Fifa prüft kuriosen Plan

Brasilien will WM-Tickets gegen Waffen tauschen

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Sven Flohr

Foto: dpa/DPA

Eine Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien kann eigentlich nur ein großes Fest werden. Wären da nicht die Sorgen um die Sicherheit der Besucher.

Brasilien hat große Probleme mit Bandenkriegen und einem allzu lockeren Umgang mit Schusswaffen. Laut einer UN-Studie wurden in dem 195-Millionen-Einwohnerland im vergangenen Jahr 43.909 Menschen getötet. Mehr Morde seien in keinem anderen Land der Welt geschehen.

Nun wollen die Behörden die Weltmeisterschaft 2014 nutzen, um Teile der Bevölkerung zu entwaffnen. Der Weltverband Fifa prüft derzeit einen Plan, nach dem Feuerwaffen gegen kostenlose oder stark rabattierte Tickets eingetauscht werden können.

Die Idee ist Teil des sogenannten „Weltmeisterschaft-Gesetzes“, das derzeit in der Hauptstadt Brasilia auf den Weg gebracht wird. Demnach sollen aus den eingesammelten Waffen Torpfosten gebaut werden, die dann während der WM und bei Fifa-Veranstaltungen rund um die Welt eingesetzt werden sollen.

"Für eine Welt ohne Waffen"

„Die Sterberaten durch Feuerwaffen sind in Brasilien sehr hoch“, sagte Cilma Azevedo, Sprecher einer großen Organisation, die sich für die Entwaffnung der Bevölkerung einsetzt: „Fußball ist eine große Plattform und kann die Menschen mobilisieren.“

Ein Mitglied der demokratischen Partei machte zudem den Vorschlag, der Weltmeisterschaft einen neuen Claim zu verpassen: „Für eine Welt ohne Waffen.“

Wie bei vielen schönen Ideen, stellt sich aber auch hier die Frage nach der Umsetzbarkeit. Zum einen müsste die Fifa auf Teile ihrer geliebten Einnahmen verzichten. Zum anderen sind in Brasilien nach Schätzungen etwa 20 Millionen Waffen in Umlauf, wovon sich rund 80 Prozent in Privatbesitz befinden.

Tickets für 13 Euro

So bemerkte Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke: „Leider gibt es in Brasilien wohl so viele Waffen, dass wir kaum ausreichend Karten zur Verfügung haben dürften.“

Eine Lösung könnte laut der Planer sein, neben Tickets auch T-Shirts oder Bälle als Tauschware anzubieten. Die günstigste Karte für ein WM-Spiel soll 13 Euro kosten.

Bereits im Mai wurde eine landesweite Anti-Waffen-Kampagne ausgerufen. Damals hatte ein Junge in seiner ehemaligen Grundschule ein Massaker mit zwölf Toten angerichtet. Mehr als 20.000 Waffen wurden seitdem gegen Bares (65 bis 300 Dollar) eingereicht. Oft sind es Frauen, welche die Pistolen ihrer männlichen Angehörigen abgeben.

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