Übertragungsrechte

Sky zahlt zwei Milliarden Euro für die Bundesliga

Der Wettstreit um die TV-Rechte sorgt dafür, dass die Bundesliga 216 Millionen Euro mehr pro Saison verdient. Verlierer ist die Telekom.

Es hatte etwas von einer Siegerehrung bei den Bundesjugendspielen, als die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Dienstag einen Quantensprung für die Fußball-Bundesliga verkündete. Nur, dass es nicht um Ehrenurkunden ging, sondern um das wertvollste Medienrecht des Landes. Nach monatelangen Verhandlungen wurde in Frankfurt der neue Fernsehvertrag für die deutsche Eliteliga vorgestellt, und nach jedem Rechtepaket machte DFL-Chef Christian Seifert eine kleine Kunstpause, bevor er den Gewinner nannte. Häppchenweise wurde preisgegeben, wer von 2013 bis 2017 die Spiele der ersten und zweiten Liga wann und wo zeigen darf. Es gab viele Gewinner – und einen krachenden Verlierer: die Telekom.

Eigentlich wollte Vorstandschef René Obermann seinen Konzern mit einem Schlag sexy machen. Für alle Live-Rechte wollte sie bieten und dann als Rechtehändler die goldene Ware unter das zahlungswillige Volk streuen. Bezahlsender Sky, der bislang die Spiele der Bundesliga live in die Wohnzimmer lieferte, sollte aus dem Markt gedrängt werden. Vielleicht hätte er das Telekomprodukt noch ausstrahlen dürfen – aber natürlich nur bei voller Namensnennung. Und angemessener Bezahlung.

Sportschau und Sportstudio bleiben

Womöglich wäre die Telekom mit einer etwas ruhigeren Strategie besser gefahren, denn nun kommt es andersrum. Sky legte so gewaltig drauf, dass die Telekom nun nicht nur ohne die begehrten Rechte für die Ausstrahlung über Kabel und Satellit dasteht, sondern auch ohne die IPTV-Rechte fürs Internet. Damit strahlt die Telekom derzeit ihre Sendung „Liga total“ aus. Diese IPTV-Rechte hat sich nun ebenfalls Sky gesichert. Die Telekom wird zukünftig also ohne Live-Fußball auskommen müssen. Es sei denn, sie kauft die Rechte von Sky zurück. Oder sendet die Sky-Sendungen durch ihr Kabel, um ihren nun verunsicherten Entertain-Kunden auch weiterhin Fußball bieten zu können.

Billig war dieser Coup nicht. Sky wird dafür durchschnittlich 485,7 Millionen Euro pro Saison zahlen. Das ist gewaltig viel, zuvor betrugen die Gesamteinnahmen aus allen TV-Rechten durchschnittlich 412 Millionen Euro – auf Sky entfielen dabei rund 250 Millionen Euro. Nun hat der Sender sein finanzielles Engagement fast verdoppelt. Ob das wirtschaftlich klug war, muss sich zeigen. Hätte Sky die Rechte nicht bekommen, hätte das wohl das Aus für das Unternehmen bedeutet. Denn das Gros der drei Millionen Abonnenten bezieht Sky eben wegen der Bundesliga.

Für die Telekom ist es also eine herbe Niederlage, für die Bundesliga indes ein grandioser Sieg. In den nächsten vier Jahren durchschnittlich 628 Millionen Euro pro Jahr an die 36 Profiklubs ausgeschüttet werden – das sind 216 Millionen mehr als in der alten Rechteperiode. „Ein ideales Ergebnis, es ist höher ausgefallen als erwartet“, sagte Ingo Schiller, Finanz-Geschäftsführer bei Hertha BSC. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach gar von einem „Meilenstein in der Geschichte der Bundesliga“, deren internationale Wettbewerbsfähigkeit so verbessert werde.

Zudem brauchen die Zuschauer ab 2013 keine neuen Empfangsdecoder, die Kneipen keine neuen Leuchtreklamen. Nur Telekom-Kunden müssen nun schauen, ob und wie Ihnen Fußball ab Sommer 2013 angeboten wird. Ansonsten bleibt vieles beim Alten in Fußball-Deutschland. Denn neben Sky bekam auch die ARD-„Sportschau“ den Zuschlag und darf zukünftig samstags ab 18.30 Uhr die erste Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen liefern. Das ZDF erhielt für sein „Sportstudio“ den Zuschlag für die Zweitverwertung.

Axel Springer erwirbt Rechte

Der einzige Neue auf dem Bundesligamarkt ist Axel Springer. Der Verlag (Bild, WELT, Berliner Morgenpost) bekam den Zuschlag für das erstmals ausgeschriebene Paket für die Highlightclips. Diese dürfen dann bei Bild.de im Internet und auf mobilen Endgeräten ausgestrahlt werden – bereits eine Stunde nach Spielschluss gegen Bezahlung.

Bleibt nur noch die Frage: Was macht die Bundesliga mit dem neuen Reichtum? Schließlich werden in der übernächsten Saison zumindest bei den gut platzierten Bundesligisten zweistellige Millionenbeträge an Mehreinnahmen eintreffen.