Länderspiel

Joachim Löw – „Der Spielverlauf war einfach gegen uns”

Chaos-Spiel gegen Argentinien: Ein Eigentor, eine rote Karte für Torwart Zieler - doch ter Stegen hält einen Elfmeter gegen Messi.

Nach der Niederlage der deutschen Nationalelf am Mittwoch in Frankfurt ist die Enttäuschung groß. Ein Neuanfang sollte es werden, doch anstatt das angeschlagene Selbstbewusstsein aus dem EM-Halbfinale wieder aufzubauen, ging es beim Testspiel gegen Argentinien drunter und drüber.

Dabei steht die WM-Qualifikation vor der Tür. Bundestrainer Joachim Löw zieht jedoch wichtige Schlüsse aus dem Testspiel für die anstehende Qualifikation: „Für mich war es eine gewisse Orientierung, einzelne Spieler zu sehen, zum Beispiel Lars Bender. Mit den Färöer Inseln werden wir auf einen ganz anderen Gegner treffen, es wird ein ganz anderes Spiel zustandekommen. Ich habe die zwei Tage genutzt, um mit der Mannschaft kurz über die EM zu sprechen. Die Qualifikation ist ein anderer Wettbewerb. Und wir haben eine andere Situation, weil die Spieler dann schon zwei, drei Pflichtspiele gemacht haben. In Unterzahl hat man gesehen, dass die Kraft bei einigen Spielern nachließ.“

Eigentor von Kehdira

Allerdings weist Löw die Kritik, dass die Spieler zu wenig Willen gezeigt hätten, von Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn zurück: „Ich kann taktische Dinge herausziehen, Spieler einschätzen, ob sie Fehler gemacht haben. Aber ich kann keinem Spieler einen Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hat.“

Das eine Stunde in Unterzahl spielende deutsche Team enttäuschte vor 48.808 Zuschauern in Frankfurt am Main nicht, obwohl der 500. Länderspielsieg verfehlt wurde. „Wir haben uns viel vorgenommen und uns auch noch nach der Roten Karte viele Torchancen herausgespielt“, sagte Unglücksrabe Khedira. „Es tut mir leid. Es war, glaube ich, mein erstes Eigentor überhaupt in meiner Karriere. Aber das gehört zum Fußball.“

Und Torschütze Höwedes freute sich zwar über sein erstes Länderspieltor, war aber angesichts der Niederlage schlicht „enttäuscht.“ Der sehr stark auftrumpfende Marco Reus traf nur den Pfosten (50.), ein Tor von Mesut Özil wurde wegen Abseits nicht gegeben.

Kurz danach traf Messi zum 2:0 für den Weltmeister von 1978 und 1986. Die Schlüsselszene war in der 30. Minute geschehen. Zieler, der sein zweites Länderspiel nach dem 3:3 in der Ukraine im November 2011 bestritt, brachte in Strafraum José Sosa zu Fall. Der frühere Spieler von Bayern München war allein auf den Hannoveraner zugestürmt, der schwedische Schiedsrichter Jonas Eriksson entschied auf Strafstoß und zeigte Zieler die Rote Karte.

Ter Stegen hält gegen Messi

Löw entschied, Thomas Müller aus der Partie zu nehmen, um Platz zu machen für ter Stegen, den jungen Gladbacher, der bei seinem ersten Länderspiel in der Schweiz fünf Gegentore kassiert hatte und danach nicht mit zur EM durfte. Doch der 20-Jährige behielt die Nerven. Messi trat persönlich an zur Ausführung, aber ter Stegen hielt den flach und nicht allzu platzierten Ball sicher.

Schon vorher hatte die Mannschaft einen Verlust beklagen müssen. Mats Hummels hatte mit den Nachwirkungen eines Zusammenpralls aus der 16. Minute mit Miguel Higuain zu kämpfen. Der Argentinier spielte danach mit einem Kopfverband, der Dortmunder musste mit einer Halswirbelverrenkung seinen Platz an Benedikt Höwedes abgeben (25.). Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw spielte engagiert weiter. Zunächst schien es, als habe sie einen zusätzlichen Schub bekommen. Im Blickpunkt stand dabei vor allem Reus. Der Dortmunder, der für Mönchengladbach eine überragende Saison bestritten hatte, wurde vor dem Anpfiff als „Deutschlands Fußballer des Jahres 2012“ geehrt.

Gegenüber der EM fehlten zwar Philipp Lahm, der am Mittag Vater geworden war, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Per Mertesacker, Manuel Neuer und Mario Gomez, aber als B-Elf konnte die Mannschaft nicht bezeichnet werden. Fast jede gute Aktion lief über Reus, der schnell und trickreich seine Mitspieler in Szene setzte. Im defensiven Mittelfeld vertraute Löw auf Lars Bender als zweiten Sechser neben Khedira. Die Viererkette bildeten Jérôme Boateng, Hummels, Holger Badstuber und Marcel Schmelzer. Hinter Sturmspitze Miroslav Klose agierten Müller, Özil und Reus. Die besten Torchancen hatte die Mannschaft durch Özil, der nach einem Anspiel von Klose Torwart Sergio Romero nicht überwinden konnte (12.), und Klose nach einer wunderschönen Kombination über Reus und Schmelzer (42.).

Messi schoss zehntes Tor im zehten Spiel

Doch kurz danach hatte das tapfer in Unterzahl kämpfende Team Pech. Einen Eckstoß der Argentinier wollte Khedira vier Meter vor dem Tor stehend aus dem Strafraum schlagen, aber der Profi von Real Madrid traf den Ball nicht richtig. Die Kugel flog in die falsche Richtung auf das Tor von ter Stegen, der das 0:1 nicht verhindern konnte. In der zweiten Halbzeit begann die deutsche Zehn wieder sehr engagiert, doch das Pech hielt an, der Ausgleich wollte nicht fallen.

Messi schoss sein zehntes Tor im zehnten Spiel, seit Trainer Alejandro Sabella das Zepter bei der „Albiceleste“ in die Hand nahm. Seitdem glänzt der „Floh“, der auch zum Kapitän befördert wurde, fast so wie beim FC Barcelona. Doch auf deutscher Seite war Reus an diesem Abend besser, allerdings weniger effektiv. Das soll bei der im September beginnenden WM-Qualifikation gegen die Färoer-Inseln in Hannover und gegen Österreich in Wien anders werden.