Zweite Liga

Mattuschka erlöst Union mit seinem Siegtreffer gegen Köln

Mattuschka sorgt mit seinem Tor für das umjubelte 2:1 (1:1) gegen Köln und für den ersten Saisonsieg der „Eisernen“ in der Zweiten Liga.

Foto: Matthias Koch / dapd

Sie wollten den Trainer, und sie bekamen ihn. Mit „Uwe, Uwe“-Sprechchören forderte der Fanblock des 1. FC Union Uwe Neuhaus auf, sich an die Seite seiner Mannschaft zu stellen. Dann wurde gehüpft, ausgelassen und zur Melodie von Pippi Langstrumpf.

Lange hatten Fans und Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten darauf warten müssen, am Freitagabend war der erste Saisonsieg endlich geschafft. Union schlägt den 1. FC Köln mit 2:1 (1:1). Später, bei einer Tasse Kaffee, war auch die Anspannung bei Neuhaus endlich abgeklungen. „Die Erleichterung ist riesengroß“, sagte er.

Schon mit Anpfiff machte sich die Kulisse bemerkbar. „Kämpfen und siegen!“ hallte es von den Rängen. Laut. So laut, dass es die elf in Rot und Weiß gekleideten Profis einfach nicht überhören konnten. Neuhaus hatte denselben Akteuren das Vertrauen geschenkt, die in Ingolstadt vor einer Woche in der Nachspielzeit den sicher geglaubten Punkt hergeschenkt hatten – mit einer personellen und einer taktischen Änderung.

Spürbare Entschlossenheit

Patrick Kohlmann stand nach überstandener Erkältung links in der Abwehrkette, Fabian Schönheim übernahm den Platz von Roberto Puncec in der Innenverteidigung. Silvio agierte wieder als zweiter Stürmer. Die Entschlossenheit war spürbar: Heute sollte, heute musste endlich der erste Saisonsieg her.

Doch wie es eben so ist, wenn man unten drinhängt in der Tabelle, noch dazu ein Kellerduell vor der Brust hat: Der Schuss geht erst einmal nach hinten los. Miso Brecko tauchte frei im Strafraum der Unioner auf, Björn Jopek setzte von hinten nach und holte den Kölner von den Beinen – Elfmeter nach nur 100 Sekunden. Eine Chance, die sich Thomas Bröker nicht entgehen ließ, 0:1 (3.). Wieder im Rückstand, wo man doch endlich mal in Führung gehen wollte. Doch Union erholte sich von dem erneuten Tiefschlag. Auch weil die Kölner die leichte Verunsicherung der Berliner nicht zu nutzen wussten. Die Geißbock-Elf als Aufbaugegner für die Köpenicker, und die nahmen dankend an.

„Wir haben ungefähr zehn Minuten gebraucht, um die Nervosität nach dem Rückstand abzulegen“, sagte Neuhaus. Sein Gegenüber Holger Stanislawski bilanzierte: „Wir haben nach zehn, zwölf Minuten einfach aufgehört und viel zu langsam Fußball gespielt.“ Tatsächlich war es die 13. Minute, die die Wende in der Alten Försterei einleiten sollte. Kölns Keeper Tim Horn konnte einen Kopfball von Silvio aus fünf Metern gerade noch mit einem Riesenreflex über die Latte wuchten. Der Weckruf für Union.

Das Glück kehrt zurück

Mit jedem gelungenen Pass kehrte mehr Sicherheit in die Aktionen der Berliner zurück. Und auch das Glück, das „wir uns vergangene Woche erarbeitet haben“, meinte Torsten Mattuschka mit Blick auf die Ingolstadt-Pleite. Es lief die 27. Minute, als Christopher Quiring Silvio anspielte, und dann ging es drunter und drüber. Horn wehrte den Schuss des Brasilianers ab, die daraus entstehende Bogenlampe konnte Brecko nicht klären. Jopek setzte nach, sein Kopfball wurde von Jonas Hector noch an die Latte gelenkt und sprang zurück ins Feld, wo erneut Silvio lauerte und den Ball ins Netz drosch. 1:1, endlich konnte Union ein Tohuwabohu mal für sich nutzen. Die Hausherren waren zurück im Spiel, nein, sie hatten das Spiel endlich vollends im Griff. Später sagte FC-Schlussmann Horn: „Union wollte den Sieg einfach mehr.“

Wie sehr, zeigte sich nach knapp einer Stunde. Über Christian Stuff, Quiring und Simon Terodde kommt der Ball links am FC-Strafraum zu Mattuschka. Der Union-Kapitän hat nur Horn vor sich, der bereits aus seinem Tor herauseilt. Es darf als Zeichen des wiedergewonnenen Selbstvertrauens gewertet werden, wie eiskalt „Tusche“ den Ball im Tor versenkte: ein Blick, ein Schuss, schon flog das Spielgerät an Horn vorbei ins rechte Eck (57.).

Die 16.750 Zuschauer im ausverkauften Stadion wussten überhaupt nicht, wohin mit ihrer Freude über den Sieg und den Sprung auf Tabellenrang 14. „Endlich sind wir mal wieder in Führung gegangen“, fasste Mittelfeldspieler Markus Karl seine Erleichterung in Worte.

Diesmal kein böses Erwachen

Nachvollziehbar, denn derzeit vergeht kein Union-Auftritt ohne Schrecksekunde in der Nachspielzeit. Anthony Ujah war plötzlich von allen allein gelassen, mitten im Union-Strafraum, den Ball am Fuß. Doch diesmal gab es kein böses Erwachen. Ujah beförderte den Ball völlig überhastet in Richtung Kölner Fanblock. Kurz darauf war Schluss. „Ein Unentschieden wäre auch nicht verdient gewesen für uns“, sagte Stanislawski, dem in Köln nun unruhige Tage bevorstehen dürften.

Wie stark sich die Spieler in den 90 Minuten verausgabt hatten, zeigte sich nach dem Abpfiff. Kaum ein Akteur schaffte es, die Arme in die Höhe zu strecken, so sehr waren die Unioner mit ihren Kräften am Ende. Quiring hatte sich sogar mit einem Krampf auswechseln lassen müssen (69.).

Nur zu einem kollektiven Tänzchen vor ihrem Fanblock konnten sich die Rot-Weißen noch einmal aufraffen. Mit Neuhaus an ihrer Seite. Er wurde ja auch ausdrücklich verlangt.