Paris St. Germain

Beckham soll für Glamour, Tevez für Erfolg sorgen

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Anja Schramm

Foto: dpa

Der mit vielen Millionen geförderte Verein Paris St. Germain blamiert sich in der Europa League. Nun sollen Neuverpflichtungen für Erfolg und Glamour sorgen.

Natürlich bemühten die Pariser Kluboberen den üblichen Duktus, von „großer Enttäuschung“ etwa sprach Trainer Antoine Kombouare. Was sollte er auch anderes sagen? Aus in der Europa League, nur Dritter in der Vorrundengruppe F, hinter Bilbao und Salzburg, trotz des abschließenden 4:2 gegen die Spanier .

Es war so etwas wie die erste Ohrfeige für das Projekt, das im Sommer unter äußerst ambitionierten Titeln gestartet ist. „Französische Revolution“ schrieb die „Gazzetta dello Sport“ über die neuen Verhältnisse bei Paris St. Germain, „Klub der Neureichen“, titelte der „Guardian“, „Frankreichs Manchester City“, nannte ihn Arsene Wenger, Arsenals Trainer.

Nun ist die Europa League, jener unterklassige internationale Wettbewerb, sowieso weit entfernt vom neuen Pariser Selbstverständnis, vielleicht hatte die Desillusion auch deshalb lediglich flüchtigen Charakter.

Erst in Frankreich wieder ganz oben stehen, „das nächste Ziel ist dann die Spitze Europas, die Champions League“, mit diesen markigen Worten hatte im Mai das Qatar Sports Investment 70 Prozent der Anteile von PSG übernommen. Die Gruppe gehört Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, dem Kronprinzen von Katar.

Als er im Sommer einstieg, installierte er Leonardo, den smarten Brasilianer mit internationaler Vita, als Sportdirektor, stattete ihn nicht nur mit reichlich Befugnissen, sondern vor allem auch mit üppigen finanziellen Mitteln aus. Und so begann, Financial Fairplay hin oder her, eine für französische Verhältnisse bislang einzigartige Shoppingtour .

86 Millionen Euro investiert

Für 42 Millionen Euro wurde Javier Pastore aus Palermo geholt, für weitere elf Millionen Kevin Gameiro aus Lorient. Am Ende stand auf der Ausgabenliste ein Sümmchen von 86 Millionen Euro.

Große Namen gleich großer Erfolg, mit jener einfachen Rechnung soll das Projekt gelingen, ähnlich dem von Manchester City. Erfolg benötige Zeit, mahnen die Kritiker. In der Liga aber läuft es zumindest nach Plan. Punktgleich mit Tabellenführer Montpellier sind die Pariser auf Rang zwei notiert.

Dennoch muss Trainer Kombouare um seinen Job fürchten. Auch auf der Position hätte Leonardo gern einen Mann mit internationaler Reputation. Bei Guus Hiddink und Rafael Benitez hatte er angefragt, das alles drang an die Öffentlichkeit, auch das anhaltende Werben um Carlo Ancelotti. „Kombouare macht einen guten Job. Ich verstehe das nicht, wir sind Zweiter, nicht Letzter“, sagt Gameiro. Der Klub aber soll künftig Glamour und internationalen Erfolg vereinen.

Luxus-Immobilie für Beckham

So passt es ins Bild, dass PSG sich ausgerechnet des in die Jahre gekommenen David Beckham (36) bedient. Im Januar soll er nach Paris kommen. Noch ist es nicht offiziell, auch wenn Pariser Zeitungen bereits über luxuriöse Immobilien berichten, die der Verein für die Beckhams erworben habe.

Ein zweistelliges Millionengehalt für einen Vertrag bis Juni 2013 ist eingeplant, um Beckham zum Teil des Projektes zu machen. Doch nicht alle Angestellten befürworten seine Verpflichtung. „Beckham wird gut für unser Image sein, aber auf dem Feld…“, maulte etwa Verteidiger Sylvain Armand.

Damit wird sich Armand wohl oder übel arrangieren müssen, ebenso damit, dass bald weitere Stars bei den täglichen Übungseinheiten auftauchen. Carlos Tevez etwa, bei Manchester City Persona non grata, würde Leonardo liebend gerne verpflichten.

Geld oder sportlicher Erfolg

Tevez sei sich mit dem AC Mailand einig, hieß es jüngst noch, doch PSG soll nun 28 Millionen Euro Ablöse und dem Argentinier ein Nettogehalt von sechs Millionen pro Jahr in Aussicht gestellt haben.

Wie das Projekt PSG noch unter den Großen Europas gesehen wird, macht ein Satz von Silvio Berlusconi deutlich, mit dem Mailands Eigner Tevez die Vorzüge seines Klubs schmackhaft machen wollte: Tevez, so sagte er, müsse sich entscheiden, Geld oder sportlicher Erfolg.

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