Champions League

Udinese Calcio – Ein Klub lebt vom Spielerhandel

Udinese Calcio tritt in der Champions-League-Qualifikation auf den FC Arsenal. Der Verein beschäftigt mehr als 100 Profis und unterhält ein Zweitteam in Spanien.

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Dass Udinese Calcio in der Qualifikation zur Champions League auf den FC Arsenal trifft, passt nicht wirklich in den Business-Plan der Norditaliener. Der Klub ist ein Zwischenhändler für Talente aus der ganzen Welt, der sportliche Erfolg dabei eher ein erfreuliches Nebenprodukt. Von hier wechselte der Brasilianer Marcio Amoroso 1999 für 27 Millionen Euro nach Parma, Vicenzo Iaquinta schloss sich 2007 für elf Millionen Euro Ablöse Juventus Turin an, und Fabio Quagliarella wurde 2009 für 23 Millionen Euro an den SSC Neapel verkauft.

Diese Namensliste ließe sich noch verlängern; auch Oliver Bierhoff startete beim AC Mailand durch, nachdem er Udinese 1998 für eine Ablöse von rund 25 Millionen Mark verlassen hatte.

„Schwierig, aber machbar“, nannte Arsenal-Trainer Arsene Wenger die Aufgabe vor dem Hinspielduell seines Teams mit Udinese Calcio Dienstagabend (20.45 Uhr, live bei Sky). Machbar vor allem aus einem Grund: „Udinese hat Sanchez und Zapata verloren.“

Das Team von Trainer Francesco Guidolin musste auch in diesem Sommer seine Stars ziehen lassen, der Außenseiter war schließlich Vierter geworden. Am spektakulärsten war das Tauziehen um Alexis Sanchez, die italienische Spielervereinigung hatte den chilenischen Stürmer zum besten Akteur der Serie A gewählt. 26 Millionen Euro plus mögliche knapp zwölf Millionen Bonuszahlungen ließ sich der FC Barcelona den 22-Jährigen kosten.

Und auch der Wechsel Cristian Zapatas füllt Udineses Kasse: Für 7,5 Millionen Euro holte sich der FC Villarreal den kolumbianischen Innenverteidiger. Anschließend ging auch der defensive Mittelfeldspieler Gökhan Inler. 17,5 Millionen Euro überwies der SSC Neapel für den defensiven Mittelfeldspieler aus der Schweiz. „Wir müssen am Ende die Hosen runterlassen“, hatte Eigentümer Gianpaolo Pozzo geklagt: „Wir sind halt ein kleiner Verein.“

Das Modeel ging perfekt auf

Dabei gibt es keinen Grund zu jammern. Das Geschäftsmodell ist 2011 perfekt aufgegangen. Sanchez, Zapata und Inler hatten Udinese Calcio einst zusammen nur 3,5 Millionen Euro Ablöse gekostet. Der Gesamtüberschuss in diesem Sommer beträgt mehr als 50 Millionen.

Der Aufwand dafür ist hoch: Um ungeschliffene Edelsteine wie Sanchez zu finden, arbeiten 20 Scouts für Udinese. Sie tingeln über die Dorfplätze aller Kontinente. Pozzo hat ein System aufbauen lassen, das nur funktioniert, wenn der Klub aus der 100.000-Einwohner-Stadt die Talente früher aufspürt als die Konkurrenz. Zudem sucht Pozzo stets nach Arbeitgebern, für die er seine vielen Angestellten laufen lassen kann. Mehr als 100 Spieler stehen bei Udinese Calcio unter Vertrag, die wollen beschäftigt werden. Der Marktwert steigt schließlich nicht von allein. Die meisten haben Fünfjahresverträge, verliehen werden sie immer nur für eine Saison, auch in diesem Jahr: nach Italien, Norwegen, Griechenland – und Spanien.

Geijo ist der nächste Star

Dort hat Pozzo gleich eine Außenstelle eröffnet. 2009 kaufte er den FC Granada und machte ihn zu Udineses zweiter Mannschaft. Mit Erfolg: 2010 stieg Granada in die zweite Liga auf und marschierte in diesem Sommer gar in die Primera Division durch. Mit elf Spielern aus Udine im Kader bestritten die Andalusier das Aufstiegs-Play-off. Und der nächste Star scheint auch schon gefunden: Alex Geijo.

Der Schweizer Angreifer mit spanischem Pass schoss 24 Tore für Granada, bescherte seinen Chefs aus Udine ein Farmteam in der höchsten spanischen Spielklasse und wurde prompt in die Firmenzentrale zurückbeordert. Dort wird er neben Antonio di Natale stürmen, der zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig der Serie A wurde. Mit seinen 34 Jahren ist der aber wohl zu alt für einen Verkauf.