Belgien

In Brügge ist Daum schon wieder ganz der Alte

Nach dem Abstieg mit Frankfurt will der Trainer mit Brügge an vergangene Erfolge anknüpfen. Er glänzt als Motivator und ist überzeugt: "Hier ist Großes möglich".

Mit seiner Frau Angelika sowie den Kindern Jean-Paul und Cara-Julie fliegt Christoph Daum Dienstag von Brüssel nach Mallorca. Es wird nur ein Kurzurlaub. Denn schon am Neujahrstag muss sich der Trainer des FC Brügge von der Familie verabschieden, da er am 2. Januar mit der Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt. "Es ist wirklich nicht viel Zeit, die ich zum Abschalten habe. Aber manchmal muss man sich eben auch mit weniger zufrieden geben", sagt Daum, der erst am zweiten Weihnachtsfeiertag mit dem 1:0 (1:0)-Sieg gegen Zulte-Waregem die Hinrunde beendet hat.

In der Nacht zum 9. November hatte sich der 57-Jährige mit dem Klub aus der belgischen Jupiler League auf einen Vertrag bis Ende Juni 2013 geeinigt. Das Engagement kam überraschend. Denn nach dem Bundesliga-Abstieg mit Eintracht Frankfurt im Frühjahr hatte es den Anschein, als sei der Zauber des einstigen Meistertrainers verpufft. Es gab zwar Anfragen aus Argentinien, Dubai und Saudi-Arabien. Doch darauf hatte Daum keine Lust. Der Job als Nationaltrainer Österreichs, der ihn gereizt hätte, dann aber an Marcel Koller ging, scheiterte am Geld. "Es war keine einfache Zeit für mich", sagt Daum, "aber ich habe sie intensiv mit meiner Familie verbracht und zur Regeneration genutzt."


Brügge war 2005 letztmals Meister

Und so war er auch voller Tatendrang, als ihn Anfang November ein Headhunter kontaktierte und das Angebot von Brügge offerierte . Nun ist Belgien zwar keine große Fußballnation. Aber auch dort gibt es mittlerweile eine gute, junge Generation, die das Land hoffen lässt. In der Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine war Belgien in der Gruppe mit Deutschland nur knapp als Tabellendritter gescheitert. Daum traf sich mit den Verantwortlichen von Brügge und war angetan von den Perspektiven, die ihm aufgezeigt wurden. Der Klub, der 2005 letztmals den Meistertitel gewann und über ein modernes Trainingszentrum verfügt, hatte sich im Sommer neu aufgestellt. 15 Spieler wurden weggeschickt, elf Neue geholt.

Weil es mit Trainer Adrie Koster aber sportlich nicht lief, sollte ein neuer, erfahrener Coach her. Daum musste lediglich eine Bedingung erfüllen: Er sollte allein kommen, ohne eigenen Co- oder Torwarttrainer. Er habe kurz nachgedacht darüber, sich dann aber überzeugen lassen, es mit dem siebenköpfigen Trainerstab in Brügge zu probieren. "Und das läuft perfekt. Das sind alles Top-Leute, die bereit sind, meine Ideen umzusetzen", sagt Daum und ergänzt: "Wenn man mich hier mal nicht mehr will, müsste man nur mich entlassen und nicht einen Stab an Gefolgsleuten des Christoph Daum. Das ist wirtschaftlich gut durchdacht."


In der Europa League jetzt gegen Hannover

Allerdings ist für Daum ein Ende in Brügge noch lange nicht in Sicht. Seit er das Sagen hat, läuft es gut in Brügge. Sechs Siege hat er in acht Spielen erreicht, dazu ein Unentschieden – nur einmal hat er verloren. In der Europa League ist er als Tabellenerster in die Zwischenrunde eingezogen, in der er am 16. und 23. Februar 2012 ausgerechnet auf Hannover 96 trifft . Daum sagt, er sei zu Beginn seiner Tätigkeit vor allem als Motivator gefragt gewesen. Das gelang ihm gut, obwohl er weder Flämisch noch Niederländisch sprechen kann. Er redet Englisch mit seinen Assistenten und den Spielern, von denen er schwärmt. "Die Mannschaft hat viel Potenzial. Hier ist etwas Großes möglich", sagt Daum, "ob es schon in dieser Saison zu einem Titel reicht, wird man sehen. Aber der Optimismus ist da und auch berechtigt."

Am Ende der Saison spielen die Vereine auf den Plätzen eins bis sechs in Play-off um den Titel, in dem sie mit der Hälfte der in der Saison erreichten Punkte starten. Zum Auftakt des 19. Spieltags gewann Daum mit seinem Team zu Hause gegen den SV Zulte-Waregem dank eines Treffers von Björn Vleminckx (45.) mit 1:0 (1:0) und festigte mit 37 Zählern Tabellenplatz drei. Die Spitze übernahm KAA Gent mit einem 3:1 (0:1) gegen KVC Westerlo vor dem mit 39 Zählern punktgleichen RSC Anderlecht, der erst am Dienstag (20 Uhr) beim Aufsteiger RAEC Mons antritt.

Daum genießt die Arbeit bei seinem neuen Klub. Derzeit wohnt er noch in einem Hotel, in dem er auch Heiligabend verbracht hat. Vormittags hatte er mit den Spielern noch für das Spiel gegen Zulte-Waregem trainiert, abends saß Daum mit der Familie zusammen, die aus Köln angereist war. "Es war mal eine ganz neue Erfahrung zum Weihnachtsfest. Aber das hatte auch was. Hauptsache wir waren zusammen."

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