Historisches Stadtduell

1:6 – Manchester United von City im Derby gedemütigt

In einem denkwürdigen Spiel blamiert Tabellenführer Manchester City Lokalrivale United vor dessen eigenen Fans und baut seinen Vorsprung aus.

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Mit einem historischen Sieg im 160. Stadtduell hat Manchester City die Machtverhältnisse im englischen Fußball auf den Kopf gestellt. Die Citizens fügten United im Old Trafford beim 6:1 (1:0) die höchste Heimniederlage in der Premier League und die höchste Heimpleite im Duell mit dem verhassten Rivalen seit fast 86 Jahren zu. An der Tabellenspitze hat City mit 25 Punkten aus neun Spielen jetzt fünf Zähler Vorsprung auf den englischen Rekordmeister.

Mit seinen Saisontoren vier und fünf (22., 60.) brachte Skandal-Profi Mario Balotelli City auf Kurs Derby-Sieg. Sergio Agüero erhöhte, ehe Darren Fletcher verkürzte (81.). Doch die eingewechselten Edin Dzeko (89./90.+4) und David Silva (90.) demütigten United mit weiteren Treffern. Am 23. Januar 1926 hatten die Red Devils ebenfalls 1:6 gegen City verloren.

United verlor zudem Jonny Evans nach einer Notbremse an Balotelli durch eine Rote Karte (47.). Für United war es die erste Pflichtspielniederlage in Old Trafford nach 37 Partien. Zudem ging für den Klub, der City stets nur belächelt hatte, eine Serie von 19 Heimsiegen in der Premier League zu Ende. Für City war es der zweite Sieg bei United seit 1974. Zuletzt war das am 10. Februar 2008 (2:1) gelungen.

"Gezeigt, wozu wir in der Lage sind"

„Schon ein Sieg hier ist ja unglaublich. Aber hierher zu kommen und 6:1 zu gewinnen, ist unglaublich. Sie haben uns immer als vorlaute Nachbarn geschmäht. Jetzt haben wir gezeigt, wozu wir in der Lage sind“, sagte Micah Richards.

Balotelli hatte im „Theater der Träume“ den Vorzug vor Dzeko erhalten, obwohl er zuvor mal wieder abseits des Platzes für Schlagzeilen gesorgt hatte. In der Nacht auf Samstag musste die Feuerwehr in seinem Haus einen Brand im Badezimmer im ersten Stock löschen, der von einem Feuerwerkskörper ausgelöst worden sein soll. Ob Balotelli dafür verantwortlich war, blieb zunächst offen. Wie Dzeko sah auch Nasri zunächst zu, immerhin der Topvorbereiter der Liga.

United-Teammanager Alex Ferguson baute wieder auf Wayne Rooney, dem er beim FC Liverpool zuletzt noch eine 70-minütige schöpferische Pause gegönnt hatte. Verzichten musste er auf den angeschlagenen Kapitän Nemanja Vidic, für den Evans verteidigte. Rooney zeigte sich früh. In der 19. Minute hätte er einen Foulelfmeter zugesprochen bekommen können, als ihn Vincent Kompany von hinten von den Beinen holte. Schiedsrichter Mark Clattenburg wertete das harte Einsteigen des früheren Hamburgers aber als zulässig.

Auf der Gegenseite traf City gleich mit dem ersten Torschuss, als Balotelli eine Flanke von James Milner mit einem Flachschuss aus 16 Metern in die rechte untere Torecke verwertete. Balotelli jubelte nicht. Er zog sich lediglich sein Trikot über den Kopf und zeigte ein himmelblaues Shirt mit der Aufschrift „Why always me?“ (Warum immer ich?). United wirkte von der Gäste-Führung mehr als beeindruckt. Abgesehen von zwei Distanzschüssen von Anderson (34.) und Rooney (36.) brachte der Favorit bis zur Pause nichts mehr zustande.

Zwei Abstaubertore von Dzeko

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel stand Balotelli sofort wieder im Fokus, als er unmittelbar vor der Strafraumgrenze von Evans festgehalten wurde. Der United-Verteidiger sah zu Recht Rot. Erneut nach Vorarbeit Milners staubte Balotelli wenig später aus kurzer Distanz zum 2:0 ab, Agüero traf nach einer Flanke von Richards zum neunten Mal im zehnten Spiel für City. In der 70. Minute holte sich Balotelli bei seiner Auswechslung seinen verdienten Applaus, für ihn kam Dzeko, der gegen ein in sich zusammenfallendes United noch zweimal abstaubte.

Nationalspieler Per Mertesacker kam unterdessen mit dem FC Arsenal zu einem 3:1 (1:1)-Sieg gegen Stoke City, bei dem Robert Huth 90 Minuten auf der Bank saß. Gervinho (27.) und der eingewechselte Robin van Persie (73., 82.) trafen für die Gunners, Peter Crouch (34.) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Am Sonntagabend hatte der FC Chelsea (19 Punkte) im West-Londoner Derby bei den Queens Park Rangers noch die Chance, bis auf drei Zähler an City heran zu kommen. Bereits am Samstag hatte der frühere Rekordmeister FC Liverpool die Chance ausgelassen, zumindest in Sichtweite der Spitze zu kommen. Das Tor von Craig Bellamy (45.) reichte gegen Aufsteiger Norwich City nur zu einem 1:1 (1:0), weil Grant Holt eine Viertelstunde später ausglich. Newcastle United wahrte seine weiße Weste beim 1:0 (0:0) gegen Wigan Athletic.