Champions League

Zagrebs 1:7 gegen Lyon unter Manipulationsverdacht

Durch das 7:1 bei Dinamo Zagreb qualifizierte sich Olympique Lyon für das Achtelfinale der Champions League. Nun untersucht die Uefa eine mögliche Manipulation.

Foto: Sreenshot / Sreenshot/.

Die französische Wettkontrollbehörde sieht anscheinend Anzeichen für eine Manipulation des Champions-League-Spiels zwischen Dinamo Zagreb und Olympique Lyon (1:7) am Mittwoch und hat daher Untersuchungen eingeleitet. Wetten auf dieses Spiel würden derzeit "überprüft", sagte ein Sprecher.

Die Uefa sieht hingegen keine Veranlassung, eine Untersuchung einzuleiten. Irreguläre Wettmuster seien nicht festgestellt worden, hieß es in einer Stellungnahme der Europäischen Fußball-Union.

Der kroatische Serienmeister Zagreb hatte am Mittwochabend bis zur 45. Minute 1:0 geführt, dann wurde er von Lyon überrollt. Stürmer Bafetimbi Gomis gelang der schnellste Dreierpack der Champions-League-Historie, insgesamt traf der französische Nationalspieler viermal.

Die zweite Halbzeit endete aus Lyoner Sicht 6:0 – und das in Zagrebs Maksimir-Stadion. Olympique schaffte es mit dem Kantersieg doch noch ins Achtelfinale; vor dem letzten Gruppenspiel hatte "OL" drei Punkte und sieben Tore (!) hinter Ajax Amsterdam (0:3 gegen Real Madrid) gelegen.

Die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" verweist auf eine von TV-Kameras eingefangene Szene aus der 64. Minute. Nach dem 5:1 für Lyon zwinkert Zagrebs Verteidiger Domagoj Vida Stürmer Bafetimbi Gomis zu und hebt dabei den Daumen.

Auch der frühere Schalker Youri Mulder, heute als TV-Experte im Einsatz, schloss Manipulation nicht aus. "Ein 7:1 kommt auf diesem Niveau normalerweise nicht vor. Die Uefa muss die Sache untersuchen. Falls da etwas faul war, muss es harte Konsequenzen geben", forderte Ajax-Trainer Frank de Boer.

Die französische Glücksspielaufsicht (ARJEL) prüfte am Donnerstag bereits die Bewegungen auf dem Wettmarkt. Die ARJEL teilte mit, dass dies "ein normaler Vorgang bei einem ungewöhnlichen Ergebnis in einem Sportwettbewerb" ist. Erste Ergebnisse der Untersuchung werden nach Auskunft des Sprechers am späten Donnerstagnachmittag erwartet.

Auch die spanische Sporttageszeitung "Marca" zweifelte an der Rechtmäßigkeit des Sieges. "Ein ganz, ganz komisches Spiel. Dieses Video sollte sich die Uefa genau anschauen", hieß es in dem Blatt. Es sei offensichtlich, dass sich Zagrebs Torwart Ivan Kelava bei den sechs Gegentoren in der zweiten Halbzeit sehr passiv verhalten habe.

Bei Dinamo führte eine der höchsten Pleiten in der Geschichte der Königsklasse zur Entlassung von Trainer Krunoslav Jurcic. Noch in der Nacht musste der Ex-Nationalspieler und WM-Dritte von 1998 seinen Hut nehmen, obwohl er in der kroatischen Liga mit Dinamo auf dem Weg zum siebten Meistertitel in Serie ist.

"Der Vereinsvorstand hat sich direkt nach dem Abpfiff zusammengesetzt und beschlossen, dass wir uns trennen. Das war ein beschämendes Ende unserer Ambitionen in Europa", sagte Dinamo-Geschäftsführer Zdravko Mamic: "Wir hatten langfristige Pläne mit Jurcic, aber diese Niederlage ist schwer zu verdauen."

Zagreb hatte die Gruppenphase ohne Punkt und mit 3:22 Toren aus sechs Spielen als Letzter beendet und darf damit auch nicht in der Europa League weiterspielen.

Die Torfolge am Mittwochabend in Zagreb: 1:0 Kovacic (41.), 1:1 Gomis (45.), 1:2 Gonalons (48.), 1:3 Gomis (49.), 1:4 Gomis (52.), 1:5 Lisandro (65.), 1:6 Gomis (70.), 1:7 Briand (76.).