Zagreb verliert 1:7

Lyons unglaubliche Heldentat und Vidas Daumengeste

Verräterisches Augenzwinkern und ein passiver Torwart: Lyon erreicht durch ein 7:1 in Zagreb die K.o.-Runde – und ärgert sich über den Betrugsverdacht.

Foto: Sreenshot / Sreenshot/.

Nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale dank eines umstrittenen 7:1-Sieges bei Dinamo Zagreb wehrt sich Olympique Lyon gegen den Betrugsverdacht . Der französische Klub „bedauert, dass die Kommentare sich nicht auf den sportlichen Teil einer unglaublichen Heldentat beschränken, die sowohl Olympique Lyon als auch der französische Fußball vollbracht haben“, heißt es in einem am Donnerstag verbreiteten Kommuniqué des Vereins.

Die französische Wettkontrollbehörde hat das Champions-League-Spiel zwischen Dinamo Zagreb und Olympique Lyon (1:7) wegen Anzeichen einer Wettmanipulation untersucht, ist aber nicht fündig geworden. Es seien bei einer Analyse der Wettbewegungen im Laufe des Donnerstags „keinerlei Unregelmäßigkeiten“ festgestellt worden, teilte die Behörde mit. Lyon begrüßte die Untersuchung ausdrücklich: „Der Verein stimmt dieser Aktion, die wegen eines untypischen Ergebnisses eingeleitet wurde, völlig zu“, so der Klub. Auch Zagreb wehrte sich in einem Statement auf der Klub-Homepage gegen die Vorwürfe.

Die Uefa schließt Ermittlungen wegen des Verdachts der Manipulation nicht aus. „Wir werten jedes Spiel genau aus, das gilt auch für das Spiel in Zagreb“, sagte eine Uefa-Sprecherin. Derzeit warte die Uefa auf die Berichte des Schiedsrichters, des Schiedsrichterbeobachters und der Spieldelegation. Weitergehende Ermittlungen würden eingeleitet, falls sich aus den Berichten Verdachtsmomente ergäben. „Momentan haben wir aber keine Anzeichen für eine Manipulation, auch bei den Sportwettanbietern gab es keine Auffälligkeiten“, hieß es von der Uefa. Deshalb gebe es aktuell noch keinen Anlass für disziplinarische Untersuchungen.

Uefa-Präsident Michel Platini sieht derzeit keinen Grund für einen Verdacht auf Manipulationen. „Ich habe keine Zweifel am korrekten Ablauf des Spiels“, sagte der Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am Donnerstagabend nach einer Sitzung des Exekutivkomitees.

Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas warf den spanischen Medien vor, die Betrugsgerüchte aus Rache in Gang gesetzt zu haben. „Das ist eine Antwort der spanischen Medien auf die von (Ex-Tennis-Star) Yannick Noah angezettelte Doping-Polemik“, sagte Aulas im Gespräch mit dem Radiosender Europe 1. Man dürfe sich nicht „völlig unmögliche Sachen vorstellen (...) Ich glaube, das ist vonseiten der Spanier kein Fair Play“, fügte Aulas an. Der Franzose Noah hatte jüngst mit pauschalen Dopingvorwürfen gegen den spanischen Sport und der Forderung nach einer Freigabe verbotener Mittel Empörung ausgelöst.

Die spanische Sporttageszeitung "Marca" zweifelte an der Rechtmäßigkeit des Sieges. "Ein ganz, ganz komisches Spiel. Dieses Video sollte sich die Uefa genau anschauen", hieß es in dem Blatt. Es sei offensichtlich, dass sich Zagrebs Torwart Ivan Kelava bei den sechs Gegentoren in der zweiten Halbzeit sehr passiv verhalten habe.

Und die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" verwies auf eine von TV-Kameras eingefangene Szene aus der 64. Minute. Nach dem 5:1 für Lyon zwinkert Zagrebs Verteidiger Domagoj Vida Stürmer Bafetimbi Gomis zu und hebt dabei den Daumen. Auch der frühere Schalker Youri Mulder, heute als TV-Experte im Einsatz, schloss Manipulation nicht aus. "Ein 7:1 kommt auf diesem Niveau normalerweise nicht vor. Die Uefa muss die Sache untersuchen. Falls da etwas faul war, muss es harte Konsequenzen geben", forderte Ajax-Trainer Frank de Boer.

Am Donnerstag forderte Ajax die Uefa offiziell zu einer Untersuchung auf. „Wir haben in einem Brief an die Uefa um eine Untersuchung gebeten. Wir erwarten zumindest eine klare Antwort“, wurde Ajax-Direktor Martin Sturkenboom am Donnerstag auf der Website des Klubs zitiert. „Nicht zu tun, ist keine Option.“

Nach dem 0:3 von Ajax Amsterdam gegen Real Madrid, bei dem zwei offenbar reguläre Ajax-Tore aberkannt wurden, und dem 7:1 von Lyon in Zagreb haben die Franzosen den niederländischen Rekordmeister dank der Tordifferenz abgefangen und das Achtelfinale erreicht.

In Kroatien hatte die Niederlage unmittelbare Konsequenzen. Zagreb-Trainer Krunoslav Jurcic wurde noch in der Nacht entlassen. Seine Mannschaft hat die Gruppenphase als Letzter, ohne Punktgewinn und mit 3:22 Toren beendet und darf damit nicht einmal in der Europa League weiterspielen. „Der Vorstand hat sich direkt nach dem Abpfiff zusammengesetzt und beschlossen, dass wir uns trennen. Das war ein beschämendes Ende“, sagte Dinamo-Geschäftsführer Zdravko Mamic: „Wir hatten langfristige Pläne mit Jurcic, aber diese Niederlage ist schwer zu verkraften.“

Die Torfolge am Mittwochabend in Zagreb: 1:0 Kovacic (41.), 1:1 Gomis (45.), 1:2 Gonalons (48.), 1:3 Gomis (49.), 1:4 Gomis (52.), 1:5 Lisandro (65.), 1:6 Gomis (70.), 1:7 Briand (76.).