Türkei

Fenerbahce soll sich zum Meister manipuliert haben

Premier Erdogan fürchtet ein "böses Erwachen" durch den Manipulationsskandal in der Türkei. Manager, Trainer und Spieler mehrerer Vereine wurden festgenommen.

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Die Verhaftungswelle im Manipulationsskandal des türkischen Fußballs hat am Bosporus die Politik auf den Plan gerufen.

„Die Justiz hat ihre Entscheidung getroffen. Hoffentlich gibt es kein böses Erwachen", kommentierte Ministerpräsident Tayyip Erdogan die landesweiten Razzien und Festnahmen von Nationalspielern und exponierten Funktionären am vergangenen Sonntag. "Wenn sich auch nur fünf Prozent der Vorwürfe als wahr erweisen sollten, wäre das sehr schlimm für den Sport in der Türkei", sagte der stellvertretende Vorsitzende Huseyin Celik von Erdogans Regierungspartei AKP.

Nachdem die Polizei bei ihrem Großeinsatz in 15 Provinzen des Landes zusammen mit 49 weiteren Personen auch Präsident Aziz Yildirim von Meister Fenerbahce Istanbul verhaftet hatte, nahmen die Ermittler zu Wochenbeginn acht weitere Personen im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Ergebnisabsprachen in der zurückliegenden Saison fest. Einzelheiten zu den verhafteten Personen gaben die Behörden bis Montagmittag nicht bekannt.

Von der Klinik ins Gefängnis

Yildirim, dessen Verein vermutlich auch aufgrund des Fotofinishs im Titelrennen der vergangenen Spielzeit mit Trabzonspor eine Schlüsselrolle in der Affäre zu spielen scheint, wurde wegen Unwohlseins aus seiner Zelle unter Bewachung in ein Krankenhaus gebracht. Nach einem mehrstündigen Klinikaufenthalt musste der Bauunternehmer ins Gefängnis zurück.

Die Istanbuler Börse reagierte auf das "Erdbeben" (Milliyet) erwartungsgemäß mit Kursverlusten für die Aktien der betroffenen Vereine. Fenerbahces Anteilsscheine stürzten kurz nach Handelsbeginn um zehn Prozent ab. Kurz darauf dementierte der Klub offiziell jegliche Verwicklung in kriminelle Machenschaften: "Fenerbahce war nie und wird nie mit ungesetzlichen und illegalen Aktivitäten zu tun haben. Wir sind stolz auf unsere saubere und erfolgreiche Vergangenheit."

Neben Fenerbahce, das im Falle von Beweisen für Manipulationen die Aberkennung des Titels und den Zwangsabstieg in die 2. Liga fürchten muss, befinden sich auch Vizemeister Trabzonspor sowie die Erstligisten Sivasspor, Eskisehirspor, Genclerbirligi und Ankaragücü im Visier der Fahnder. Den verdächtigen Personen drohen im Falle einer Anklage außerdem Gefängnisstrafen.

Entwicklung zum Rechtsstaat

Der türkische Verband TFF enthielt sich bis zum frühen Montagnachmittag einer vorläufigen Bewertung der Geschehnisse. "Wir werden uns äußern, wenn wir ausreichende Informationen von den zuständigen Ermittlungsbehörden erhalten haben", teilte der TFF zunächst lediglich mit.

In der türkischen Politik sehen hochrangige Regierungsmitglieder den Skandal allerdings auch in einem positiven Licht. "Die Ermittlungen zeigen, dass die Türkei sich immer mehr zu einem Rechtsstaat entwickelt", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Bulent Arinc.

Yildirim war am Sonntag zum prominentesten Häftling in der Affäre geworden. Die Ermittler nahmen bei ihrem frühmorgendlichen Großeinsatz weitere Mitglieder der Fenerbahce-Führung, Sivasspor-Chef Mecnun Odyakmaz, Trabzonspor-Vize Nevzat Sakar, die Nationalspieler Serkan Calik (Genclerbirligi) und Serdar Kulbilge (MKE Ankaragücü), den in Berlin geborenen Eskisehirspor-Sportdirektor Ümit Karan und rund 40 weitere Personen fest. Offen war auch nach der zweiten Verhaftungswelle am Montag, ob die Manipulationen im Zuge von Wettgeschäften oder zur Verschaffung sportlicher Vorteile stattgefunden haben sollen.