2. Fussball-Bundesliga

Frankfurts Trainer Veh nimmt Hertha als Vorbild

Eintrachts neuer Trainer Armin Veh spricht im Interview mit Morgenpost Online über den Aufstiegszwang in Frankfurt und warum er doch weiter in Deutschland arbeitet.

Foto: dapd/DAPD

Mit dem Topspiel bei Greuther Fürth startet Eintracht Frankfurt Freitagabend (20.30 Uhr) in die neue Zweitligasaison. Für den Bundesligaabsteiger zählt nur der Aufstieg, und Trainer Armin Veh , Nachfolger von Christoph Daum, ist überzeugt, dass seine Mannschaft der Favoritenrolle gerecht werden kann.

Morgenpost Online: Herr Veh, im März 2011 sagten Sie bezüglich ihres damaligen Arbeitgebers Hamburger SV, dass dieser Verein nicht zu trainieren sei. Wie ergeht es Ihnen denn bei Eintracht Frankfurt?

Armin Veh (lacht): Es läuft sehr gut. Entscheidend war für mich, dass Bruno Hübner als Manager gekommen ist, denn wir kennen uns seit Jahren gut. Auch zu Heribert Bruchhagen (Vorstandschef – d.R.) besteht schon lange Kontakt. Und was die Mannschaft betrifft: Es macht mir Spaß, mit ihr zu arbeiten. Ich habe ein gutes Gefühl und bin überzeugt, dass sie ihrer Rolle in der Zweiten Liga gewachsen sein wird.

Morgenpost Online: Ihr Team ist der Aufstiegsfavorit.

Veh: Das wissen wir, und der Situation stellen wir uns auch. Unser Ziel ist es, nächstes Jahr wieder in der Bundesliga zu sein.

Morgenpost Online: 15 von 18 Zweitligatrainern haben sich auf Frankfurt als Aufsteiger festgelegt. Verspüren Sie Druck?

Veh: Selbstverständlich. Aber diesen Druck muss hier jeder aushalten. Bei der Ausgangslage, die wir vor dem Saisonstart haben, ist die Erwartungshaltung an uns völlig normal. Es bringt in unserer Situation nichts, auf Understatement zu machen. Das würde uns niemand abkaufen. Deshalb stellen wir uns ganz klar der Herausforderung.

Morgenpost Online: Hertha BSC könnte als Vorbild dienen. Die Berliner haben die sofortige Rückkehr geschafft.

Veh: Es wäre natürlich perfekt, wenn uns das auch gelingt. Aber ich glaube nicht, dass das so einfach wird. Es wird schwieriger, als es manche vermuten. Ich will bei aller Euphorie um uns und bei allem Glauben an unsere Stärke dennoch darauf hinweisen, dass es auch schon Mannschaften gegeben hat, die aus der Ersten Liga abgestiegen und im Jahr darauf fast bis in die Dritte Liga durchgereicht worden sind. Und auch Hertha hatte es nicht so leicht, das war kein Aufstieg im Vorbeigehen. Da waren einige enge Spiele dabei. Aber die Berliner haben sie gewonnen. Das war entscheidend – und darauf wird es auch für uns ankommen.

Morgenpost Online: Mit dem VfB Stuttgart sind Sie Meister geworden, zuletzt haben Sie Wolfsburg und Hamburg trainiert. Warum jetzt Zweite Liga?

Veh: Entscheidend waren sicherlich die handelnden Personen mit Bruno Hübner und Heribert Bruchhagen. Da besteht großes Vertrauen, was in dieser Branche enorm wichtig ist, um große Ziele angehen zu können. Dazu hat mich die Aufgabe gereizt, einen Verein wie Eintracht Frankfurt wieder in die Bundesliga zu bringen. Dorthin, wo er hingehört. Außerdem (Veh fängt an zu lachen) bin ich schon Bayernliga-Meister, Regionalliga-Meister und Bundesliga-Meister geworden – da fehlt also noch der Zweitligatitel. Und wenn ich den dann habe, kann ich irgendwann beruhigt aufhören.

Morgenpost Online: Apropos. Während Ihrer Zeit in Hamburg haben Sie gesagt, dass das Ihr letzter Verein in Deutschland wäre. Nun sind Sie in Frankfurt.

Veh: Ja, ja, ich weiß. Aber das war zu dem Zeitpunkt (2. Dezember 2010 – d.R.) auch meine Überzeugung. Ich habe damals allerdings nicht einschätzen können, in welche Richtung sich das beim Hamburger SV bewegt. Da ging es doch irgendwann nur noch um Politik. Das hatte doch nichts mehr mit Fußball zu tun.

Morgenpost Online: Sie haben neun Zugänge verpflichtet. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Personal?

Veh: Wir werden sicherlich noch einmal auf dem Markt aktiv. Denn wenn beispielsweise Marco Russ gehen sollte (eventuell Wolfsburg – d.R.), müssen wir mit Blick auf die Verteidigung unbedingt reagieren. Ansonsten finde ich, dass wir ganz gut aufgestellt sind. Gerade vorn haben wir sehr viel Qualität.

Morgenpost Online: Ioanis Amanatidis, von dem sich der Verein trennen möchte, besteht auf der Teilnahme am Training. Der Fall könnte ein Problem werden und auf Dauer für Unruhe sorgen.

Veh: Absolut. Es ist wichtig, dass die Sache schnell geklärt wird. Bei mir wird er jedenfalls nicht mehr spielen.

Morgenpost Online: Es wird wichtig sein, die Zweite Liga anzunehmen. Wie sehr haben die Spieler schon verinnerlicht, dass es allein mit spielerischen Mitteln schwer wird zu bestehen?

Veh: Ja, das haben sie. Nichtsdestotrotz zählt das Spielerische auch zu den Stärken der Eintracht. Uns ist aber klar, dass wir den Kampf annehmen müssen. Gerade mit dem Hintergrund, dass viele Mannschaften gerade in den Spielen gegen uns besonders motiviert sein werden.

Morgenpost Online: Bundesweit hat der Ruf der Eintracht gelitten. Neben dem sportlichen Abstieg haben Fanprobleme nachhaltig für einen negativen Eindruck gesorgt.

Veh: Ich habe das in der vorigen Saison auch verfolgt. Allerdings kenne ich die Eintracht-Fans seit Jahren, denn ich habe oft mit anderen Mannschaften bei ihnen gastiert. Ich habe sie als sehr leidenschaftlich erlebt und fand es immer beeindruckend, mit welcher Hingabe sie ihr Team unterstützt haben. Ich denke, dass das eine einmalige Sache war und nicht überbewertet werden sollte.

Morgenpost Online: Verantwortliche des DFB und der DFL sowie Sicherheitsexperten befürchten bezüglich der neuen Zweitligasaison große Gewaltproblem e.

Veh: Ich habe mich mit dieser Thematik nicht explizit auseinandersetzt. Ich möchte nicht oberflächlich irgendwas sagen, nur um etwas zu sagen. Deshalb halte ich mich aus dieser Diskussion heraus. Ich hoffe aber sehr, dass der Fußball im Vordergrund steht – und nichts anderes.