Copa America

Paraguay – Zehn Maurermeister und ein Held im Tor

Ohne einen Sieg in der regulären Spielzeit hat sich das Team Paraguay für das Finale der Copa America am Sonntag gegen Uruguay qualifiziert.

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Paraguays Auftritte in der K.o.-Phase der Copa América gleichen einem Actionstreifen aus Hollywood. Über 120 Minuten steuert eine eher dünne Handlung ihrem Höhepunkt entgegen. Der Hauptdarsteller wächst schließlich über sich hinaus und wird im finalen Showdown zum gefeierten Helden. Paraguays Held heißt Justo Villar.

Mit sensationellen Paraden rettete der Torhüter seine aus dem Spiel heraus fantasielos agierenden Kollegen gegen Brasilien und Venezuela jeweils ins Elfmeterschießen. Dort verdiente Villar sich dann endgültig den Applaus. Zumindest den seiner Landsleute.

Die neutralen Zuschauer wenden sich trotz fulminanter Schlussakte zunehmend gelangweilt ab. Zu Begeisterungsstürmen reißt Uruguay s Gegner im Finale der Südamerika-Meisterschaft am Sonntag im Stadion „El Monumental“ von Buenos Aires (21 Uhr MESZ, Sport 1) wahrlich nicht hin. Unglaublich, aber wahr: Paraguay darf vom dritten Copa-Titel seiner Geschichte träumen, ohne im bisherigen Turnierverlauf auch nur eine einzige seiner fünf Partien gewonnen zu haben. Im Viertel- und Halbfinale fiel die Entscheidung durch Elfmeter. Zuvor hatte Paraguay sich in der Vorrunde von Ekuador, Brasilien und Venezuela jeweils remis getrennt. Seit über vier Stunden wartet die von Gerardo Martino betreute Auswahl um Bundesliga-Legionär Lucas Barrios (Dortmund) mittlerweile auf einen Torerfolg.

Paraguay ist Sinnbild für eine Copa, die fußballerisch schwer verdauliche Kost geboten hat. Tapfer kämpfende Außenseiter stahlen den für das Spektakel vorgesehenen Superstars Lionel Messi und Neymar die Show. Selbst Paraguays Coach Martino will dem nicht widersprechen: „Es sind die Teams weitergekommen, die es am wenigsten verdient haben.“ Nach dem frühen Ausscheiden ihrer Elf haben die gastgebenden Argentinier längst die Lust an den Titelkämpfen im eigenen Land verloren.

Ganz anders sieht es bei den Nachbarn von der anderen Seite des Rio de la Plata aus. Kurz vor dem Finale steigt die Vorfreude. Scharenweise bevölkern in Landesfarben gekleidete Fans die Lobby des Mannschaftshotel „Intercontinental“ im Zentrum der argentinischen Hauptstadt. Ein Foto hier, eine Autogramm dort. Uruguays Spieler inklusive Superstar Diego Forlán geben sich volksnah. Dann schallt plötzlich laute Musik durch die Flure. Sebastián Abreu demonstriert breit grinsend, warum er zu Recht DJ seines Teams ist. Cumbia, Candombe oder Samba.

Der 34 Jahre alte Oldie im Team weiß, mit welchen Klängen er seine Kollegen in Stimmung bringt. Für das Finale erwartet der Veteran einen „harten Kampf“ gegen Paraguays Mauerkünstler. Vom kuriosen Turnierverlauf des Rivalen lässt er sich nicht blenden. „Am Ende fragt doch keiner danach, wie man ein Endspiel erreicht hat“, zollt Abreu Respekt. Das eigene Ziel sei aber klar: „Wir wollen Geschichte schreiben.“ Für Uruguay wäre es der 15. Copa-Triumph. Damit würde man Erzrivale Argentinien überholen und alleiniger Rekordsieger sein.

Die Entscheidung soll möglichst vor dem Elfmeterschießen fallen. „Unser Ziel ist es, nach 90 Minuten als Sieger dazustehen“, sagt Abreu. Doch auch vom Punkt aus hat der WM-Vierte seine Nervenstärke bereits bewiesen. Messi und Kollegen können ein Lied singen. An einem Keeper mit heroischen Zügen mangelt es ebenfalls nicht. Auf die Reflexe von Fernando Muslera ist Verlass.