Fußball-Bundesliga

München feiert seine Meister mit Schale und Bierduschen

Der FC Bayern ist Deutscher Meister. Zuvor hatten die Münchner Augsburg mit 3:0 besiegt. Danach folgte ein Weißbier-Duschen-Festival.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Der Autokorso durch die Münchner Innenstadt geriet zur Triumphfahrt. Wenn überhaupt, dann konnten sich die Cabrios, die die Spieler des FC Bayern München zur Meisterfeier auf dem Marienplatz fahren sollten, allenfalls im Schritttempo bewegen.

Zehntausende von Fans brachten die Fahrzeuge immer wieder zum Stehen. Autogramme wurden geschrieben, Erinnerungsfotos geschossen, die Spieler immer wieder abgeklatscht.

Und die Profis des Deutschen Meisters genossen jeden Augenblick. „Im ersten Jahr bei Bayern, dann gleich Meister, das ist etwas ganz besonderes“, sagte zum Beispiel der brasilianische Verteidiger Dante. Sportdirektor Matthias Sammer konnte „gar nichts mehr sagen“, und Javi Martinez, der spanische Defensivspezialist, wusste gar nicht, wohin er zuerst hinblicken sollte. Immer wieder riefen Fans seinen Namen.

Meister mit unglaublicher Bilanz

„Der FC Bayern wird zum FC Feiern“, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angekündigt. Und so wurde am Sonnabend der erste von drei möglichen Titeln, den die Münchner in dieser Saison einfahren können, ausgiebig zelebriert. „Wir sind mit einer unglaublichen Bilanz Meister geworden – das gab es in 50 Jahren Bundesliga noch nie, das ist schon unglaublich“, sagte Bastian Schweinsteiger.

Der Mittelfeldspieler trug wie seine Teamkollegen die typisch bayrischen Lederhosen, war zudem in rot-weiße Fanutensilien samt blau-weißer Brille gekleidet. „Das ist meine sechste Meisterschaft – darüber freue ich mich wie über meine erste! Wir wissen alle, was wir noch für Spiele haben, aber heute werden wir lange und intensiv feiern – wir sind noch jung, das halten wir schon aus“, sagte Schweinsteiger.

Sein Kapitän Philipp Lahm staunte ebenfalls nicht schlecht: „In einer so großen Stadt wie München Meister zu werden, ist phantastisch. Es ist unglaublich, was hier los ist.“ Ex-Herthaner Jerome Boateng durfte auf der Fahrt die Meisterschale halten, die am Abend den Fans auf dem Marienplatz präsentiert wurde. Es war der würdige Abschluss eines meisterlichen Tages.

Um exakt 17.39 Uhr war die Schale wieder zurück beim FC Bayern. Kein Geringerer als Liga-Boss Reinhard Rauball, seines Zeichens auch Präsident des entthronten Meisters Borussia Dortmund, hatte Lahm die Schale vor 71.000 Zuschauern in der Münchner Arena überreicht. Danach begannen die Jagdszenen, in denen auch Jupp Heynckes nicht um die obligatorische Bierdusche kam.

„Ich bin kein großer Biertrinker, habe jetzt aber den Geschmack auf den Lippen“, lachte er: „Man weiß, dass das beim FC Bayern inbegriffen ist. Ich habe wenigstens verhindert, dass ich mir einen Muskelfaserriss zuziehe.“ Die Fans feierten Heynckes im Stadion ausgiebig mit lautstarken Sprechchören und zahlreichen Plakaten.

Vor dem Feier-Marathon mussten die Bayern für ihren 600. Bundesliga-Heimsieg einigen Widerstand brechen, ehe sie den FC Augsburg am Ende noch deutlich besiegten. Thomas Müller (69.) sowie die eingewechselten Xherdan Shaqiri (82.) und Luiz Gustavo (87.) erzielten die Tore. Trotz der Niederlage haben die Schwaben als Tabellen-16. am letzten Spieltag gute Chancen sogar auf den direkten Klassenverbleib.

Krönung soll noch folgen

In München soll der Sonnabend als Auftakt für drei Feierwochen werden, die mit einem Erfolg im Finale der Champions League gegen Borussia Dortmund (25. Mai 2013) und einem Sieg im DFB-Pokalendspiel gegen den VfB Stuttgart am 1. Juni 2013 in Berlin gekrönt werden sollen.

„Noch ist die Saison nicht zu Ende. Wir haben noch ganz Großes vor. Und wenn wir ganz Großes erreicht haben, werden wir ganz Großes tun“, sagte Sportvorstand Sammer: „Die Meisterschaft bedeutet mir eine Menge. Wir haben jetzt 88 Punkte – das ist ein gutes Gefühl. Ich hoffe, dass das für die Ewigkeit reicht. Jeder, der seinen Anteil daran hatte, wird damit in Verbindung gebracht. Wir wollen für Jupp Heynckes jetzt noch zwei Finals gewinnen. Das wäre für ihn das Schönste.“

Daran dachte gegen 21 Uhr, als der Autokorso endlich das Münchner Rathaus erreicht hatte, jedoch niemand. „Campeones, Campeones“ stimmte Martinez zusammen mit dem Peruaner Claudio Pizarro an. Wenig später stimmten die Zehntausenden Fans auf dem Marienplatz mit ein.