Bundesliga-Trend

Venezolaner sind jetzt die besseren Brasilianer

Brasilianische und argentinische Fußball-Profis sind in der Bundesliga kaum mehr gefragt. Die Klubs wenden sich in Südamerika neuen Märkten zu.

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Es ist noch nicht lange her, dass jeder mittelmäßige Zweitliga-Verein in Deutschland unbedingt einen Brasilianer im Team haben musste. Doch die Zeiten haben sich geändert: Brasilianische und argentinische Profis sind out, die Bundesliga wendet sich in Südamerika nun neuen Märkten zu. Venezuela, Kolumbien und Ecuador gewinnen an Bedeutung.

Ein „deutscher“ Geschäftsmann in Venezuela versucht, den Hunger der europäischen Klubs nach unverbrauchten, aber bezahlbaren Nachwuchsprofis zu stillen: Philip Valentiner (34), der Präsident und Besitzer des FC Caracas. Nebenbei führt er auch noch das lokale Basketball-Team Crocodilos de Caracas. „Die Fußballer sind elfmal, die Basketballer viermal in den letzten 22 Jahren Meister geworden“, sagt er stolz.

Valentiner ist der starke Mann beim FC Caracas. Seine Familie hat deutsche Wurzeln, er selbst hat in Deutschland studiert, spricht fließend Deutsch und hat besonders den deutschsprachigen Markt im Visier. Sein Vater Guillermo Valentiner war ein erfolgreicher Pharma-Unternehmer mit einem großen Herz für Fußball. Er engagierte sich als Sponsor beim Schweizer Klub FC Luzern.

Philip Valentiner führt den sportlichen Zweig der Unternehmensgruppe fort und treibt die Professionalisierung voran. „Für die Entwicklung des venezolanischen Fußballs ist es wichtig, dass wir möglichst viele Profis nach Europa transferieren“, betont er. Valentiner verfolgt die Entwicklung der in Deutschland spielenden Venezolaner genau: „Tomas Rincon beim Hamburger SV und Juan Arango bei Borussia Mönchengladbach sind ja schon Leistungsträger. Ich hoffe, dass auch Yohandry Orozco seinen Weg beim VfL Wolfsburg macht.“

Der Aufschwung des Fußballs im Lande hängt eng mit den Erfolgen des FC Caracas zusammen. Mit Alexander Gonzalez (19) und Josef Martinez (18) sind gerade zwei weitere junge Profis aus dem FCC-Talentschuppen zum Schweizer Erstligisten Young Boys Bern gewechselt. „Wir sind stolz, dass das geklappt hat. Das sind zwei gute Jungs“, sagt Valentiner, „wir haben in den vergangenen Jahren schon acht Spieler ins Ausland transferiert.“

Dabei gehen die Venezolaner den Weg der kleinen Schritte. Die Profis sollen zunächst einmal bei gut geführten, kleineren Vereinen Erfahrung sammeln, ehe sie zum Sprung zu den Topklubs ansetzen.

Und das ist erst der Anfang eines neuen Trends, von dem beide Seiten profitieren sollen. Die professionelle Ausbildung von Profis für den europäischen Markt ist mittlerweile ein florierendes Geschäftsmodell der Valentiner-Gruppe, das auch zum Erfolg der venezolanischen Nationalmannschaft beiträgt.

In der WM-Qualifikation liegt Venezuela mit sieben Punkten aus den ersten vier Spielen aussichtsreich auf dem dritten Rang. Spätestens nach dem Halbfinaleinzug bei der Copa America und dem 1:0 in den Eliminatorias über Argentinien hat auch der Rest der Welt vom Fußball-Boom in Venezuela Notiz genommen. Fast alle Leistungsträger spielen im Ausland.

Valentiner ist zuversichtlich: „Ich bin sicher, wir werden erstmals die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien schaffen. Die Mannschaft ist auf einem guten Weg.“ Die Professionalisierung hat auch den Verband erreicht. Nationaltrainer Cesar Farias scannt derzeit die europäischen Topligen nach Spielern mit venezolanischen Wurzeln. Auch in der Bundesliga ist er fündig geworden: Der Verband steht mit Manuel Schmiedebach von Hannover 96 in Verbindung.