Champions League

Inters Superjahr 2010 ist nur noch Geschichte

Knapp zwei Jahre nach dem Finaltriumph gegen die Bayern bedeutet das Achtelfinal-Aus gegen Olympique Marseille für Inter Mailand eine Zäsur.

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Zwei Jahre nach dem Champions League-Triumph gegen Bayern München muss Inter Mailand ganz von vorn anfangen. Der Triple-Sieger von 2010 verabschiedete sich am Dienstagabend im Achtelfinal-Rückspiel mit einem wertlosen 2:1-Sieg gegen Olympique Marseille von der europäischen Fußball-Bühne. Im italienischen Pokal ist der Cup-Verteidiger längst ausgeschieden, in der Serie A hoffnungslos abgeschlagen. Trainer Claudio Ranieri steht vor der Ablösung, einige Altstars vor der Verrentung und das Team vor einer Verstärkung mit jungen Hoffnungsträgern.

"Es ist alles vorbei", titelte die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. "Jetzt wird sich alles ändern", kommentierte der "Corriere dello Sport" Inters "Bankrott". Klar ist: Club-Präsident Massimo Moratti wird die "Nerazzurri" revolutionieren. Und er wird mit der Trainerposition anfangen, auch wenn er Ranieri im Giuseppe Meazza-Stadion noch in Schutz nahm. "Es war nicht seine Schuld", erklärte der Öl-Magnat. Dennoch wird in Mailand bereits Ex-Chelsea-Coach André Villas Boas als Nachfolger für den glücklosen Ranieri gehandelt. Nach dem Abschied von Erfolgstrainer José Mourinho wäre der Portugiese bereits Inters fünfter Trainer in zwei Jahren.

Wie schon beim 0:1 in Frankreich kassierte Inter auch in Mailand ein unnötiges Gegentor in der Schlussphase und verspielte damit den Viertelfinal-Einzug: Diego Milito hatte die Gastgeber in der 75. Minute in Führung gebracht. Brandao zerstörte in der Nachspielzeit Inters Hoffnungen auf eine Verlängerung. Mailands Siegtreffer durch den Elfmeter von Giampaolo Pazzini kurz vor Abpfiff blieb wertlos.

"Mehr ist für Inter derzeit einfach nicht drin", räumte Ranieri ein. Der Coach beklagte zwar Inters Pech in den beiden Spielen, erwies sich aber mit den Komplimenten an Marseille als fairer Verlierer. Inter brauche keine Revolution, aber einen Neuanfang, betonte Ranieri, der sich bei den Fans für die "wunderbare Unterstützung" bedankte. Die Tifosi verabschiedeten das Team mit Applaus und Wehmut in die Kabine.

Kapitän Javier Zanetti bezeichnete das Cup-Aus als "unverdient", richtete den Blick aber gleich wieder nach vorn: "Jetzt werden wir alles geben, um Dritter in der Liga zu werden", versicherte der Argentinier. Angesicht der acht Punkte Rückstand auf den Tabellendritten Lazio Rom klingt das allerdings nach Zweckoptimismus.

Während Inter am Mittwoch seine Wunden leckte, genossen die Franzosen die Komplimente in der Heimat. Mit dem Einzug ins Viertelfinale gab Trainer Didier Deschamps der bislang verkorksten Saison eine Wende. "Wir freuen uns riesig. Das war fabelhaft", jubelte der Olympique-Coach. Die "Equipe" feierte Marseilles Spieler am Mittwoch in fetten Lettern auf der Titelseite als "Helden".