Fußball-Bundesliga

Bayern begrüßt Javier Martinez mit einem Schützenfest

Der Spanier lief erstmals für den FC Bayern München auf und erlebte beim 6:1 gegen Stuttgart den besten Saisonstart seit fünf Jahren.

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Von so einem Geburtstag und Einstand träumt jeder Fußballprofi. Am Sonntag wurde Javier Martinez 24 Jahre alt und lief erstmals über den Rasen des Stadions seines neuen Klubs, die Fans des FC Bayern München klatschten und riefen seinen Namen. Der 40-Millionen-Euro-Zugang von Athletic Bilbao freute sich darüber, als er sich vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart mit Claudio Pizarro und Emre Can warm spielte. Danach musste er zunächst auf die Bank, Trainer Jupp Heynckes wechselte ihn in Minute 77 ein.

Der spanische Nationalspieler erlebte die Endphase einer packenden, offensiven Partie mit vielen Toren. Am Ende stand ein Kantersieg seines FC Bayern. Die Münchener gewannen vor 71.000 Zuschauern 6:1 (3:1) und sind nach zwei Spieltagen Tabellenführer der Bundesliga.

„Wir haben 25 Minuten überragend gespielt“, sagte Heynckes. Nach der Anfangsphase habe seine Elf gemerkt, „dass man so nicht spielen kann. Nach 25 Minuten hat die Mannschaft überragend gespielt und relativ schnell drei Tore erzielt.“

Was folgte, war eine Machtdemonstration. Martinez hätte gern schon zur Startelf gehört, doch Heynckes will zunächst die Länderspiel-Pause in dieser Woche nutzen, um intensiv mit dem defensiven Mittelfeldspieler zu arbeiten. Spaniens Nationaltrainer Vincent del Bosque kommt den Münchnern entgegen und verzichtet im WM-Qualifikationsspiel gegen Georgien auf Martinez.

Auf seiner Position im defensiven Mittelfeld spielten Luiz Gustavo und Bastian Schweinsteiger. Für Schweinsteiger war es der erste Pflichtspieleinsatz von Beginn an seit der Europameisterschaft. Arjen Robben hatte Trainer Heynckes kurzfristig aus dem Aufgebot streichen müssen – der Niederländer leidet unter einer fiebrigen Erkältung. Für ihn spielte Thomas Müller auf der rechten Außenbahn.

Die Bayern hatten zunächst Probleme, zu ihrem Spiel zu finden. Stuttgart nicht: Martin Harnik setzte sich im Strafraum gegen die Bayern-Verteidiger durch und schoss an die Latte. Den Gastgebern fehlten vorn die Ideen und hinten die Konsequenz, vor allem gegen Harnik.

Harnik trifft für Stuttgart

Arthur Boka flankte auf den Österreicher, der den Ball volley zum 1:0 für den VfB ins Netz schoss (25. Minute).

Erst jetzt spielten die Bayern mutiger. Thomas Müller scheiterte zunächst an Sven Ulreich (32.), 30 Sekunden später ließ er dem Stuttgarter Torwart aber keine Chance. Ulreich wehrte einen Schuss Müllers in die Mitte ab, im Nachsetzen schob der Nationalspieler zum 1:1 ein. Martinez strahlte und applaudierte von der Bank aus. Der Ausgleich war der Auftakt zu einer spektakulären Angriffsphase der Bayern. Direkt nach dem Wiederanpfiff eroberten sie den Ball, Toni Kross dribbelte sich bis 20 Meter vors Tor und traf den Ball perfekt, er schlug unter der Latte ein – 2:1 (33.). Und es ging weiter mit den Traumtoren: Der VfB ließ Gustavo freistehend das Tor anvisieren, der Brasilianer zielte perfekt: Das Spielgerät flog aus rund 30 Metern unhaltbar für Ulreich neben den Pfosten – 3:1 (44.).

In der zweiten Halbzeit machten die Stuttgarter so desolat weiter, wie sie in der ersten aufgehört hatten. Sie ließen Mario Mandzukic das 4:1 erzielen (47.). Sie ließen Mandzukic erneut zum Schuss kommen und den Abpraller Thomas Müller zum 5:1 einköpfen (49.). Und sie gestatten, dass sich Schweinsteiger neues Selbstvertrauen holte – er köpfte eine Flanke Müllers freistehend zum 6:1 ein (51.).

Die Abwehrleistung der Schwaben war nicht bundesligareif, und die Bayern hatten sich in einen Offensivrausch gespielt. Frustriert gab Vedad Ibisevic seinem Gegenspieler Jerome Boateng in der 74. Minute eine Kopfnuss, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer zeigte ihm die Rote Karte. „Wenn du so viele Fehler im Aufbau machst, darfst du dich nicht beschweren, dass du so viele Gegentore bekommst“, maulte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic. „Beim Platzverweis hätte ich beiden Spielern Gelb gegeben. Aber bei einem 1:6 und so einem Nackenschlag, habe ich keine Lust über den Schiedsrichter zu reden.“

In Überzahl spielten die Bayern die Partie locker zu Ende – und Martinez fügte sich in den verbleibenden Minuten mit exakten Pässen ein. Es war ein Abend, der dem Spanier sehr gut gefallen hat.

Bayern-Trainer Heynckes sagte über Martinez: „Nach dem 6:1, war es einfach für ihn reinzukommen. Aber er hat schon da angedeutet, dass er kicken kann. Javi ist genau der Spieler, den wir brauchen.“ Martinez sagte: „Vor dieser Kulisse ein so deutlicher Sieg – ich bin glücklich. Mit dem Transfer ging es am Ende so schnell, dass ich mich noch nicht richtig einleben konnte. Aber die Leute haben mich mit offenen Armen empfangen.“