Naoki Matsuda

Die Hitzewelle kostet Japans WM-Star das Leben

Der frühere japanische Nationalspieler Naoki Matsuda war am Dienstag beim Training kollabiert. Zwei Tage kämpften die Ärzte vergeblich um den 34-Jährigen.

Shunsuke Nakamura schaute 20 Minuten durch die Fensterscheibe auf seinen früheren Nationalmannschafts- und Teamkollegen Naoki Matsuda. Der 34-jährige Japaner lag auf der Intensivstation, regungslos, Schläuche im Mund, künstlich beatmet. „Ich habe ihn gesehen, und ich glaube, dass er sich wieder erholt“, sagte Nakamura am Mittwoch nach dem Blick durch die Scheibe.

Doch Matsuda hat sich nicht mehr erholt. Am Donnerstag starb der 40-malige Nationalspieler.

Zwei Tage zuvor war er während des Warmlaufens beim Vormittagstraining seines Drittligaklubs Matsumoto Yamaga zusammengebrochen. Ein Hitzschlag. Matsuda wurde ins Krankenhaus von Matsumato in der Präfektur Nagano gefahren. Auf dem Weg dorthin oder direkt nach der Ankunft im Hospital erlitt er einen Herzinfarkt, der Verteidiger war bewusstlos , reagierte nicht mehr auf die Herzmassage.

Rekordhitze in Japan

Der Fußball war in der jüngsten Vergangenheit eigentlich für die guten Nachrichten im schwer getroffenen Japan verantwortlich. Die Frauen gewannen die Weltmeisterschaft im fernen Deutschland, völlig unerwartet und unter großer medialer Betrachtung.

Ablenkung von den Folgen des 11. März, von der Reaktorkatastrophe in Fukushima, von der radioaktiven Verseuchung. Nun hat sich der Fußball eingereiht. Japan leidet momentan unter einer Rekordhitze. Matsuda ist einer von 43 Hitzetoten in den vergangenen zwei Monaten.

Der Technische Direktor des Nationalteams, Hiromi Hara, kämpfte mit den Tränen nachdem er vom Tod Matsudas erfahren hatte. Hara wollte auf einer Pressekonferenz den Kader für das Freundschaftsspiel gegen Südkorea bekannt geben. „Wir wurden gerade informiert, dass Naoki Matsuda von uns gegangen ist“, presste er heraus. „Ich kann es nicht glauben“ und „möge seine Seele in Frieden ruhen“, sagte Hara.

Kein Einzelfall

Matsudas Tod ist kein Einzelfall. 1997 erlitt Axel Jüptner (28) beim Training des damaligen Zweitligisten Carl-Zeiss Jena einen Herzinfarkt, einen Tag später verstarb er. Internationales Aufsehen erregte der Tod von Marc-Vivien Foé: Der Kameruner war während des Halbfinals des Confed-Cups 2003 im französischen Lyon zusammengebrochen. Herzversagen. Foé starb im Krankenhaus. Er wurde auch nur 28 Jahre alt.

Ein gutes halbes Jahr später, im Januar 2004, stützt sich der Ungar Miklos Feher beim Spiel seines Klubs Benfica Lissabon in Guimaraes mit den Händen auf den Knien ab, dann knickt er nach links weg, sein Kopf schlägt auf dem Boden auf. Die Arme weit von sich gestreckt bleibt der 24-Jährige liegen.

In den Sekunden zuvor hatte er noch eine Gelbe Karte gesehen, Feher wollte beim Stand von 0:1 Zeit schinden, er wusste um sein Vergehen, lächelte den Schiedsrichter an. Kurz darauf knien seine Mitspieler auf dem Boden. Noch während Feher abtransportiert wird, heulen sie hemmungslos auf dem Rasen.

Im August 2007 traf es den spanischen Profi Antonio Puerta (22), drei Monate später Phil O’Donnell (35) vom schottischen FC Motherwell. 2009 starben im August Dani Jarque, Kapitän von Espanyol Barcelona, und im November der Mexikaner Antonio de Nigris (31) vom griechischen Erstligisten AE Larisa.

Bei allen versagte das Herz , wie nun bei Matsuda, der von 1995 bis 2010 385 J-League-Spiele für die Yokohama F. Marinos bestritt. 2003 und 2004 wurde mit dem Team Meister.

2002 bestritt er bei der WM in Japan und Südkorea alle vier Spiele für das im Achtelfinale gegen die Türkei unterlegene Japan. „Es ist fürchterlich, jemanden in so jungem Alter sterben zu sehen“, sagt sein ehemaliger Trainer Philippe Troussier.