Klub-WM

Spaniens Rekordtorschütze Villa bricht sich Schienbein

Der spanische Welt- und Europameister David Villa hat sich bei der Klub-WM schwer verletzt. Für den Stürmer des FC Barcelona ist die EM-Teilnahme in Gefahr.

Foto: dpa/DPA

David Villa sank im Nissan Stadium von Yokohama auf den Rasen, das Gesicht verzerrt vor Schmerz, Unglaube, Entsetzen. Keine 20 Minuten dauerte es dann, bis Kommentator Manuel Carre o den spanischen Fans während der Live-Übertragung bei Cuatro TV die schlimme Nachricht überbrachte.

Villa, Weltmeister, Europameister und Rekordschütze der spanischen Nationalmannschaft, hat im Halbfinale der Klub-WM zwischen dem FC Barcelona und Al-Sadd (4:0) einen Schienbeinbruch erlitten. Seine EM-Teilnahme ist in Gefahr, sie ist sogar unwahrscheinlich - das war spätestens nach der quälenden Zeitlupe klar.

Villa hofft

Doch noch hat Villa Hoffnung. „Ich hoffe, dass es weniger als sechs Monate dauert - und dass ich trotzdem zur EM fahren kann“, sagte er einem befreundeten Journalisten von Cuatro TV. Nationaltrainer Vicente del Bosque bezeichnete die Verletzung zwar als „fatal“, wollte seinen Torjäger aber nicht abschreiben. „Es ist eine ganz schlechte Nachricht, besonders im Hinblick auf die EM 2012. Aber: Einige Brüche heilen schneller, bei anderen dauert es länger.“

Die Medien zeigten sich mehrheitlich pessimistisch. „Villa verabschiedet sich schon fast von der EURO“, schrieb die Sportzeitung Marca auf ihrer Internetseite, während Villa (30) im Krankenhaus Rosa noch dabei war, den Schock zu verarbeiten.

Vier Monate wird der Bruch des linken Schienbeins mindestens nach sich ziehen, vielleicht sogar sechs - die EM in Polen und der Ukraine beginnt am 8. Juni 2012, in rund sieben Monaten. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, den das „Wunder“ (Spitzname „Villa Maravilla“) kaum gewinnen kann.

"Ein schwerer Schlag"

„Er tut uns sehr leid“, sagte Barca-Trainer Pep Guardiola, „das ist ein schwerer Schlag. Alle Spieler machen sich große Sorgen um David. Hoffentlich kommt er so schnell wie möglich zurück. Wir sind mit unseren Gedanken bei ihm.“ Villa werde in Kürze nach Barcelona reisen und sich operieren lassen.

Der Asturier, Schütze von 51 Toren in 82 Länderspielen, derjenige, der den großen Raul (44 Tore) überflügelte, ist besonders für die Nationalmannschaft ein allzu schmerzlicher Verlust.

Fünf Tore erzielte Villa auf dem Weg zum ersten WM-Titel der „Furia Roja“, darunter spielentscheidende im Achtelfinale gegen Portugal und im Viertelfinale gegen Paraguay (beide 1:0). Bei der EM 2008 genügten Villa vier Vorrundentreffer, um Torschützenkönig zu werden. Bei beiden Turnieren führte der Weg zum Titel über die deutsche Elf.

Kompliment von Torres

Sein Nationalmannschaftskollege Fernando Torres hat Villa einmal ein Kompliment ausgesprochen, das Bände spricht. „Er trifft einfach immer. Die Bälle fallen ihm vor die Füße“, sagte Torres. Denn „El Guaje“, das Kind, wie Villa auch genannt wird, ist weder Dribbelwunder noch Kopfball-Monster.

Er ist einfach da, wenn er da sein muss. Ein Eisblock. „Er ist ein Spieler, den wir alle unbedingt brauchen“, sagte deshalb Thiago Alcantara, ebenfalls ein spanischer Nationalspieler in Diensten Barcelonas, am Donnerstag.

40 Millionen Euro überwiesen die Katalanen für die Dienste des Torjägers, der als erster Spanier in vier aufeinanderfolgenden WM-Spielen traf, 2010 an den FC Valencia. „Ein Schnäppchen“, sagte Barcelonas damaliger Präsident Joan Laporta kurz darauf bereits: „Jetzt würde Villa 20 Millionen mehr kosten.“ In den vergangenen Wochen saß Villa, der vor kurzem bereits mit einer Blessur am Schienbein zu kämpfen hatte, aber meist auf der Bank.

Finale gegen FC Santos

Beinah wäre es gar nichts geworden mit einer großen Karriere - Villa war zehn Jahre alt, als bei einem Jugendspiel ein Gegner auf seinen Oberschenkel krachte. Die Folge war ein äußerst komplizierter Bruch, der kleine David lag 40 Tage im Krankenhaus, und der behandelnde Arzt befürchtete das Schlimmste. „Ich dachte an eine Amputation“, sagte Dionisio Cuetos. Doch er rettete das Bein, es ist seitdem zwei Zentimeter kürzer.

Villa ließ sich auf dem Weg nach oben davon bekanntlich nicht aufhalten. Ganz im Gegenteil: Es machte ihn noch stärker. „Man muss erst leiden, bevor man etwas erreichen kann“, sagte er einst. Vielleicht hat er sich am Mittwoch daran erinnert.

Im Finale am Sonntag in Yokohama (11.30 Uhr/Eurosport) trifft Barca, Klub-WM-Gewinner in seinem Sechs-Titel-Jahr 2009, auf den FC Santos mit Brasiliens Jungstar Neymar. Santos hatte den japanischen Klub Kashiwa Reysol mit 3:1 ausgeschaltet. Die beiden Weltpokalsiege der Brasilianer liegen weit zurück: 1962 und '63 - angeführt von der Legende Pele.

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