Düsseldorf vs. Frankfurt

Im Aufstiegskampf fliegen die Giftpfeile

Ein Elfmetertor in der Nachspielzeit, Provokationen und Wortgefechte überschatten das Zweitliga-Spitzenspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt.

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Exakt 144 Seiten umfasst das Regelwerk des Fußball-Weltverbandes Fifa. Regel Nummer zwölf ist auf Seite 34 verankert. Sie besagt, welche Vergehen mit einem indirekten Freistoß durch den Schiedsrichter zu ahnden sind – und zwar unter anderem jenes, wenn ein Spieler einen Gegner hält. Nun gut, wird sich der Unparteiische Felix Brych jetzt sagen, da hab’ ich doch am Montagabend alles richtig gemacht. Hat er ja auch, als er im Spitzenspiel der Zweiten Liga zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt in der Nachspielzeit einen Elfmeter für die Fortuna gab, den Jens Langeneke zum 1:1 (0:0)-Endstand nutzte.

Und dennoch war es eine Entscheidung mit einem faden Beigeschmack. In einem Spiel, vor dem sich die Gegner verbal attackiert hatten – und zwar in einer Art und Weise, die an Zeiten erinnerte, als Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß noch Lust hatte, seine Konkurrenten im Vorfeld von Spielen mit provokanten Sprüchen aus der Ruhe zu bringen.


Veh monierte die Düsseldorfer Fallsucht

Eintracht-Trainer Armin Veh hatte die Fallsucht der Düsseldorfer Spieler moniert – insbesondere die von Stürmer Sascha Rösler – und gesagt: „Das geht mir langsam auf den Keks.“ Die Verantwortlichen der Fortuna wehrten sich gegen die Vorwürfe und sagten, Vehs Attacke sei vor der ohnehin schon brisanten Partie zwischen Spitzenreiter Düsseldorf und dem Tabellendritten Frankfurt unverantwortlich.

Auch wenn es am Ende nicht Sascha Rösler war, der zu Fall kam, sondern Timo Furuholm, den Frankfurts Verteidiger Anderson am Trikot gezogen hatte, waren die Gemüter erhitzt. Denn Schiri Brych hatte das Spiel erst weiterlaufen lassen, bevor der 36 Jahre alte Schiedsrichter nach Rücksprache mit seinem Assistenten Jan Hendrik Salver dann doch noch auf den Elfmeterpunkt zeigte.


Brych fiel in Berlin auf de Camargo rein

Ausgerechnet Brych, der fünf Tage zuvor beim DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach auf die Schauspieleinlage des Gladbachers Igor de Camargo reingefallen war. „Ich muss dem Gespann ein Kompliment machen“, nahm Fortuna-Trainer Norbert Meier Brych in Schutz: „Respekt, dass der Assistent das sieht und sogar vertritt.“

Während die Düsseldorfer den Punktgewinn fast wie einen Sieg feierten, schäumten die Gäste vor Wut. Sie fühlten sich in ihrer Vorahnung bestätigt, in der Fortuna auf einen Gegner zu treffen, dem in dieser Saison schon ungewöhnlich viele Elfmeter zugesprochen worden sind – seit Montag sind es 12 nach 21 von 34 Spielen. Zum Vergleich: Der Verein, der in dieser Rangliste auf Platz zwei hinter der Fortuna folgt, ist der 1. FC Union – mit vier Elfmetern.

„So eine Scheiße“, wetterte Frankfurt-Trainer Veh, ehe er am Montag in den Katakomben verschwand und jeglichen Kommentar verweigerte. Selbst auf der Pressekonferenz ließ er sich entschuldigen. Auch auf Anraten seines Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, der vermeiden wollte, dass Veh womöglich etwas sagt, was er später vielleicht bereuen oder was eine Strafe nach sich ziehen würde. Stattdessen übernahmen Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner das Wort und ließen ihrem Frust freien Lauf.

„Das ist eine Katastrophe, so ein lächerlicher Elfmeter“, sagte Sportdirektor Hübner. Das sei „die ganze Scheiße“, die Trainer Veh im Vorfeld gemeint habe, als er Rösler „Fallsucht“ vorgeworfen hatte. „Hier in Düsseldorf“, empfahl der aufgebrachte Hübner, „sollen sich alle mal hinterfragen.“ Vorstandschef Bruchhagen pflichtete ihm bei. „Die Methode der Fortuna hat Erfolg“, sagte Bruchhagen und spielte damit speziell auf das Gebaren von Düsseldorfs Trainer Meier während des Spiels an.

Er, Bruchhagen, habe direkt hinter der Fortuna-Bank auf der Tribüne gesessen und beobachten können, wie Meier bei vielen Entscheidungen des Schiedsrichters mit erhobenen Armen und wild gestikulierend zum Linienrichter oder zum vierten Offiziellen gerannt sei. „Ich bedauere, dass wir um unsere Früchte gebracht worden sind. Das trifft uns im Aufstiegskampf sehr hart“, sagte Bruchhagen und ergänzte: „Ich gratuliere dazu, dass am Ende jede Methode Erfolg hat, wenn sie durchgehalten wird. Schauen Sie sich Herrn Meier an, permanent den Arm hebend. Herzlichen Glückwunsch! Der Schiedsrichter hat den Elfmeter gepfiffen, weil der Linienrichter erheblich unter Druck stand.“

Neben all den verbalen Attacken wäre es nach dem Spiel fast noch zu Handgreiflichkeiten auf dem Platz gekommen, nachdem es vor der Partie schon im Oberrang eine kurze Auseinandersetzung gegeben hatte, als rund 50 übermütige Düsseldorfer Anhänger versucht hatten, den Gästeblock mit immerhin 7000 Frankfurtern zu attackieren.

Unten auf dem Rasen war es der von Veh an den Pranger gestellte Sascha Rösler, der die Contenance verlor, sich nach dem späten Ausgleichstreffer vor der Ersatzbank der Eintracht aufbaute und dort den Treffer bejubelte. Dabei soll er mit den Worten „Komm doch, komm doch her“ provoziert haben. Schiedsrichter Brych schickte Rösler mit einer Gelb-Roten Karte vom Feld.


"Selbstdarsteller" Rösler?

„Es ist ja nicht das erste Mal, dass Sascha Rösler provoziert. Das gehört sich nicht im Fußball. Er ist ein Selbstdarsteller“, sagte Benjamin Köhler, der für Frankfurt in der 69. Minute das 1:0 erzielt hatte. Düsseldorfs Torschütze Langeneke wollte seinem Teamkollegen Rösler hingegen „keinen Vorwurf“ machen: „Ich glaube, der eine oder andere in Deutschland fand die Aktion von Sascha Rösler nicht so schlecht.“ Sportdirektor Werner hingegen schon. Für solche Fälle gäbe es einen Strafenkatalog, sagte Werner, „da muss er (Rösler – d.R.) richtig bluten“.

Bis zum Wochenende haben die Mannschaften nun Zeit, ihre Gemüter zu beruhigen. Am Samstag trifft die Eintracht im Lokalderby auf den FSV Frankfurt – Düsseldorf gastiert tags darauf bei 1860 München.