Vergewaltigungsvorwurf

Ex-Herthaner Marcelinho droht Gefängnisstrafe

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Solveig Flörke

Foto: AFP

Der brasilianische Profi-Fußballer Marcelinho soll bei der Wiederaufstiegsparty von Sport Recife eine Frau an den Haaren gezogen, geküsst und ihr in die Lippe gebissen haben. Versuchte Vergewaltigung - die bisher schwerste Anschuldigung in seiner Karriere.

Es sah für den Ex-Hertha-Star Marcelinho nach richtig guten Zeiten aus. Mit seinem Klub Sport Recife hatte er Samstag durch ein 1:0 den Wiederaufstieg in die brasilianische Königs-Klasse geschafft. Das sollte gebührend gefeiert werden, mit einer großen Party auf dem Anwesen des Fußballers in Campina Grande, im brasilianischen Bundesstaat Paraíba.

Ausgerechnet hier kam es dann vermeintlich zum Eklat mit der bisher schwersten Anschuldigung in Marcelinhos Karriere: versuchte Vergewaltigung.

Fünf Stunden verbrachte der ehemalige Bundesliga-Liebling im Gefängnis, nachdem er eine 31-Jährige, die ebenfalls zur Feier eingeladen war, gezwungen haben soll, ihn zu küssen. Am Mittwoch durfte Marcelinho das Präsidium do Serrotão in Campina Grande gegen 17.15 Uhr Ortszeit vorläufig wieder verlassen. Die Ermittlungen gegen ihn gehen jedoch weiter. Der Verdächtige beteuert seine Unschuld.

Drei weitere Männer verhaftet

Marcelinho Paraíba, wie er in seiner Heimat genannt wird, steht mal wieder in den Schlagzeilen. Die Beschuldigung, die 31-jährige Schwester des örtlichen Polizeichefs vergewaltigt zu haben, steht im Raum.

Sowohl die junge Frau als auch ihr Bruder waren geladene Gäste der Party im Hause Marcelinho. Im Laufe des Abends soll der Brasilianer, der insgesamt 205 Bundesligaspiele (77 Tore) für Hertha BSC und Wolfsburg (2007/2008) bestritten hat, die fünf Jahre jüngere Frau an den Haaren gezogen, geküsst und ihr in die Lippe gebissen haben.

Wegen Wunden an der Lippe wurde sie ins Krankenhaus gebracht. Der Polizeikommissar Fernando Zoccola stellte daraufhin klar, dass es nicht zum erzwungenen Geschlechtsakt kommen müsse, um zu heftigen Gefängnisstrafen verurteilt werden zu können.

Neben Marcelinho wurden noch drei weitere Männer von der sofort alarmierten Polizei verhaftet, aber mittlerweile auch wieder entlassen, nachdem sie eine Geldstrafe von umgerechnet 400 Euro gezahlt hatten. Gegen sie wird wegen Beamtenbeleidigung ermittelt.

Polizist entlassen

Der Präsident von Sport Recife, Gustavo Dubeux, äußerte sich zu den neusten Turbulenzen um seinen Stammspieler: „Diese ganze Geschichte ändert überhaupt nichts daran, dass Marcelinho weiter ein wichtiger Bestandteil in unserem Team bleibt.“

Ein schnelles Urteil fällte auch der Sicherheitssekretär des Staates Paraiba, Claudio Lima, der den Bruder des vermeintlichen Opfers, Rodrigo Pinheiro, umgehend aus seinen Verpflichtungen als Polizist entließ. Pinheiro hatte vor laufenden Kameras seine Waffe aus der Hosentasche gezogen und bedauert, Marcelinho damit nicht gleich eine Lektion erteilt zu haben.

Marcelinho gab zunächst keinen Kommentar ab. Er verließ das Präsidium in Begleitung von Bodyguards mit einem schwarzen Wagen und machte sich später auf den Weg zurück nach Recife. Dort erklärte er am Donnerstag, dass er unschuldig sei und kein Verhältnis oder Kontakt mit der Frau gehabt habe.

„Erst mal möchte ich mich bei allen Kindern und den Fans von Recife entschuldigen. Die Anschuldigungen sind nicht angebracht. Ich liebe meine Stadt und meine Familie und es gibt keinen Grund nicht dorthin zurückzugehen“, so Marcelinho sichtlich deprimiert und mitgenommen.

Marcelinho skandalerprobt

Dabei ist er eigentlich längst skandalerprobt. Im Februar 2002 wurde er mit 120 km/h auf dem Autotacho und 1,27 Promille im Blut gestoppt – Führerscheinentzug. Nur ein Jahr später feierte er nach einer 0:1-Pleite beim HSV bis fünf Uhr früh Karneval in Berlin, was ihm eine Geldstrafe von 20.000 Euro einbrachte.

Im Februar 2005 flog er mitten in der Saison nach Brasilien, weil er sich komplett verschuldet hatte. Damals sprang Hertha für seinen Superstar mit einem 250.000-Euro-Darlehen ein. Kurz darauf verpasste Marcelinho Arne Friedrich beim Spiel in Dortmund (1:2) einen Faustschlag.

Zu seinen Verbindlichkeiten kamen damit nochmals 5000 Euro Strafe hinzu. Es folgten Trainer-Beleidigungen und schließlich eine zehntägige Verspätung zum Training, die Marcelinho endgültig den Job bei Hertha kosteten.

Als er im März 2008 noch einmal nach Berlin kam, soll er in einer Charlottenburger Bar einem Gast eine Bierflasche über den Kopf geschlagen haben – wieder 10.000 Euro Strafe. Gelernt hat er aus den Sanktionen offenbar nichts. Auch wenn der neue Fall zweifelhaft ist, könnte er für Marcelinho sechs bis zehn Jahre Haft bedeuten – und das Karriereende.