UEFA-Frauen-EM

Nadine Angerer hält den EM-Titel für Deutschland fest

Die deutschen Fußballfrauen haben sich den Europameister-Titel geholt. Zum vierten Mal besiegten sie Norwegen im EM-Finale. Torhüterin Nadine Angerer hielt zwei Elfmeter und machte den Sieg perfekt.

Sie fielen einander in die Arme, rannten wie wild umher und kreischten vor Freude. Der Jubel der Frauen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war überschwänglich. Verständlich, denn am Sonntagnachmittag krönten sie die Europameisterschaft, in die sie so schwach gestartet waren, mit dem Titelgewinn. 1:0 (0:0) gewannen sie gegen Norwegen. Es war ein gutes Finale, in dem Nadine Angerer zur deutschen Heldin aufstieg. Mit zwei gehaltenen Elfmetern hatte sie den größten Anteil am achten EM-Titelgewinn in der Geschichte des deutschen Frauen-Fußballs.

Die deutsche Mannschaft, die den Titel mit einer rauschenden Hotel-Party feiert, wird am Montag um 13.45 Uhr in Frankfurt erwartet. Dann geht es ab zum Römer, wo das Team von Bundestrainerin Silvia Neid sich den Fans mit dem EM-Pokal präsentieren will. Als Lohn für den EM-Sieg kassieren alle Spielerinnen die Rekordprämie von 22.500 Euro. „Dieser EM-Titel ist sehr besonders. Nach den Hiobsbotschaften hat keiner damit gerechnet, dass wir so weit kommen“, sagte die Bundestrainerin.

„Wir brauchen Mut, Leidenschaft und Spaß“, hatte Spielführerin Angerer gefordert. Auf der Jagd nach dem achten EM-Titel beschwor sie zugleich das Motto „Laganda 008“, das für alle Spielerinnen und Trainerinnen auf einem roten Armband um ihre Handgelenke während des gesamten Turniers präsent war. Das schwedische Wort „Laganda“ heißt auf Deutsch „Teamgeist“, die 008 steht für den achten Titel.

Erste Niederlage gegen Norwegen brachte Kritik

Und ja, es war wohl auch der Teamgeist, der letztlich der Schlüssel zum Einzug ins Endspiel war. Denn nach den Leistungen in der Vorrunde, in der die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 0:1 gegen Norwegen verloren hatte, musste man Schlimmes befürchten. Die Kritik war groß. Am Team, das ohne sechs verletzte oder kranke Stammkräfte bei der Endrunde auskommen musste, aber vor allem an der Bundestrainerin. Von einer „Bankrotterklärung“ war in der Heimat die Rede.

Aber die Mannschaft rappelte sich auf und lieferte vor allem im Halbfinale gegen Schweden eine kämpferische Vorstellung. Nicht nur deshalb sprachen vor dem Anpfiff einige Faktoren für die deutsche Auswahl, die mit einem Altersdurchschnitt von 23,5 Jahren eine der jüngsten bei der EM war. Die Norwegerinnen mussten im Halbfinale gegen Dänemark in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen. Und nicht zu vergessen: Die Deutschen waren nach allen bisherigen sieben Final-Teilnahmen als Siegerinnen vom Platz gegangen – und dabei hieß der geschlagene Endspielgegner dreimal Norwegen (1989, 1991, 2005).

Silvia Neids Joker sticht

Am Sonntagnachmittag in Solna zeigte die deutsche Mannschaft zu Beginn einen starken Auftritt. Es waren gerade mal knapp 50 Sekunden gespielt, da hatte Nadine Keßler bereits die Chance zum 1:0. Doch die norwegische Torhüterin Ingrid Hjelmseth parierte ihren Kopfball. In der dritten Minute verzog Celia Okoyino da Mbabi mit einem Schuss aus der Drehung nur knapp. Der Einsatz der Stürmerin war nach einer Oberschenkelzerrung lange fraglich gewesen.

Es zahlte sich aus, dass Okoyino da Mbabi mit von der Partie war. Denn sie sorgte für gute Aktionen. In der 21. Minute etwa ging ein Kopfball aus zehn Metern nur knapp rechts vorbei. Kurz danach aber hatte sie großes Pech. Bei einem Zweikampf hatte sich ihre Gegenspielerin Catherine Dekkerhus in bester Schwalben-Manier im Strafraum fallen lassen. Schiedsrichterin Cristina Dorcioman hinderte das aber nicht daran, Elfmeter zu pfeifen. Doch Nadine Angerer hielt den Strafstoß von Trine Rönning grandios mit ihrem rechten Bein – und damit ihr Team im Spiel (29.).

Die deutsche Mannschaft wirkte nach dem guten Start zum Ende der ersten Halbzeit etwas unsortiert, vor allem in der Defensive agierten Silvia Neids Spielerinnen nicht resolut genug. Mit Ausnahme von Angerer, die sich in einen Schuss von Ingvild Stensland warf und so erneut das 0:1 verhinderte (33.).

Pfosten in der 83. Minute

Neid wechselte zur Pause und brachte Anja Mittag für Lena Lotzen. Und Neid bewies damit ein gutes Gespür, denn nur vier Minuten nach Wiederanpfiff stach ihr Joker: Mittag erzielte nach Vorlage von Okoyino da Mbabi aus acht Metern das 1:0 für Deutschland. Da jubelten die wenigen mitgereisten deutschen Fans. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach war nach Schweden geflogen. „Was das junge Team nach dem Ausfall vieler Stammspielerinnen bei dieser Europameisterschaft geleistet hat, verdient ein Riesenkompliment. Wir sind stolz auf unsere Frauen“, betonte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Es war ein kurzer Trip, der sich am Ende gelohnt hat, vor allem wegen der Spannung. Denn nach einem Foul von Jennifer Cramer an Caroline Hansen hatte es in der 61. Minute erneut Elfmeter für Norwegen gegeben. Diesmal war der Pfiff unstrittig. Doch die Norwegerinnen zeigten wieder Nerven, diesmal in Person von Solveig Gulbrandsen, die an der überragenden Nadine Angerer scheiterte. „Sie hat ihre ganze Klasse unter Beweis gestellt. Sie wollte im Finale unbedingt keinen reinlassen. Das hat man gemerkt“, freute sich Bundestrainerin Silvia Neid.

Was für eine Dramatik. In der 83. Minute hätte Nadine Keßler alles klarmachen können, doch sie traf nur den Pfosten. Letztlich war es egal, denn das Tor von Anja Mittag reichte für den EM-Sieg.