Neuer Trainer

Hertha holt Otto Rehhagel aus dem Ruhestand

Sensation in der Fußball-Bundesliga: Altmeister Otto Rehhagel wird nach zwölf Jahren ins Oberhaus zurückkehren und neuer Trainer bei Hertha BSC. Manager Preetz setzt auf den Erfolgstrainer vergangener Jahre.

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Beim ersten Bundesliga-Spiel von Hertha BSC am 24. August 1963 stand er als Verteidiger im blau-weißen Trikot auf dem Platz. So wie es aussieht, wird er beim 1001. Bundesliga-Spiel von Hertha am 25. Februar gegen den FC Augsburg auf der Bank von Hertha BSC Platz nehmen. Die Rede ist von Otto Rehhagel (73), der den in Abstiegsgefahr schwebenden Hauptstadt-Klub retten soll.

Nach übereinstimmenden Informationen von bild.de, Sportbild und Morgenpost Online hatten Hertha-Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer sich am Donnerstag im Westen mit Rehhagel getroffen. Es wurde ausführlich gesprochen. Preetz legte seine Not dar. Er hatte im Dezember Trainer Markus Babbel entlassen. Dessen Cotrainer Rainer Widmayer half nur für das Pokalspiel gegen Kaiserslautern aus. Babbel-Nachfolger Michael Skibbe wurde am vergangenen Sonntag nach fünf Niederlagen entlassen. Und Rene Tretschok, der die Mannschaft am Sonnabend gegen Borussia Dortmund betreuen wird, fehlt die erforderliche Lizenz. Er darf nur für 15 Tage aushelfen.

Rehhagel, der von 1963 bis 1966 bei Hertha spielte, ist ein bekennender Berlin-Liebhaber. Obwohl er eigentlich längst mit der Bundesliga abgeschlossen hat – sein letztes Engagement in Deutschland endete im Jahr 2000 beim 1. FC Kaiserslautern –, bekundete er Interesse, sich nochmal in die Pflicht nehmen zu lassen.

Es gab gestern am späten Abend unterschiedliche Aussagen, ob Rehhagel bereits zugesagt habe. Mit der Angelegenheit vertraute Quellen sagten, man sei sich weitgehend einig. Es gebe eine Bedenkzeit bis heute Nachmittag. Andere Quellen sagen, die Sache sei entschieden: Rehhagel komme definitiv. Nur wolle die Hertha-Führung, dass der Fokus bis zum Spielende gegen 17.20 Uhr auf dem Bundesliga-Spiel gegen Meister Dortmund liegt.

Beate Rehhagel dementiert nicht

Es scheint ausgemacht, dass Rehhagel Hertha in den dann verbleibenden zwölf Bundesliga-Partien vor dem Abstieg retten soll. Morgenpost Online erreichte Beate Rehhagel, seine Ehefrau und Beraterin, gestern Abend am Telefon. Sie bat um Verständnis. Sie weile mit ihrem Mann „auf einer privaten Feier. Ich stehe mitten unter Leuten und kann hier nicht reden.“

Rehhagel ist ein großer Name, zudem einer mit Hertha-Stallgeruch. Seine Erfolge indessen liegen etwas zurück: Sein erster Titel war der DFB-Pokalsieg mit Fortuna Düsseldorf 1980. Mit Werder Bremen wurde Rehhagel 1988 und 1993, mit Kaiserslautern 1998 Deutscher Meister. Zudem gewann er mit Werder zweimal den DFB-Pokal und 1992 den Europacup der Pokalsieger. Von 2001 bis 2010 war „Rehhakles“ Nationaltrainer in Griechenland mit dem Sensationserfolg, dem Gewinn des Europameister-Titels 2004.

Manager Preetz greift mit der Trainer-Wahl eine Idee auf, die sein Vorgänger in ähnlicher Situation schon einmal umgesetzt hatte. Im Winter 2004 verpflichtete der damalige Manager Dieter Hoeneß den über sechzigjährigen Hans Meyer, um Hertha die Klasse zu retten.

Die Idee, die Preetz leitet, ist: Es muss ein Trainer her, der die Liga kennt und der sofort Autorität in der Mannschaft genießt. Weggefährten trauen Rehhagel trotz seiner 73 Jahre zu, drei Monate bis zum Saisonende die Spannkraft für die aufreibende Mühle Profifußball aufzubringen. Den Status eines Liga-Experten genießt Rehhagel nach wie vor. Er reist von seinem Wohnort Essen an den Wochenenden regelmäßig zu Bundesliga-Spielen. Rehhagel gilt nach wie vor als gut vernetzt. Ex-Manager Reiner Calmund riet Preetz zu, bei Rehhagel anzufragen.

Gespannt darf man sein, wie der Trainer-Routinier mit einem vergleichsweise jungen Team umgehen wird. In Bremen hatte er beinahe vergessene Profis wie Klaus Fichtel oder Manfred Burgsmüller reaktiviert. Griechenland stellte bei EM- und WM-Teilnahmen jeweils die älteste Mannschaft im Turnier. Rehhagels Fußball-Stil galt am Ende seiner Trainer-Zeit als antiquiert, aber erfolgreich. Seine Probleme mit jungen Spielern waren schon vor zehn Jahren bekannt.

Die Aufgabe in Berlin wird sein, eben junge Spieler wie Patrick Ebert, Pierre-Michel Lasogga, Änis Ben-Hatira, Tunay Torun, Felix Bastians oder Alfredo Morales vom Ernst der Lage zu überzeugen. Und ihnen gleichzeitig Lockerheit und Spaß am Fußball zu vermitteln. Hat Rehhagel noch das Charisma, neben Autorität auch Sicherheit zu vermitteln: Dass Otto Rehhagel, egal wie hoch die Wogen der Aufregung um Hertha schlagen, mit seiner ganzen Erfahrung die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mit dem Ziel, dass die Mannschaft hinter seinem breiten Rücken sich auf den Kampf um den Klassenerhalt konzentrieren kann.

Am Ende der Saison ist Rehhagel dann die richtige Wahl von Manager Preetz gewesen, wenn Hertha erstklassig bleibt.

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