FC Bayern

Rummenigge war über Jürgen Klopps Aussagen entsetzt

Nach dem Rücktritt des wegen Steuerbetrugs verurteilten Präsidenten Uli Hoeneß spricht Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erstmals über Bayerns Zukunft und Sammers BVB-Zoff.

Foto: Quirin Leppert

Berliner Morgenpost: Wie war das, als Hoeneß zu Ihnen ins Büro kam und sagte, er werde von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten?

Karl-Heinz Rummenigge: Er hatte mich telefonisch darauf vorbereitet. Dennoch war es sehr emotional.

Wie groß ist das Loch, das Hoeneß reißt?

Groß. Wir haben allerdings schon seit 14 Monaten unter diesen besonderen Voraussetzungen die Geschäfte führen müssen. Der Klub ist gut aufgestellt.

Es wurde gemutmaßt, dass auch Gelder des FC Bayern auf Schweizer Konten lagen. Die Staatsanwaltschaft gab nun bekannt, dass ihre Ermittlungen solche Schlüsse nicht zulassen. Gibt es eine Verquickung zwischen dem Fall Hoeneß und dem FC Bayern?

Was es dazu zu sagen gab, hat Herr Staatsanwalt Heidenreich klargestellt. Und ich kann ausschließen, dass der FC Bayern hiermit irgendetwas zu tun hat.

Glauben Sie an ein Comeback von Hoeneß beim FC Bayern nach der Haft?

Damit befasse ich mich noch nicht, das ergibt derzeit keinen Sinn. Er wird jetzt in nächster Zeit seine Gedanken neu ordnen. Und sich die Frage stellen: Was will ich überhaupt in der Zeit danach machen? Er wird gemeinsam mit seiner Familie einen Entschluss fassen. Zuletzt ist sehr viel auf ihn eingeprasselt, das gilt es zu verarbeiten. Ich glaube, in den vergangenen 14 Monaten hat er nicht gerade viele Nächte durchgeschlafen.

Wie bewerten Sie die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft zu dem Fall?

Die deutsche Fußball-Familie ist sehr sensibel mit der Sache umgegangen, ob nun der DFB, die DFL oder die Klubs. Alles andere möchte ich nicht bewerten.

Was sind in dieser Saison nach Hoeneß’ Rücktritt die größten Herausforderungen?

Die größte hat die Mannschaft mit dem Trainer schon gemeistert. Fast jeder sagte nach dem Triple: Was will Guardiola mit dem Team noch erreichen? Pep hat mit der Mannschaft einen neuen Gipfel erschaffen, den er mit ihr erklimmen will. Pep ist ein Genie. Ich habe hier viele Trainer erlebt. Was er macht, ist das Beste, was ich im Leben gesehen habe.

Matthias Sammer hat mit Aussagen zur Trainingsarbeit die Liga gegen sich aufgebracht. Steht es Jürgen Klopp zu, Sammer zu raten, sich jeden Tag beim lieben Gott zu bedanken, dass ihn beim FC Bayern „irgendjemand dazu genommen hat?“

Natürlich steht es ihm nicht zu. Erst war ich über den Satz erschrocken, dann entsetzt. Niemand vom FC Bayern würde sich je erlauben, einen solchen Satz über jemanden zu sagen, der früher bei uns war und jetzt für Dortmund arbeitet. Ich bitte darum, dass auf dieser Ebene wieder Normalität reinkommt. Dieses Niveau erinnert mich an die Verhältnisse zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid. Wir sollten das Ganze wieder auf eine vernünftige Basis stellen.