Fussball

Die "Law-and-order"-Politik des DFB ist untauglich

Das Spiel Union Berlin gegen Eintracht Frankfurt zeigte, dass für den DFB kein Weg daran vorbei führt, mit den Fans in einen Dialog zu treten. Bislang empfinden sich die Anhänger eher als Bittsteller.

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Zunächst die Fakten: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte die Fans von Eintracht Frankfurt wegen „fortgesetzten unsportlichen Verhaltens“ abgestraft, speziell wegen wiederholten Entzündens von Feuerwerkskörpern. Beim Auswärtsspiel am Montagabend bei Union Berlin (4:0) wurden offiziell keine Karten an die Auswärtsfans verkauft. Eintracht Frankfurt musste den Berlinern den Einnahmeverlust erstatten.

In der Realität sah das so aus: Bereits beim Einlaufen feierten Eintracht-Fans die Frankfurter Spieler. Später kletterten einige der rund 1000 Anhänger über den Zaun in den bis dahin verwaisten Gästeblock, ehe der Sicherheitsdienst die Tore öffnete und der Block irgendwann so voll war, dass die Zuschauer sogar auf die umliegenden Sitzplätze auswichen.

Dazu kam ein gewaltiger Solidarisierungseffekt. Über die gesamte Spielzeit hallten immer wieder Schmähungen gegen den DFB durch das Stadion, auch von den einheimischen Anhängern. In der Union-Kurve wurde zudem ein – bemerkenswert dämliches – Plakat („Fick dich DFB“) enthüllt. Und das bei einem Live-Spiel im Fernsehen: Verheerend für die Außenwirkung des Fußballverbandes.

Dessen Strafe hat sich ins Gegenteil verkehrt. Statt reumütig zu Hause zu sitzen, haben die Anhänger beider Klubs das Spiel zur Demonstration der eigenen Stärke genutzt und das DFB-Urteil ad absurdum geführt. Dass die Berliner Fans sich derart solidarisierten, zeigt zudem, dass das Phänomen nicht auf eine kleine Gruppe von Problemfans begrenzt ist.

Die Ereignisse des Montagabend zeigen zweierlei. Zum einen, dass es nicht möglich ist, eine gesamte Fangruppe auszuschließen. Im Internet kann jedermann ohne Nachweis der Vereinsvorliebe Karten bestellen. Lässt man vor dem Stadion die Fanutensilien weg, ist sogar ein Direktkauf der Tickets möglich. Dieser Versuch der Bestrafung geht also ins Leere.

Zum anderen scheint die neue „Law-and-order“-Politik des DFB untauglich, das Gewaltphänomen in den Stadien wirkungsvoll zu begrenzen. Im Gegenteil: Die Bestraften machen sich einen Spaß daraus, diese Strafen zu konterkarieren. Natürlich ist es absolut notwendig, bei Verstößen gegen Gesetz oder Hausordnung hart durchzugreifen.

Wer mit 1000 Grad heißen Bengalos wirft, prügelt oder den Platz stürmt, gehört persönlich bestraft – und zwar von einem ordentlichen Gericht. So wie der Fan von Preußen Münster, der gerade zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, weil er einen Böller in eine Menschenmenge geworfen und 33 Personen verletzt hatte.

Allgemein jedoch wird kein Weg daran vorbei führen, mit den Fans in einen breiten und umfassenden Dialog zu treten. Bislang empfinden sich die Anhänger eher als Bittsteller denn als Ernst genommene Partner. Die abrupt abgebrochenen Gespräche über Pyrotechnik auf den Rängen haben die Fans zudem brüskiert. Nur, wenn die zahlenden Zuschauer den DFB nicht mehr als Gegner, sondern Partner wahrnehmen, kann sich tatsächlich etwas ändern an den derzeit bedenklichen Zuständen in den deutschen Stadien.