Neuer Nationalcoach

Klinsmann soll die USA zum Weltmeister machen

Der ehemalige deutsche Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist der neue Nationalcoach der USA. Er tritt damit die Nachfolge von Bob Bradley an. Seine Aufgabe: Er soll das amerikanische Team bei der WM 2014 in Brasilien zum Sieg führen.

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Der frühere Weltmeister und Bundestrainer bei der WM 2006 übernimmt die Nachfolge von Coach Bob Bradley

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Aus dem jahrelangen Flirt ist endlich eine Beziehung geworden. Jürgen Klinsmann ist neuer Nationaltrainer der USA. Wie der US-Verband gestern in einer Presseerklärung mitteilte, trat der ehemalige Fußball-Bundestrainer einen Tag vor seinem 47. Geburtstag die Nachfolge von Bob Bradley an, von dem sich der Verband erst am Donnerstag getrennt hatte. Klinsmann ist der 35. Nationalcoach in der Geschichte der US-Auswahl und der erste Ausländer seit dem Serben Bora Milutinovic 1994.

„Ich fühle mich stolz und geehrt, zum Nationaltrainer der US-Männermannschaft ernannt worden zu sein“, sagte Klinsmann in der Verbandserklärung. Offiziell wird er am Montag bei einer Pressekonferenz in New York vorgestellt. Über die Laufzeit seines Vertrages wurde zunächst nichts bekannt.

Mit seiner Verpflichtung wollen die Amerikaner einen entscheidenden Schritt Richtung Weltspitze machen. Nachdem das Team 2009 beim Konföderationen-Pokal noch sensationell Spanien im Halbfinale besiegt hatte und bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr ins Achtelfinale eingezogen war, stagnierten die Leistungen zuletzt. In der Weltrangliste rutschten die Amerikaner im Juli von Platz 24 auf 30 ab.

„Wir brauchen einen Rockstar als Trainer, jemanden, der dem gesamten US-Fußball Energie einhaucht“, hatte Ex-Nationalspieler Alexi Lalas vor der Entscheidung pro Klinsmann gefordert. Der Weltmeister von 1990, der seit Jahren in Kalifornien lebt, soll nun die Nationalmannschaft zur WM 2014 in Brasilien führen.

Sein erstes Länderspiel als US-Coach bestreitet er am 10. August in Philadelphia gegen Mexiko – eine Neuauflage des Gold-Cup-Finales vom Juni, das die Amerikaner verloren hatten. „Ich freue mich sehr auf die Herausforderung, die vor mir liegt. Ich freue mich darauf, die Mannschaft gegen Mexiko zusammenzubringen und in Richtung WM-Qualifikation für 2014 zu starten“, betonte der Blondschopf.

Viel Macht, hohe Erwartungen

Klinsmann erhält im Verband soviel Macht, wie keiner seiner 34 Vorgänger. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an ihn. „Jürgen wird uns fußballerisch sicherlich voranbringen, das ist gut für die Mannschaft und den Verband. Wir freuen mich auf neue Ideen und neue Strukturen“, meinte Nationalspieler Steven Cherundolo, Kapitän von Hannover 96.

Auch in seiner zweijährigen Amtszeit als Bundestrainer hatte er sich im DFB viele Kompetenzen gesichert und etliche Neuerungen durchgesetzt. Sein einstiger Nationalmannschafts-Assistent Joachim Löw ist fest davon überzeugt, dass Klinsmann auch im US-Fußball einiges ändern wird. „Ich freue mich für Jürgen, dass er eine neue Herausforderung gefunden hat, und wünsche ihm viel Erfolg. Wie wir Jürgen kennen, wird er mit Power an die Aufgabe herangehen und viel bewegen“, sagte Bundestrainer in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Löw war ebenso vorab telefonisch informiert worden wie DFB-Präsident Theo Zwanziger, Ehrenpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. „Ich freue mich für Jürgen Klinsmann, dass er die Möglichkeit bekommt, die Auswahl der USA zu betreuen. Wir wissen beim DFB aus eigener Erfahrung, dass er ein sehr guter Nationaltrainer ist. Daher kann man dem US-amerikanischen Verband nur zu dieser Wahl gratulieren“, sagte Zwanziger.

Kehrtwende von Gulati

Klinsmann wurde schon mehrmals als Trainer der US-Auswahl gehandelt. 2006 und 2010 scheiterten die Gespräche mit Amerikas Verbands-Präsident Sunil Gulati jedoch daran, dass der Deutsche zu viel Macht forderte. Nun machte Gulati eine Kehrtwendung: „Er ist ein sehr erfolgreicher Spieler und Trainer mit der Erfahrung und dem Wissen, um unser Projekt voranzubringen. Wir freuen uns auf seine Führung auf und außerhalb des Feldes.“

Der einstige Weltklasse-Torjäger selbst hatte sich in der Vergangenheit immer wieder begeistert über das amerikanische Fußball-Potenzial geäußert: „Dieses Land bewegt sich immer mehr zur populärsten Sportart der Welt hin. Hier ist vieles möglich.“ 2006 hatte Klinsmann zusammen mit Löw die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-WM auf den dritten Platz geführt, seit seinem Rauswurf bei Rekordmeister Bayern München 2009 hatte er nicht mehr als Coach gearbeitet. Zuletzt beriet der ehemalige Stürmerstar aus Schwaben den Toronto FC.