ins rechte Toreck drosch. Bereits sein drittes Saisontor (zwei Vorlagen).

„Wir haben immer gesagt, dass Max über Fähigkeiten verfügt, die unser Potenzial in der Offensive bereichern können“, sagte Löw, „bei der WM hatten wir andere Pläne, das hat aber nichts mit seinen grundsätzlichen Qualitäten zu tun. Mit Gladbach ist er hervorragend in die Saison gestartet, er hat konstant stark gespielt, damit hat er sich diese weitere Chance ganz einfach verdient.“

Löw hatte Kruse per SMS über die Nominierung informiert. Ein persönliches Gespräch gab es noch nicht. „Aber das wird es bestimmt in den nächsten Tagen geben“, sagte Kruse. Ein Problem zwischen ihm und Löw gebe es ohnehin nicht: „Zwischen uns ist alles gut.“

Gefragt nach seinem Lebensmotto rezitierte Kruse einmal eine Weisheit, die ihm Klubkollege Christoph Kramer mit auf den Weg gegeben hat: „Ich kann nur bereuen, was ich nicht getan habe.“ Die Vergangenheit sei vergangen. Es lohne sich nie, zurückzuschauen. Und Kramer muss es ja wissen. Er wurde schließlich ein echter Weltmeister in Rio.