Brasilien

Ronaldo erklärt Endrunde 2014 zur Volks-WM

Nur noch zweieinhalb Jahre: Mit WM-Rekordtorjäger Ronaldo als Aushängeschild soll die Vorbereitung auf die WM-Endrunde 2014 in Brasilien an Schwung gewinnen.

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Der Amtstitel klingt nach Langeweile, die genauen Tätigkeiten sind noch nicht definiert, doch Brasiliens Fußball-Legende Ronaldo präsentiert sich als neues Mitglied im Verwaltungsrat des Lokalen Organisationskomitees (LOC) für die WM-Endrunde 2014 gewohnt offensiv.

"Ich kann bei der Sache nichts gewinnen, nur alles verlieren", begann der 35-Jährige seine Antrittsrede und schob mit Pathos in der Stimme hinterher. "Dann habe ich an das Volk gedacht, an die Freuden, die ich ihm geschenkt habe, und entschieden, mich der Aufgabe zu stellen."

Schutzschild für Verbandspräsident Ricardo Teixeira

Zuvor hatte der umstrittene LOC-Chef Ricardo Teixeira den WM-Rekordtorjäger als "perfekte Stimme für den Moment der Aussöhnung" vorgestellt. Statt, wie zunächst spekuliert, den Chefsessel in der WM-Schaltzentrale zu räumen, schuf sich der allmächtige Funktionär, der parallel den nationalen Verband CBF führt, mit diesem Manöver ein eigenes Schutzschild gegen Kritik und schlechte Stimmung.

Teixeira befindet sich auf Konfrontationskurs mit Weltverbandspräsident Joseph S. Blatter, Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff und Idolen wie Pele, Zico und Romario. Zudem sieht er sich immer wiederkehrenden Korruptionsvorwürfen im Schmiergeldskandal des einstigen Fifa-Marketingpartners ISL ausgesetzt. Darüber hinaus werden immer wieder Zweifel daran laut, ob Brasilien die WM überhaupt organisatorisch stemmen kann.

Teixeira brauchte eine Lichtgestalt, die glaubwürdig beruhigen und von den Problemen ein bisschen ablenken kann. Schon fast symbolisch überließ der 64-Jährige dann auch bei der Präsentation Ronaldo den einzigen Stuhl am Rednertisch und zog sich, ohne Fragen zuzulassen, hinter das Bühnenbild zurück.


"Diese WM gehört nicht der Fifa"

Zweifel ausräumen und Personen wieder zueinander führen, dies seien seine Hauptaufgaben, erklärte Ronaldo, der zugleich klarstellte: "Diese WM gehört nicht der Fifa, nicht dem LOC und auch nicht der Regierung. Sie ist vom Volk." Und weil er sich diesem verpflichtet fühle, würde er auch auf ein Gehalt verzichten.

Seiner Arbeit als Chef einer Sportmarketingagentur, die unter anderem lukrative Werbeverträge für die Selecao-Stars Neymar, Lucas und Leandro Damiao abgeschlossen hat und zu deren Klienten Konkurrenten der WM-Sponsoren gehören, wird er jedoch weiter nachgehen. Mehr Einfluss durch das neue Amt oder einen Interessenskonflikt schloss er aus. "Ohne falsche Bescheidenheit, es gab und gibt keine Tür, die sich nicht öffnet, wenn ich daran klopfe", so Ronaldo, der den Brasilianern schon einmal verbilligte Eintrittskarten versprach.


300.000 Tickets zu Volkspreisen

Ronaldo gab bekannt, dass für das Turnier rund 300.000 Tickets zu "Volkspreisen" nach dem Vorbild der WM 2010 auf den Markt kämen. In Südafrika lag der Ticketpreis der sogenannten Kategorie 4 bei umgerechnet 13 Euro.

Neben dem zweimaligen Weltmeister Ronaldo und Teixeira wird eine noch nicht genannte dritte Person den neuen LOC-Verwaltungsrat bilden. Und dessen Aufgabe sei, so der einstige Weltklassestürmer, "die Brasilianer mit dem größten Ereignis aller Zeiten stolz zu machen." Eine "phänomenale Herausforderung" titelte dann auch O Globo in Anlehnung an Ronaldos Spitznamen "Fenomeno".