Schiedsrichter-Streit

Präsident Zwanziger gewinnt Machtkampf beim DFB

Nach dessen Treffen mit Manfred Amerell konnte sich DFB-Präsident Theo Zwanziger keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinem Vize Rainer Koch mehr vorstellen.

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DFB-Chef Theo Zwanziger hat sich im Machtkampf mit seinem Vize-Präsidenten Rainer Koch durchgesetzt. Koch muss seine Zuständigkeit für "Rechts- und Satzungsfragen" im Deutschen Fußball-Bund (DFB) an Rolf Hocke abgeben. Er übernimmt dafür dessen Aufgabenbereich "Prävention, Integration, Freizeit- und Breitensport". "Die im Präsidium zwingend erforderliche und beiderseits gewünschte vertrauensvolle Zusammenarbeit" könne "durch einen Ressorttausch erleichtert und wiederhergestellt werden", schrieb der DFB am Montag in einer Pressemitteilung.

DFB-Vize Koch "bedauert" laut DFB-Mitteilung, Zwanziger nicht unmittelbar über das Treffen mit dem einstigen Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell informiert zu haben.

Beim Treffen zwischen Zwanziger und seinem Stellvertreter hatte der evangelische Bischof Wolfgang Huber vermittelt. Koch war schon im Zuge der Schiedsrichter-Affäre um Amerell und Michael Kempter als für die Referees zuständiges Präsidiumsmitglied abgesetzt worden.

Der 52 Jahre alte Jurist hatte sich mit Amerell getroffen, nachdem dieser die Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen zahlreiche Schiedsrichter ins Rollen gebracht hatte.

"Mit Blick auf den zeitlichen Zusammenhang der Durchsuchungsmaßnahmen der Steuerfahndung und seinem Zusammentreffen mit Manfred Amerell bedauert Rainer Koch, dass er den DFB-Präsidenten nicht unmittelbar und noch am gleichen Tag über dieses Gespräch informiert hat", hieß es in der DFB-Mitteilung. "Er entschuldigt sich für dieses Versäumnis."

Der Hickhack im Fall Manfred Amerell geht weiter: Der frühere Schiedsrichter-Obmann des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) machte am Montag überraschend einen Rückzieher und wird nun doch nicht am Mediationsverfahren teilnehmen. Grund dafür ist die wenige Stunden zuvor erfolgte Entschuldigung von "Vize" Rainer Koch bei DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Die unerwartete Rolle rückwärts von Koch stieß Amerell übel auf. "Verwundert über dieses fragwürdige demokratische Grundverständnis innerhalb des weltgrößten Sportfachverbandes der Welt lässt Manfred Amerell mitteilen, dass mit dieser Entwicklung dem von Dr. Rainer Koch ganz entscheidend vermittelten Mediationsverfahren jegliche Vertrauensgrundlage entzogen wurde und die zuletzt noch signalisierte Gesprächsbereitschaft mit Prof. Dr. Dr. Wolfgang Huber nunmehr nicht mehr besteht", teilte Amerell-Anwalt Jürgen Langer schriftlich mit.