Deutscher Fussball-Bund

Zwanziger zwischen schwarzen Schafen und Amerell

Der DFB steht wegen der Steueraffäre um die Schiedsrichter und dem Amerell-Fall in den Schlagzeilen. Trotzdem gibt sich Präsident Zwanziger gelassen.

Foto: Bongarts/Getty Images/Getty

Die Steueraffäre um die deutschen Spitzen-Referees schlägt weiter hohe Wellen, doch DFB-Präsident Theo Zwanziger bleibt vorerst gelassen: Trotz mindestens sieben schwarzer Schafe im nationalen Schiedsrichterwesen und des weiterhin dunklen Kapitels um Manfred Amerell glaubt Zwanziger weiter an eine rosige Fußball-Zukunft.

" Wir werden nächstes Jahr Europameister . Ich mache mir keine Sorgen um den Verband. Der DFB wird nicht zerbrechen", sagte der 66-Jährige am Donnerstag in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und zeigte sich im Dauer-Streit mit Amerell überraschend sogar ein wenig versöhnlich.

Zwar wird das vom DFB zunächst angebotene Mediationsverfahren zwischen dem früheren Schiedsrichter-Obmann Amerell , dessem einstigen Zögling Michael Kempter sowie Bischof Wolfgang Huber definitiv nicht stattfinden, einem gemeinsamen Gespräch mit Amerell ist Zwanziger aber offenbar nicht mehr abgeneigt.

Nicht der Feind von Amerell

"Ich bin nicht der Feind von Herrn Amerell . Und ich bin ihm auch nicht böse, dass er die Steuerverfahren gegen die Schiedsrichter eingeleitet hat. Ich kehre nichts unter den Teppich. Deshalb kann er jederzeit kommen und sich mit mir unterhalten", sagte Zwanziger, der offenbar weiteren Schaden vom Verband fernhalten will.

Allerdings betonte der DFB-Boss erneut, dass Amerell wegen des sexuellen Verhältnisses mit dem früheren Fifa-Referee Michael Kempter eine Amtsverletzung begangen habe. Und deshalb ja auch von allen DFB-Ämtern zurückgetreten sei.

"In dem Bereich war es etwas ganz anderes, als wenn zum Beispiel ein Oberstudienrat ein Verhältnis mit einer 19 Jahre alte Abiturientin hat. Denn die anderen Abiturienten können trotzdem ihr Abi machen und sind davon nicht beeinflusst. Bei den Schiedsrichtern ist der Flaschenhals indes viel kleiner, deshalb war es eine klare Amtspflichtverletzung", sagte Zwanziger, der die Causa Amerell für den DFB ohnehin als erledigt ansieht.

Verdacht der Steuerhinterziehung

Noch lange nicht beendet sind dagegen die Ermittlungen gegen insgesamt 70 Schiedsrichter wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Der DFB befragte über den Ombudsmann Rainer Domberg in den vergangenen Tagen insgesamt 49 der belasteten Referees.

42 Schiedsrichter gaben an, dass sie nicht Gegenstand von förmlichen Steuerverfahren sind. Sieben erklärten allerdings, dass sie davon ausgehen, dass sie Steuern nachzahlen müssten. Sollten die Rückzahlungen eine gewisse Größenordnung erreichen, werden diese sieben Schiedsrichter in der Rückrunde wohl keine Bundesligaspiele mehr pfeifen.

"Die Höhe der Strafe spielt die entscheidende Rolle für unsere Maßnahmen. Es gibt da eine Grenze. Und sollte eine gewisse Grenze überschritten worden sein, wird das für die Schiedsrichter natürlich auch klare Konsequenzen haben", sagte Zwanziger, der untermauerte, dass die Bundesliga-Referees in der Öffentlichkeit eine "exponierte Stellung" einnehmen und deshalb auch anders zu bewerten seien als der normale Bürger.

Zweite Chance verdient

Sollte sich herausstellen, dass die Angaben der Referees gegenüber der Schiedsrichter-Kommission und dem Ombudsmann nicht korrekt waren, werden sie voraussichtlich vorerst aus dem Verkehr gezogen. "Wenn die Schiedsrichter offen und ehrlich damit umgehen, haben sie eine zweite Chance verdient. Bei einer Freiheitsstrafe würde das aber schwierig", betonte der DFB-Präsident.

Zumindest wurden bereits erste Maßnahmen getroffen, um das einmal mehr ins Zwielicht geratene Schiedsrichterwesen in Zukunft besser kontrollieren zu können. So wird für Schiedsrichter und ihre Assistenten ab der kommenden Saison ein polizeiliches Führungszeugnis für einen Einsatz durch den DFB notwendig.

Auch die rechtliche Grundlage zwischen dem Verband und den selbstständigen Referees soll überprüft werden. Nichtsdestotrotz hat insbesondere der Chef der Schiedsrichter-Kommission, Herbert Fandel, weiterhin größtes Vertrauen in die deutschen Unparteiischen.

Ergebnisse abwarten

"Wir haben keinen Grund, an den Aussagen unserer Schiedsrichter zu zweifeln. Und wir werden Spekulationen jetzt auch nicht zum Maßstab unseres Handelns machen, sondern zunächst einmal die Ergebnisse der Überprüfungen durch die Steuerbehörden abwarten, bevor wir eine Bewertung vornehmen. Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, werden wir handeln", sagte Fandel.

Auf die Frage, ob er selbst Gegenstand der Ermittlungen sei, sagte der ehemalige Fifa-Referee: "Zu privaten Dingen äußere ich mich grundsätzlich nicht. Und ob ein Mitglied der Kommission betroffen ist, werde ich weder dementieren noch bestätigen."