Bayern gegen Chelsea

Sieben Spieler fehlen im Champions League-Finale

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Insgesamt sieben Spieler verpassen das Finale der Champions League am 19. Mai in München wegen Sperren.

Holger Badstuber war sichlich bemüht, die Fassung zu wahren. Doch seine Worte machten deutlich, wie sehr es ihn trifft, ausgerechnet das „Finale dahoam“ zu verpassen. Der Abwehrchef von Bayern München hatte sich im Halbfinal-Rückspiel der Champions League bei Real Madrid seine dritte Verwarnung eingehandelt und ist deshalb ebenso wie seine Kollegen David Alaba und Luiz Gustavo am 19. Mai im Endspiel gegen den FC Chelsea gesperrt.

„Das ist eine Katastrophe für die Jungs“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß gewohnt deutlich und kritisierte die Europäische Fußball-Union (UEFA): „Da muss sich die UEFA Gedanken machen, dass einer wegen eines angeschossenen Handspiels (Anm. d. Red: Alaba) das Finale verpasst. Man muss nach der Gruppenphase alles auf null stellen.“

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge empfand nach dem 3:1 i.E. sogar „große Trauer und Mitleid“. Was Badstuber und Co. nur bedingt trösten konnte. „Wenn so etwas passiert, ist man irritiert. Es wird dauern, das zu verarbeiten“, meinte der Nationalspieler und fügte mit süß-saurer Miene an: „Es wird bitter sein, beim Finale in München auf der Tribüne zu sitzen.“

Sieben vorbelastete Bayern

Auch der junge Österreicher Alaba dachte nach seiner Verwarnung durch Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn, „dass das doch nicht wahr sein kann“. Zumal die Verwarnung fragwürdig war. Alaba hatte den Ball bei einem Schuss von Angel di Maria im Fallen unglücklich an die Hand bekommen, worauf Kassai auch noch auf Elfmeter entschied.

Kaum Diskussionen gab es dagegen bei den Karten gegen Luiz Gustavo, der Pepe hart attackiert hatte, und Badstuber (Foul an Karim Benzema). Insgesamt waren bei den Bayern sieben Spieler vorbelastet gewesen. Toni Kroos, Philipp Lahm, Jerome Boateng und Thomas Müller kamen jedoch ungeschoren davon.

Trainer Jupp Heynckes muss durch die Sperren nun gegen Chelsea seine Defensive umbauen. „Wir haben Alternativen“, meinte er dazu lapidar. Für Badstuber wird wohl Anatolij Timoschtschuk in die Innenverteidigung rücken. Alaba könnte auf der linken Abwehrseite durch Diego Contento ersetzt werden.

Möglich wäre aber auch, dass Kapitän Philipp Lahm wieder nach links rückt und rechts Rafinha zum Einsatz kommt. Den Posten im defensiven Mittelfeld neben Bastian Schweinsteiger wird wohl Toni Kroos einnehmen. Thomas Müller rutscht dafür wieder in die Startelf und übernimmt von Kroos die Offensiv-Zentrale.

Eine sehr große Enttäuschung

Wie auch immer sich Heynckes entscheiden wird, für Badstuber, Alaba und Luiz Gustavo ist es „eine sehr große Enttäuschung, das Finale zu verpassen“, wie Sportdirektor Christian Nerlinger anmerkte. Die UEFA müsse darüber nachdenken, „die Regelung zu modifizieren“.

Auch Rummenigge, immerhin Chef der Europäischen Klub-Vereinigung ECA, sprach sich für Veränderungen aus: „Die Regeln sind diskussionswürdig.“ Der Bayern-Boss schlägt vor, analog zu Welt- und Europameisterschaften, die Karten nach dem Viertelfinale zu streichen, damit kein Spieler im Finale gesperrt sein kann. Auch Lahm findet, „dass ein Champions-League-Finale die besten Spieler verdient hat“.

Betroffen ist aber auch der Münchner Finalgegner Chelsea: Die Engländer müssen ebenfalls auf die Gelb-gesperrten Ramires, Branislav Ivanovic und Raul Meireles verzichten. Zudem fehlt Kapitän John Terry, weil er im Halbfinal-Rückspiel beim FC Barcelona (2:2) nach einer Tätlichkeit die Rote Karte sah.

Dies war Bayerns Superstar Franck Ribery 2010 passiert. Im Halbfinal-Hinspiel gegen Olympique Lyon hatte der Franzose Rot gesehen und deshalb im Endspiel gegen Inter Mailand (0:2) zuschauen müssen. Diesmal ist Ribery dabei - vielleicht kann er den Ausfall des traurigen Trios vergessen machen.

( SID/nbo )