Ex-Nationaltrainer

Götz weiß nichts von seiner Entlassung in Vietnam

Eine Woche nach seinem angeblichen Rauswurf als vietnamesischer Nationaltrainer wurde Falko Götz vom Verband immer von nicht informiert.

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Die Angelegenheit schien eine klare zu sein, wenn auch zu einem undankbaren Zeitpunkt. Am 23. Dezember, just einen Tag vor Heiligabend, verbreitete sich über die hiesigen Medien wie ein Lauffeuer die Nachricht, dass Ex-Hertha-Trainer Falko Götz als Nationalcoach von Vietnam entlassen worden sei. Der nationale Fußball-Verband habe das so beschlossen, und wer noch am Wahrheitsgehalt der Meldungen zweifelte, bekam noch gleich ein Statement des Vize-Präsidenten hinzugeliefert: „Wie in allen Ländern dieser Welt muss ein Nationaltrainer die Verantwortung für Niederlagen seiner Mannschaft übernehmen", erklärte Nguyen Lan Trung.

Einzig: In allen anderen Ländern dieser Welt würde eine solche Entscheidung wenn nicht als erstes, dann aber wohl zumindest ziemlich bald nach einer Presserklärung auch dem Betroffenen mitgeteilt. Auf Anfrage von Morgenpost Online bestätigte Götz aber, noch immer nicht vom Verband über seinen vermeintlichen Rauswurf unterrichtet worden zu sein. Deshalb gebe er auch noch keine Interviews. Der Grund ist klar: Noch läuft sein Vertrag offenbar, und der Coach will sich vertragsrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen.


Keine Nachricht seit einer Woche

Er verweist auf ein Statement auf seiner Homepage. Dort hatte er bereits vor einigen Tagen bereits geschrieben: „Ersten Zeitungsberichten zufolge scheint der vietnamesische Fußballverband wohl beschlossen zu haben, sich von mir zu trennen, mich als Nationaltrainer zu entlassen. Warum das so ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Ich konnte mit den offiziell Verantwortlichen noch kein Gespräch über diese Meldung führen.“ Offenbar hielten es die Verantwortlichen auch nach einer Woche nicht für notwendig, ihn von sich aus zu kontaktieren.

Am 4. Januar wird Götz deshalb zurück nach Saigon fliegen, um seinen Dienst regulär weiterzuführen. Sportlich gesehen macht eine Entlassung des 49-Jährigen auch wenig Sinn. Erst im Sommer übernahm Götz überraschend als erster Deutscher das Amt übernommen und hatte das Team in der Weltrangliste in nur kurzer Zeit um 55 Plätze wieder in die Top-100 geführt. „Vor Antritt meines Weihnachtsurlaubs hatte mir das Präsidium noch das Vertrauen. Aus meiner Sicht sind wir auf einem sehr guten Weg“, so Götz. Offizieller Grund der Verantwortlichen soll das vorzeitige Ausscheiden bei den Sea Games mit der U 23 im November, bei dem immerhin Platz vier erreicht wurde, gewesen sein. Der Trainer ist dennoch überrascht: „Wir waren bei der Analyse unseres Abschneidens bei den Sea Games alle der Meinung, dass die aktuelle Qualität nicht so groß ist, dass zwingend ein Turniersieg her muss.“


Jahresgehalt ausgeplaudert

Tatsächlich kann über die Hintergründe nur spekuliert werden. Ein Großteil der vietnamesischen Fans soll die Entscheidung des Verbandes missbilligen heißt es, von persönlichen Interessen ist die Rede. Klarheit wird wohl erst dann herrschen, wenn Götz zurück an seiner Wirkungsstätte ist. Dass es in dem südostasischen Land aber nicht wirklich mit europäischen Maßstäben zugeht, hätte er aber schon direkt nach Vertragsunterschrift ahnen müssen: Da hatte Verbandschef Nguyen Trong Hy via Presse sein Jahresgehalt ausgeplaudert.

Demnach soll Götz 15.000 Euro pro Monat verdienen und dazu noch eine Wohnung und ein Auto mit Chauffeur erhalten. Denn selbst fahren ist in einem latent chaotischen Land wie Vietnam viel zu gefährlich. Anfangs fand er das noch alles recht amüsant, stolz ließ er sich für ein Sonntagsmagazin bei einem seiner ersten, exotischen Ausflüge durch Hanoi ablichten

Inzwischen dürfte er froh sein, dass sein Vertrag neben den genannten Vorzügen noch eine weitere Leistung beinhaltet: Flüge nach Deutschland. Denn seinen nächsten, vielleicht schon letzten Flug von Vietnam in seine Heimat müsste der Verband wohl so oder so noch bezahlten.