Gesichtsverletzungen

DFB kündigt den Ellbogenschlägern den Kampf an

Die Gesichtsverletzungen im Fußball häufen sich weiter. Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel fordert harte Strafen und keine Gnade für Ellbogenschläger.

Foto: dapd, pa/dpa (2), firo Sportphoto / dapd, pa/dpa (2), firo Sportphoto/Frank Augstein, Friso Gentsch, Bernd Thissen

Blutunterlaufene Augen, schiefe Nasen und erschreckende Szenen: Der Fußball wird durch die häufigen Gesichtsverletzungen immer mehr zum „Maskenball“. Herbert Fandel will solche Horrorbilder nicht mehr sehen. Deshalb fordert der Schiedsrichter-Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Keine Gnade für Ellbogenschläger! Dafür nimmt er sogar Streitfälle in Kauf.

„Die Häufigkeit der Verletzungen gibt uns zu denken. Das dürfen wir nicht ignorieren und müssen es im Auge behalten“, sagte der frühere Fifa-Referee Fandel: „Bei Luftkämpfen kommen heute vermehrt die Ellbogen und Arme zum Einsatz. Das müssen wir wieder rausbekommen aus dem Fußball.“

Um dies zu gewährleisten, fordert Fandel seine Schützlinge zu hartem Durchgreifen auf.

„Wir haben die Schiedsrichter angewiesen, den bewussten Einsatz von Ellbogen und Armen zwingend mit Roter Karte zu ahnden und keine Gnade vor Recht ergehen zu lassen“, sagte er: „Wenn der Ellbogen leichtfertig eingesetzt wird, liegt die Strafe im Ermessen des Schiedsrichters. Dann kann auch Gelb ausreichen. Eine Schlagbewegung muss aber immer Knallrot nach sich ziehen. Und wenn es im Zweifelsfall die eine oder andere Rote Karte mehr gibt, schadet das der Sache nicht.“

In dieser Woche hatte Schalkes Niederländer Klaas-Jan Huntelaar nach einem Zusammenprall benommen auf dem Boden gelegen, als sei er den Klitschko-Brüdern vor die Fäuste gelaufen. Das Auge des Dortmunders Sven Bender war dermaßen blau, dass sein Trainer Jürgen Klopp vor ihm erschrak.

Und Nationalspieler Andre Schürrle fügte der Liste der Fußballer-Blessuren eine bisher kaum gekannte Verletzung hinzu, als er im Länderspiel gegen Frankreich eine „Abscherung des Nasenknorpels vom Nasenknochen“ erlitt.

Absicht will Fandel nicht unterstellen

Den Tätern soll es nun an den Kragen gehen. Absicht will Fandel den Spielern im Normalfall aber nicht unterstellen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Arme und Ellbogen übertrieben bewusst eingesetzt werden“, sagte er: „Aber die Spieler müssen begreifen, dass sie in Kopfhöhe nichts zu suchen haben.“

Für Leverkusens Trainer Robin Dutt hängt die jüngste Entwicklung damit zusammen, dass „der Fußball so athletisch geworden ist, dass sich manches nicht mehr kontrollieren lässt“. Für Fandel nachvollziehbar. „Die Athletik, die sich in den vergangenen fünf oder zehn Jahren stark verändert hat, spielt sicher eine ganz wesentliche Rolle.“

Doch selbst Spieler wie der Dortmunder Neven Subotic unterstellen manchem Kollegen Absicht. „Ich denke schon, dass in letzter Zeit der Ellbogen häufiger eingesetzt wird“, sagte Subotic: „Einige Spieler loten erst mal aus, was der Schiri durchgehen lässt und was nicht. Wenn sie merken, es geht mehr, kommt der Ellbogen verstärkt zum Einsatz.“

Subotic erlitt Mittelgesichtsfraktur

Subotic war mit einer Mittelgesichtsfraktur in der Hinrunde selbst einer der Betroffenen. Huntelaar oder Subotics Teamkollege Sven Bender waren gar schon zum zweiten Mal in dieser Saison Leidtragende.

„Ich bin echt froh, dass ich weder Vater noch Mutter von den Benders bin“, sagte BVB-Coach Klopp: „Wenn ich vor dem Fernseher sitze und die Kinder blutend vom Platz kommen, das braucht ja kein Mensch.“ Bender, so Klopp, habe „echt schlimm, schrecklich“ ausgesehen.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer (VDV) sieht noch keinen großen Grund zur Besorgnis. „Es hat sich noch kein Spieler über größere Rücksichtslosigkeit von Kollegen beschwert“, sagte Geschäftsführer Ulf Baranowsky.

Unterschiedliche Gründe

Es gebe unterschiedliche Gründe für Gesichtsverletzungen, neben hohen Ellbogen auch zu tief gesenkte Köpfe oder einfach nur Pech. Ihm sei sogar ein Fall eines Spielers bekannt, der sich beim Kopfball ohne Fremdeinwirkung mit dem eigenen Knie im Gesicht verletzt hat.

Fandel ist zumindest optimistisch, das Problem bald in den Griff zu bekommen. „Da habe ich keine Angst. Ich glaube an einen Selbstreinigungsprozess des Fußballs“, sagte er: „Trainer und Spieler haben die Entwicklung auch im Auge. Ich denke, dass es solche Fälle in einigen Jahren fast überhaupt nicht mehr geben wird.“