Champions League

Dank Apoel Nikosia ist Zypern so gut wie England

Mit einem Mini-Etat und klangvollen Namen wie Ailton und Kaka hat es Apoel Nikosia als erstes Team aus Zypern ins Achtelfinale der Champions League geschafft.

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Herzlich egal war es Ivan Jovanovic, dass das gar nicht als Kompliment an seine Adresse gedacht war, sondern vordergründig als Schelte an der eigenen Mannschaft. „Im Moment sind wir nicht besser als Zypern“, hatten Englands Medien jüngst geschrieben.

Es ging um die Champions League vor dem abschließenden Vorrundenspieltag und darum, dass sich mit dem FC Arsenal erst ein englisches Team qualifiziert hat, genauso wie Zyperns Meister Apoel Nikosia eben. Das konnte nun so oder so aufgefasst werden.

Für Jovanovic, den Trainer von Apoel, war die Deutungsrichtung klar. „Wir so gut wie England? Okay“, sagte er. Und: „Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme, aber eine außerordentlich bezaubernde.“

Während Chelsea und die beiden Klubs aus Manchester Dienstag und Mittwoch um den Verbleib in der Königsklasse kämpfen müssen, geht es für Apoel gegen Donezk nur noch darum, ob der Verein nun als Gruppensieger oder -zweiter in die K.o.-Runde einzieht. Barcelona oder AC Mailand, wer soll es dann im Achtelfinale sein? Solche Fragen werden ihnen gestellt. „Wir nehmen alles“, antwortet Jovanovic.

Es hat etwas von verklärter Fußballromantik, dass eine Mannschaft, deren Marktwert auf insgesamt nicht mal 20 Millionen Euro geschätzt wird, zu den besten 16 Klubs Europas gehört, als erster Verein in der Geschichte Zyperns.

Ein Produkt zufälliger Episoden

Nun kennen sie die Einwände in Nikosia: Die Gruppe G sei eine sportlich doch äußerst limitierte, weil neben Apoel mit dem FC Porto, Zenit St. Petersburg und Schachtjor Donezk zwar renommiertere Klubs, aber nur mäßig erprobtes Champions-League-Personal zusammengelost wurde; es ist, übrigens die einzige Gruppe, in der nur Landesmeister vertreten sind.

Nun mag Apoel so etwas wie die Überraschungsmannschaft der Saison sein, doch der Erfolg ist Produkt zufälliger Episoden. Vor drei Jahren begann die zweite Amtszeit des Serben Jovanovic, der es in Griechenland und Zypern zu allgemeiner Bekanntheit geschafft hatte, darüber hinaus aber bislang nur wenig beachtet wurde. Sein taktisches Konstrukt lässt sich leicht umschreiben. Kompakt verteidigen, viel laufen, blitzartig umschalten und schnell kontern.

Fünf Mal in Folge unbesiegt

Das Verdienst des Trainers aber ist seine Umtriebigkeit auf dem Transfermarkt. Von größeren Klubs übersehene Brasilianer und Portugiesen lotste er nach Zypern. Sie tragen so glanzvolle Namen wie Ailton oder Kaka, nur sind sie eben nicht die Originale. „Unsere Vielfalt im Kader macht uns unberechenbar“, sagt Jovanovic.

Als Apoel vor zwei Wochen durch ein 0:0 in St. Petersburg zum fünften Mal in Folge unbesiegt blieb und damit ins Achtelfinale einzog, sprach auf einmal ganz Europa über die Kicker von der Ferieninsel. Und in Nikosia feierten sie ihre historische Tat. Kein Wunder, das einzig Erwähnenswerte war zuvor aus dem Jahr 1964 datiert, ein 1:16 gegen Sporting Lissabon, die höchste Niederlage in der Europapokalgeschichte.

Auf Linie getrimmt

Wer einen Klub wie Apoel verstehen will, muss die Spaltung der Insel verstehen, sagen sie in Nikosia, der politisch zerrissenen Hauptstadt. Apoel ist nicht nur ein einfacher Fußballverein mit reichlich fanatischen Anhängern, deren Ultras bisweilen auch vor rassistischer Symbolik nicht zurückschrecken.

Apoel versteht sich als Repräsentant der Idee von der griechischen Identität Zyperns. 1926 gegründet, sympathisierte der Klub während des griechischen Bürgerkrieges mit den rechten Kräften. Und auch jetzt gilt er als der sportliche Stolz des stramm konservativen Establishments.

Dass kaum ein Zyprer in der Startformation steht, mag dabei wie Zynismus erscheinen. Doch auch der Rest ist auf Linie getrimmt. Nach dem 2:1 über den FC Porto tönte etwa der Brasilianer Ailton: „Wir sind stolz auf uns, den Klub und vor allem auf Zypern.“