Hamburger SV

Jarolims Jubiläum mitten im Abstiegskampf

Der 32-Jährige bestreitet sein 250. Bundesligaspiel für den HSV. Am Sonnabend trägt der Tscheche im Kellerduell gegen den SC Freiburg die Kapitänsbinde.

Foto: dpa / dpa/DPA

Seinen ersten Tag als Profi des HSV wird David Jarolim nie vergessen. Es war der 1. September 2003, als ihn der Anruf von Dietmar Beiersdorfer erreichte. Der damalige Sportdirektor berichtete, dass er mit den Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg Einigung über einen sofortigen Wechsel erzielt hatte.

Jarolim, der am Tag zuvor in der ersten Runde des DFB-Pokals für die Franken beim Berliner Amateurklub Reinickendorfer Füchse aufgelaufen war, besorgte sich ein Auto und düste zur Vertragsunterschrift nach Hamburg.

„Ich hatte nichts dabei, trug meinen FCN-Trainingsanzug. Beiersdorfer lieh mir Klamotten, ich hatte ja einige Termine und musste dann zurück nach Nürnberg fliegen. Das war schon etwas peinlich, denn ‚Didi‘ ist ja einige Zentimeter größer als ich“, erinnerte sich Jarolim.

Kapitän im Jubiläumsspiel

Bei seinen Kollegen hatte der Tscheche zunächst einen schweren Stand – vollkommen unverschuldet. Den übrigen Profis war kurz zuvor mitgeteilt worden, dass der Verein in finanziellen Schwierigkeiten stecke, darauf reagierte der zu diesem Zeitpunkt amtierende Vorstandsboss Bernd Hoffmann mit dem Entschluss, die Prämienzahlungen einzustellen.

„Als ich plötzlich auftauchte, haben sich die Jungs gefragt, warum plötzlich Geld da war, um so einen wie mich zu holen“, sagte Jarolim, der sich jedoch rasch integrierte: „Meine Landsleute Tomas Ujfalusi und Milan Fukal haben mir in dieser Phase sehr geholfen.“

Mittlerweile ist Jarolim 32 Jahre alt und beim HSV selbst zu einer Identifikations- und Integrationsfigur geworden. Sein erstes Bundesligaspiel für die Hamburger bestritt er am 13. September in Leverkusen (0:1), aus dem damaligen Kader ist außer ihm kein Spieler übrig geblieben.

Am Sonnabend feiert Jarolim ein Jubiläum, im Kellerduell mit dem SC Freiburg läuft er zum 250. Mal für den HSV in der deutschen Eliteklasse auf. „Das ist eine super Zahl. Es macht mich stolz, so viele Spiele für so einen großen Verein absolviert zu haben. Für mich ist das Jubiläum aber trotzdem zweitrangig. Wichtig ist, dass wir gewinnen. Das wäre dann erst die absolute Krönung.“

Da Kapitän Heiko Westermann (Gelbsperre) und dessen Stellvertreter Dennis Aogo (Wadenzerrung) passen müssen, dürfte Jarolim die Binde übernehmen und die Mannschaft auf das Feld führen. „Das ist etwas ganz Besonderes. Aber ob ich nun Kapitän bin oder nicht, das ändert nichts an meiner Einstellung. Ich versuche so oder so, der Truppe auf meine Art zu helfen. Ich erwarte, dass jeder Spieler Verantwortung übernimmt.“

Kein Chance in der kommenden Saison

Zwischen 2003 und heute hat Jarolim so manche prekäre Situation mit dem HSV überstanden. „Am Ende war der Abstieg nie ein Thema, weil wir rechtzeitig kapiert hatten, worauf es ankommt. Auch jetzt sollten wir uns nicht belügen, das Spiel gegen Freiburg bedeutet Abstiegskampf pur. Nur mit Leidenschaft werden wir uns befreien. Wir müssen mehr geben als die anderen.“

Die jüngste Pleite bei Schalke 04 (1:3) verfolgte Jarolim vor dem Fernseher, er hatte zuvor gegen Stuttgart (0:4) die fünfte Gelbe Karte in dieser Saison erhalten. „Auch dort hat die Mannschaft gezeigt, dass Qualität in ihr steckt. Aber es hat die Balance gefehlt. Wir sind ins offene Messer gelaufen, und das ist natürlich fatal.“

Im Abstiegskrimi mit dem Vorletzten kehrt Jarolim in die Hamburger Startformation zurück. „Wir sind unseren Fans einiges schuldig. Das ist uns bewusst. Da zählt nur ein Sieg.“

Obwohl sich der Musterprofi auch unter Trainer Thorsten Fink einen Stammplatz erkämpft hat, wollen die Verantwortlichen ihn im Hinblick auf die kommende Saison aussortieren. „Daran hat sich nichts verändert. Ich sehe keine Chance mehr, ich rechne nicht mit einem Angebot.“

Zwei bis drei Jahre will Jarolim bei einem anderen Klub dranhängen, „vielleicht sogar in der Bundesliga“, dann als Jugendtrainer zum HSV zurückkehren: „Die Option besteht.“