Bundesliga-Rechte

"Sportschau" im Internet ruft große Skepsis hervor

Auf dem Fernsehmarkt wird um die Rechte der Fußball-Bundesliga geschachert. Die ARD und der Bezahlsender Sky bangen um ihre Vormachtstellung.

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Am Mittwoch werden wieder Rekorde verkündet. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wird in Frankfurt den Bundesligareport 2012 vorstellen, ein in Zahlen gegossener Lobgesang auf den deutschen Profifußball. Seit Jahren steigen alle Fieberkurven steil an: mehr Zuschauer, mehr Umsatz, mehr Eigenkapital. Doch die Eliteliga und ihre kleine Schwester, die Zweite Liga, sind fast ausgewachsen, das machte schon der Report 2011 deutlich.

Die Stadien waren in der Saison 2009/10 zu 94,6 Prozent ausgelastet, die Spieltagseinnahmen stiegen binnen vier Jahren um 70 Millionen Euro. Die Werbeeinahmen kletterten in diesem Zeitraum sogar von 357 Millionen auf 511 Millionen Euro.

Nur der Erlös aus der medialen Verwertung stagnierte, sein Anteil am Gesamteinkommen der Klubs schrumpfte sogar von 32 auf 28 Prozent. Wenn die prosperierende Bundesliga also weiter wachsen will, dann dort. Und genau daran wird gearbeitet.

Über 86 Prozent dagegen

Bis zum Mai sollen die Fernsehrechte für die Jahre 2013 bis 2017 vergeben sein. Bislang kassieren die 36 Profiklubs 412 Millionen Euro pro Jahr aus der Inlandsvermarktung. Davon entfallen 100 Millionen Euro auf die ARD . 225 Millionen Euro zahlt der Pay-TV-Sender Sky für die Liverechte. Doch an beiden Säulen des TV-Vertrags wird gesägt.

Erstmals darf die erste frei empfangbare Zusammenfassung, bislang Hoheitsgebiet der „Sportschau“ , auch im Internet gezeigt werden. Prompt schalten sich Konzerne wie Yahoo , Google und auch der Axel-Springer-Verlag ein, die ihren jeweiligen Internetplattformen mit der Bundesligaausstrahlung einen gewaltigen Push versetzen könnten.

Allerdings stößt eine Internetübertragung (noch) auf öffentliche Ablehnung. Nach einer repräsentativen Umfrage des "SLC Management" für die "Welt" gehört für 86,2 Prozent der Menschen die Bundesliga-Zusammenfassung ins frei empfangbare Fernsehen.

Kartellamt schritt ein

Für 29,2 Prozent wäre eine Übertragung im Internet eine ernst zu nehmende Alternative. Allerdings geben nur 24 Prozent der Befragten an, dafür derzeit die nötigen technischen Voraussetzungen zu haben, zum Beispiel eine Übertragungsrate von 16 Megabyte pro Sekunde.

Im Kampf um die Liverechte wird Sky attackiert von Sirius Sports Media. Schon bei der letzten Vergabe vor vier Jahren mischte der Rechtehändler des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch mit und bot für alle Rechte drei Milliarden Euro für sechs Jahre.

Damals schritt das Kartellamt ein, weil damit eine Verschiebung der Zusammenfassung im Free-TV nach 22 Uhr einhergegangen wäre. Diesmal soll Sirius dem Vernehmen nach am Rechtepaket für die Ausstrahlung über Antenne, Kabel und Satellit interessiert sein. Einen Abnehmer für die Satellitenrechte soll Sirius auch schon haben: die Deutsche Telekom.

Bislang besitzt die Telekom die Rechte für die IPTV-Übertragung ("Liga total"), die über das Glasfasernetz und damit im Internet ausgestrahlt wird. Nun will das Unternehmen offenbar in größeren Maßstäben angreifen und sein Programm auch über Satellit ausstrahlen.

Da die DFL die Satellitenrechte allerdings nur im Verbund mit den Kabel- und Antennenrechten vergibt, braucht die Telekom einen Zwischenhändler wie Sirius, der das Angebot splitten kann. An Kabel und Terrestrik hat sie kein Interesse.

Doch darf ein Unternehmen, das zu 30 Prozent in staatlicher Hand ist, überhaupt für derartige Rechte mitbieten? Immerhin hat das Verfassungsgericht entschieden, dass der Staat keinen Einfluss auf die Berichterstattung ausüben darf.

Fragiler Pay-TV-Markt

Bei der Ausstrahlung von "Liga total" umging die Telekom das Problem, indem sie den Sublizenznehmer Constantin Medien produzieren ließ. Dazu gab sie die Erklärung ab, keinen Einfluss auf die redaktionelle Arbeit zu nehmen.

Laut eines internen Forschungsberichts des Finanzkonzerns Morgan Stanley, der Morgenpost Online vorliegt, geht die Telekom weiterhin davon aus, dass es erneut ausreichen wird, eine unabhängige Gesellschaft zwischenzuschalten, um die geforderte "Staatsferne des Rundfunks" zu gewährleisten.

Allerdings halten die Analysten es für "wenig logisch", dass sich die Telekom am Bieterwettstreit beteiligt, weil die DFL eine Trennung von Kabel- und Satellitenübertragung ablehnen könnte. Im Ligaverband und den Vereinen wird zudem befürchtet, dass der ohnehin fragile Pay-TV-Markt nachhaltig geschädigt werden könnte, wenn Sky die Liverechte verlieren würde.